# taz.de -- Leitanträge für Parteitag vorgestellt: Grünen-Spitze will mehr Willy Brandt wagen
> Die Parteivorsitzenden sehen nach den AfD-Erfolgen das System in der
> Krise. Ihre Antwort: grüne Familienfeste, Bürokratieabbau und Steuern für
> Reiche.
(IMG) Bild: Haben einen Plan: die Bundesvorsitzenden Felix Banaszak und Franziska Brantner
Anfang Dezember halten die Grünen ihren Bundesparteitag ab. Schon an diesem
Donnerstag haben die Parteivorsitzenden ihre Leitanträge präsentiert.
„Unser Plan für Deutschland“ steht darüber. Franziska Brantner und Felix
Banaszak stellten ihn nicht wie gewohnt in ihrer Parteizentrale vor,
sondern im Saal der Bundespressekonferenz mit Blick aufs Kanzleramt.
Eine Bewerbung der 15-Prozent-Partei für die Bundesregierung, falls die
aktuelle Koalition platzt? „Wir sind jederzeit in der Lage, auch die
Vorkehrungen für eine nächste Bundestagswahl zu starten“, sagte Banaszak.
Das sei aber nicht das Ziel. „Unsere Hauptaufgabe ist jetzt nicht, einen
Wahlkampf zu organisieren, sondern eine Debatte in diesem Land zu führen
darüber, wo Deutschland sein könnte“, ergänzte Brantner.
Der Debattenbeitrag der Grünen-Spitze: Die Wahlergebnisse dieses Jahres mit
den Zuwächsen der AfD und [1][der Aussicht auf eine rechtsextreme Regierung
in Sachsen-Anhalt] seien Grund zum Innehalten. Die Ergebnisse seien „ein
deutliches Misstrauensvotum gegenüber dem Status quo“. Es brauche eine
Antwort von der gleichen Tragweite, wie sie einst Willy Brandt mit „Mehr
Demokratie wagen“ auf die Staatskrise der 1960er gab. Diesmal müsse es
darum gehen, „das Versprechen von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft
zu erneuern“.
Die konkreten Vorschläge dazu lassen sich in drei Bereiche aufteilen.
Erstens: die politische Praxis. „Alle demokratischen Parteien“ hätten den
Fehler gemacht, „den öffentlichen Raum, gerade den ländlichen Raum, den
Verfassungsfeind*innen zu überlassen“. Die Grünen müssten „wieder mehr
Begegnungen ermöglichen“, etwa mit Familienfesten und Beratungsangeboten.
Dazu gehörten auch Gespräche mit AfD-Anhänger*innen. Die Partei gehöre
bekämpft, gegenüber ihren Wähler*innen brauche es aber „Begegnung statt
Belehrung“.
## Wirtschaftsfreundlich und etwas sozial
Zweitens will der Vorstand die Grünen als Wirtschaftspartei aufstellen.
Wachstum sei die Voraussetzung dafür, „dass die ökologische Transformation
gelingt“. Es brauche dafür „ein neues Verhältnis zwischen Staat und
Wirtschaft“ und unter anderem den Abbau von Bürokratie. „Berichts- und
Dokumentationspflichten wollen wir grundsätzlich abschaffen, sofern sie
nicht neu begründet werden.“
Banaszak sagte, die Leitanträge seien „ein klares Signal an die Wirtschaft,
dass wir Partner sein wollen“, aber auch ein Signal dafür, dass der
Wohlstand „gerechter verteilt“ werden müsse. So stellt sich die
Grünen-Spitze in dem Papier zwar grundsätzlich hinter [2][die Abschaffung
der abschlagsfreien Frührente]. Sie kritisiert aber unter anderem
Sozialkürzungen für Kinder und Familien und fordert „fair verteilte Lasten“
bei anderen Reformen. Zur Finanzierung fordern die Grünen unter anderem
eine Übergewinnsteuer auf fossile Gewinne und Abgaben für Vermögen über 500
Millionen Euro.
Nicht alles davon dürfte auf dem Parteitag ohne Widerspruch durchgehen. Der
Bürokratieabbau für Unternehmen könnten Delegierte zum Beispiel kritisch
sehen. Die Parteivorsitzenden geben sich aber gelassen. „Einen
Bundesvorstand, der seine Partei nicht herausfordert, braucht man gerade
nicht“, sagte Banaszak.
8 Oct 2026
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