# taz.de -- Personalwechsel nach den Landtagswahlen: Grüne brauchen neuen General
> Generalsekretärin Pegah Edalatian kandidiert nach taz-Informationen nicht
> für eine zweite Amtszeit. Im Vorstand will sie aber in anderer Rolle
> bleiben.
(IMG) Bild: Gehört dem Parteivorstand seit 2022 an. Im Herbst 2024 stieg sie dann zur Generalsekretärin auf: Pegah Edalatian
Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bahnen sich personelle
Veränderungen im Vorstand der Grünen an. Wie die taz aus Parteikreisen
erfahren hat, wird Generalsekretärin Pegah Edalatian auf dem
Bundesparteitag im Dezember nicht wieder für ihr Amt kandidieren.
Stattdessen will sie sich um den Posten der stellvertretenden Vorsitzenden
bewerben. Zur Begründung heißt es, nach abgeschlossenen Strukturreformen
wolle sie sich wieder stärker der inhaltlichen Arbeit widmen. Für den
Schritt habe sie sich schon vor den Wahlen vom Sonntag entschieden.
Edalatian gehört dem Parteivorstand seit 2022 an, zu Beginn schon einmal
als Vize-Vorsitzende. Im Herbst 2024 rückte sie dann auf zur
Generalsekretärin (im Grünen-Jargon damals noch als „Politische
Geschäftsführung“ bezeichnet). Nach außen prägte sie das Bild der
Grünen-Spitze seitdem zwar kaum mit, für zwei schwierige parteiinterne
Vorhaben trug sie aber qua Amt die Hauptverantwortung: die [1][Reform der
Parteisatzung] und die [2][Neugestaltung der Ombudsstrukturen] für Fälle
sexueller Belästigung, die nach der Affäre um den Abgeordneten Steffen
Gelbhaar nötig geworden war. Beide Projekte waren umkämpft und gelangen am
Ende trotzdem.
Dennoch blieb Edalatians Rückhalt in der Partei begrenzt. Im August
[3][berichtete das Portal Table.Briefings], es gebe Bestrebungen, sie zu
einem Verzicht auf eine weitere Amtszeit zu bewegen. Interesse an dem
Posten hätte stattdessen erneut Sven Giegold. Der ehemalige
Europaabgeordnete wollte den Job schon vor zwei Jahren, konnte sich damals
aber nicht durchsetzen. Stattdessen sitzt er seitdem als stellvertretender
Vorsitzender im Vorstand.
Für ihn als Generalsekretär spricht unter anderem, dass er sich als
Mitbegründer von Attac um die Jahrtausendwende mit Netzwerk- und
Kampagnenarbeit auskennt. Manche in der Partei haben aber auch Vorbehalte
gegen ihn, und öffentlich hat er seine Ambitionen bisher gar nicht
bekundet.
## Einfacher Tausch oder schwieriges Puzzle
Es ist also denkbar, dass Edalatian und Giegold nicht einfach die Plätze
tauschen, sondern dass noch weitere Kandidat*innen auftauchen und neu
in den Vorstand drängen. Entsprechend kann sich auch die bisherige
Generalsekretärin nicht sicher sein, überhaupt Teil der Parteispitze zu
bleiben.
Davor, sie ganz fallenzulassen, warnen aber wiederum ihre
Unterstützer*innen in der Partei. „Sie hat durch ihre Arbeit in den
letzten Jahren unfassbar viel Erfahrung gesammelt und versteht die Partei,
die Strukturen und die Leute in ihrer Tiefe“, sagt eine von ihnen. Andere
verweisen auf inhaltliche Kompetenzen und Edalatians Verdienste um interne
Diversity-Prozesse. Als vielfaltspolitische Sprecherin des Vorstands hat
sie in dem Bereich über die Jahre neue Strukturen und Netzwerke aufgebaut.
Sollten Edalatian und Giegold nicht nur die Posten tauschen, droht den
Grünen zudem ein mühsames Puzzlespiel, denn für den sechsköpfigen
Grünen-Vorstand gelten offizielle und inoffizielle Quotenregeln. So dürfen
dem Gremium laut Satzung nur zwei Bundestagsabgeordnete angehören. Mit den
Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak, deren Ablösung sich
nicht abzeichnet, sind diese beiden Plätze schon belegt.
In gleichen Teilen sind zudem in der Regel die beiden Parteiflügel
vertreten. Giegold und Edalatian gehören dem linken Flügel an. Sollte
jemand aus dem Realo-Flügel gegen sie kandidieren, stünden somit die
bisherigen Realo-Vertreter*innen Heiko Knopf (ebenfalls stellvertretender
Vorsitzender) und Gesine Märtens (Schatzmeisterin) infrage.
Würden wiederum Knopf (Landesverband Thüringen) und Märtens (Sachsen)
herausfallen, müsste stattdessen jemand anderes aus Ostdeutschland rein.
Wäre Schluss für Edalatian, deren Familie aus dem Iran stammt, bräuchte es
außerdem eine andere nichtweiße Person. Und mehr als drei Männer dürfen es
natürlich auch nicht sein. Bei der Neuaufstellung des Vorstands vor zwei
Jahren [4][war die Partei wochenlang mit solchen Fragen beschäftigt].
Großes Interesse an einer Neuauflage dürfte es eigentlich nicht geben.
21 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pegah-Edalatian-zur-Gruenen-Urabstimmung/!6192401
(DIR) [2] /Konsequenzen-aus-dem-Fall-Gelbhaar/!6115961
(DIR) [3] https://table.media/berlin/talk-of-the-town/gruene-wie-die-neue-satzung-auch-die-personalauswahl-veraendert
(DIR) [4] /Kandidaturen-fuer-Gruenen-Vorstand/!6046017
## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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