# taz.de -- Nach Tankrabatt-Aus: Spritpreise steigen massiv
> Mineralölkonzerne erhöhen Preise nach Auslaufen des Tankrabatts über
> Gebühr. Verbraucherschutzchefin Pop spricht von Abzocke.
(IMG) Bild: Nach Auslaufen des Tankrabatts steigen die Spritpreise drastisch
Nach dem [1][Auslaufen des Tankrabatts] sind die Preise für Benzin und
Diesel am Mittwoch bundesweit drastisch auf durchschnittlich mehr als 2
Euro pro Liter gestiegen. Die Mineralölkonzerne gaben die wieder fällige
Steuer auf Sprit komplett an die Verbraucher:innen weiter und legten
sogar noch ein paar Cent drauf. Bereits vor dem Auslaufen des Tankrabatts
hatten die Konzerne die Preise unverhältnismäßig erhöht, kritisiert der
Autoclub ADAC. Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv),
Ramona Pop, spricht von „Abzocke“.
Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran sind die Energiepreise
sprunghaft gestiegen. In Deutschland hat sich das vor allem an den
Zapfsäulen bemerkbar gemacht. Die Bundesregierung verfügte daraufhin, dass
Tankstellen nur noch einmal am Tag – um 12 Uhr mittags – die Preise erhöhen
dürfen. Senkungen sind jederzeit möglich. Außerdem senkte die
Bundesregierung die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend.
Durch den sogenannten Tankrabatt sollten Verbraucher:innen um rund 17
Cent pro Liter Sprit entlastet werden. Am 1. Juli lief der Rabatt aus und
wurde nicht verlängert. Durch die vorübergehende Steuersenkung entgingen
dem Staat 1,6 Milliarden Euro.
Für Mittwochmittag hatten Expert:innen einen Anstieg der Preise an den
Zapfsäulen erwartet. Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Superbenzin
E10 am Mittwoch um 12.15 Uhr im bundesweiten Schnitt 2,15 Euro und damit
18,2 Cent mehr als um 11.45 Uhr. Ein Liter Diesel kostete im Schnitt um
Viertel nach zwölf 2,11 Euro und damit 20,4 Cent mehr als eine halbe Stunde
vorher. Montag und Dienstag waren die Erhöhungen zur Mittagszeit zwar etwas
höher ausgefallen. Danach waren die Preise aber weniger stark gesunken als
sonst üblich. Ob oder in welchem Ausmaß die Preise im Laufe des Mittwochs
fallen, wird erst am Donnerstag sichtbar, wenn die Auswertung für den
gesamten Tag vorliegt.
Der ADAC wirft den Konzernen vor, mit den hohen Preisen am Dienstag das
Auslaufen des Tankrabatts „ungerechtfertigt vorweggenommen“ zu haben. Zu
diesem Zeitpunkt habe sich noch Sprit in den Lagern befunden, der mit
Tankrabatt eingekauft wurde, argumentiert der ADAC. „Auch im Vergleich mit
den Kraftstoffpreisen der Vorwoche zeigt sich, wie stark die Ölkonzerne die
Preise nach oben treiben – trotz unveränderter Rahmenbedingungen
insbesondere beim Ölpreis und dem Wechselkurs von Euro zum US-Dollar“, hieß
es.
## Rohölpreise auf Vorkriegsniveau
Auch die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop,
kritisiert das Vorgehen [2][der Konzerne]. „Die Mineralölkonzerne haben
offenbar schon vor Ende des Tankrabatts die Kassen klingeln lassen“, sagt
sie. Der starke Preisanstieg sei allein durch den Wegfall der Steuersenkung
nicht zu erklären. Die Rohölpreise lägen inzwischen wieder auf
Vorkriegsniveau, die Tankstellenpreise aber deutlich darüber. „Das ist
Abzocke und darf so nicht weitergehen“, fordert sie. „Das Bundeskartellamt
ist jetzt gefragt, genau hinzuschauen und konsequent gegen
ungerechtfertigte Preiserhöhungen vorzugehen.“
Seit Einführung des Tankrabatts besteht der Verdacht, dass [3][die
Mineralölkonzerne] Teile der Steuersenkung behalten. Die Konzerne behaupten
zwar, dass sie den Tankrabatt vollständig an die Verbraucher:innen
weitergegeben haben. Verschiedene Studien sind aber zu einem anderen
Ergebnis gekommen. Auch das Bundeskartellamt hält es für wahrscheinlich,
dass die Konzerne die Steuervergünstigung nicht komplett weitergereicht
haben. Die Behörde verlangt von allen zwölf deutschen Raffineriebetreibern
Auskünfte dazu. In der zweiten Juliwoche will sie einen ausführlichen
Bericht vorlegen.
Das Bündnis sozialverträgliche Mobilitätswende begrüßte am Mittwoch das
Auslaufen des Tankrabatts. Dazu haben sich Umweltorganisationen wie der
ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), Sozialverbände wie Der
Paritätische, die Gewerkschaften Verdi, IG Metall und der DGB sowie die
evangelische Kirche zusammengeschlossen. Es habe sich gezeigt, dass eine
Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe keine verlässliche und zielgenaue
Entlastung schaffe, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Entlastung
sei nicht vollständig an Verbraucher:innen weitergegeben worden und sei
regional unterschiedlich ausgefallen. Menschen ohne eigenes Auto hätten
nicht oder kaum davon profitiert.
Das Bündnis fordert die Einführung eines Mobilitätsgelds, das
Bürger:innen unabhängig vom Verkehrsmittel entlastet. „Die entscheidende
Frage ist nicht, ob der Staat entlasten soll, sondern wie Entlastung
wirksam, gerecht und zukunftsfest gestaltet werden kann“, heißt es in der
Erklärung.
1 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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