# taz.de -- Gewaltsame Festnahmen in USA: Die Tricks der Abschiebepolizei, um Widerstand zu vermeiden
> Die US-Einwanderungspolizei ICE rief in den Städten massiven Widerstand
> hervor. Nun operiert die Behörde dezentral. Tausende sind betroffen.
(IMG) Bild: Kommen in kleinen Teams – wie hier bei einer Festnahme in New York: die ICE-Agenten
Der Aufruhr war groß, als am vergangenen Freitag der 28 Jahre alte Oscar
Belgal von einem ICE Beamten in der Bronx [1][auf offener Straße und vor
den Augen seines fünf Jahre alten Sohnes angeschossen] wurde. Über das
gesamte Wochenende fanden in ganz New York Anti-ICE- und
Anti-Trump-Demonstrationen statt. Man war außer sich, dass Szenen wie
diese, die man bislang nur aus [2][Minneapolis], [3][Chicago] oder [4][Los
Angeles] kannte, nun auch in der Stadt angekommen waren, die sich als die
einwandererfreundlichste Stadt der USA begreift.
Dabei hätte man es eigentlich ahnen können. Der ICE-Terror in den Städten
beherrscht zwar seit Monaten nicht mehr die Schlagzeilen. Doch ICE-Chef Tom
Homan hatte sich erst eine Woche zuvor bei einer Pressekonferenz
unnachgiebig gezeigt – insbesondere gegen die sogenannten Sanctuary Cities,
Städte wie New York, Chicago, San Francisco oder Boston, die sich zum
sicheren Hafen für Einwanderer ungeachtet ihres Aufenthaltsstatus erklärt
haben. „Die Sanctuary Cities beherbergen und schützen Schwerverbrecher. Wir
werden die Straßen dieser Städte fluten.“
Bei derselben Pressekonferenz prahlte Homan mit den jüngsten Erfolgen
seiner Behörde. Im Juni habe man 43.000 Menschen festgenommen, im Juli
49.000, im August 51.000 und im September sehe es auch nicht schlecht aus.
Das war deutlich mehr als etwa zu Beginn des Jahres, als die ICE nach den
Offensiven in Los Angeles und Minneapolis in aller Munde war. 39.694 waren
es im Januar, 32.531 im März.
Der breite Widerstand in der Bevölkerung und die laute Kritik in den Medien
hatten die ICE damals vorübergehend dazu bewogen, sich zurückzuziehen. Doch
seit Beginn des Sommers findet eine größer angelegte Jagd auf Einwanderer
statt als je zuvor. „Es ist mir egal, wie sehr ihr mich beschimpft oder als
Nazi bezeichnet“, sagte Homan. „Wir verschwinden nicht. Wir werden
weiterhin unseren Auftrag erfüllen.“
## Sie kommen in kleinen Trupps und verschleppen Menschen
Um weniger Widerstand und öffentliche Empörung zu erregen, operiert die ICE
seit Beginn des Sommers dezentral. Es gibt gezielte Aktionen von Maine über
Wisconsin bis nach Arizona. Kleine Einheiten machen punktuelle Festnahmen
und verschwinden so schnell wieder, wie sie gekommen sind.
So tauchte in Madison, Wisconsin, plötzlich ein Trupp von fünf ICE-Männern
in einem Waschsalon auf und verhaftete fünf Menschen, während diese ihre
Wäsche machten. Angeblich waren sie allesamt Straftäter. Auf dem [5][Video]
eines Mitkunden ist zu sehen, wie drei bullige ICE-Beamte den Kopf eines
Jugendlichen gegen einen Seifenautomaten schlagen.
In Harrison, New Jersey, schnappten sich ICE-Beamte einen türkischen
Staatsbürger, der gerade vom Einkaufen nach Hause kam. Er wurde aus dem
Wagen gezerrt, während er verzweifelt nach seiner Frau schrie. Der Mann war
geschäftlich in die USA eingereist und hatte zwischenzeitlich ein
Studentenvisum beantragt, das noch nicht genehmigt ist.
In einem [6][herzzerreißenden Video], das von vielen Medien in den USA und
Lateinamerika gezeigt wurde, ist zu sehen, wie sich in Florida in einem
Krankenhauszimmer eine Tochter schreiend an ihre Mutter klammert, die
gerade abgeführt wird. Beide waren nach einem Verkehrsunfall in die
Notaufnahme eingeliefert worden, die Tochter hatte noch eine Infusion im
Arm. Die beiden Ecuadorianerinnen hatten laufende Asylanträge, nachdem man
in ihrer Heimat mehrfach versucht hatte, sie zu entführen. Mittlerweile
wurden sie deportiert.
Bei der neuen Strategie der ICE, plötzlich im Alltag der Menschen
aufzutauchen und sie zu verschleppen, kommt es immer häufiger zu Gewalt.
Allein in diesem Sommer wurden 9 Menschen bei Schießereien getötet und 13
verletzt. Das größte Aufsehen erregte die [7][Erschießung von Lorenzo
Salgado Araujo] auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte außerhalb von Houston.
Salgado Araujo lebte seit 35 Jahren als unbescholtener Familienvater in
Texas.
Tom Homan hat bereits angekündigt, Bemühungen von New Yorks Bürgermeister
Zohran Mamdani und der Gouverneurin Kathy Hochul zu ignorieren, die ICE aus
der Stadt zu verbannen. Und ihr verdeckter, leiser Auftritt macht es nicht
einfacher, sie an ihrem Werk zu hindern. Die ICE-Männer, die Oscar Belgal
anschossen, waren als Bauarbeiter verkleidet.
14 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-Schuss-auf-Migrant-in-New-York/!6220512
(DIR) [2] /Toedliche-ICE-Schuesse/!6148499
(DIR) [3] /Abschiebe-Razzien-Chicago-war-einst-ein-sicherer-Ort-fuer-Migranten/!6062059
(DIR) [4] /Trumps-Kalkuel-in-Los-Angeles/!6091977
(DIR) [5] https://www.youtube.com/watch?v=jK_w3oRpQ7o
(DIR) [6] https://youtube.com/shorts/VFYDUChyKh0?si=EcPO0ppJMhfPjkva
(DIR) [7] /Gewalt-durch-ICE-in-den-USA/!6194363
## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
## TAGS
(DIR) ICE
(DIR) Migration
(DIR) Abschiebung
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach Schuss auf Migrant in New York: Mamdani will ICE abschaffen
Zohran Mamdani, Bürgermeister von NYC, kritisierte den Einsatz von
ICE‑Agenten. Am Donnerstagabend schossen sie auf einen Mann, sein
fünfjähriger Sohn saß daneben.
(DIR) Nach tödlichen ICE-Schüssen in Maine: ICE soll Fahrzeugkontrollen weitgehend beenden
Demonstranten werfen der Einwanderungsbehörde nach der Tötung eines
Kolumbianers Mord und Terror vor. Der Vorfall hat nun Konsequenzen.
(DIR) Tödlicher ICE-Einsatz in Maine: Erschossener Kolumbianer offenbar nicht Zielperson
In den USA gehen Abschieberazzien gegen Einwanderer ohne gültige Papiere
weiter. Kürzlich wurde dabei in Texas ein Mensch getötet und nun erneut
einer in Maine.