# taz.de -- Neues Wahlgesetz in Italien: Meloni zementiert ihre Macht
> Italiens Rechtskoalition hat Giorgia Melonis neues Wahlgesetz
> verabschiedet. Künftig gibt es einen überproportionalen Bonus für die
> stärkste Partei.
(IMG) Bild: Abgeordnete protestieren und bezeichnen das neue Wahlgesetz als Betrug
Italien hat ein [1][neues Wahlgesetz]. Am Donnerstag stimmten die Parteien
der Rechtskoalition unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im
Abgeordnetenhaus für das Vorhaben, mit dem sich die Regierungschefin auch
nach den im Jahr 2027 anstehenden Parlamentswahlen eine solide Mehrheit
sichern will.
Mit dem Gesetz werden die Personenwahlkreise, in denen bisher 37 Prozent
der Sitze in beiden Häusern des Parlaments vergeben wurden, abgeschafft.
Stattdessen erfolgt die Sitzvergabe in Zukunft nur noch nach Proporz über
Parteilisten.
Es handelt sich jedoch um einen verzerrten Proporz: Diejenige
Parteienallianz, die bei den Wahlen vorne liegt und zugleich mindestens 42
Prozent der Wählerstimmen erreicht, soll automatisch einen „Mehrheitsbonus“
von bis zu 70 der 400 Sitze im Abgeordnetenhaus und von bis zu 35 der 200
Sitze im Senat erhalten. Zwar soll der Mehrheitsbonus bei 220 Sitzen im
Abgeordnetenhaus und 113 Sitzen im Senat gedeckelt werden – eine
komfortable Mehrheit wäre das aber immer noch.
Zugleich verpflichtet das neue Gesetz die Parteienallianzen darauf, in
ihren jeweiligen Wahlprogrammen den oder die Kandidatin für das Amt des
Ministerpräsidenten zu nennen. Durch die Hintertür will Giorgia Meloni so
die von ihr gewünschte, aber bisher nicht realisierte Verfassungsänderung
der Direktwahl des Regierungschefs durch das Volk einführen.
## Die Opposition zerstreitet sich über die eigene Aufstellung
Und es ist schön für sie, dass sie zugleich dem oppositionellen
Mitte-Links-Bündnis ein Problem beschert. Dort rivalisieren Elly Schlein –
Vorsitzende der größten Oppositionspartei, der gemäßigt linken Partito
Democratico – und Giuseppe Conte, Chef des Movimento5Stelle (M5S –
5-Sterne-Bewegung) um die Position als Spitzenfrau oder -mann des
Bündnisses. Mit dem bisherigen Gesetz hätten sie die Frage zur Not bis nach
den Wahlen einfach offenlassen können. Diese Notlösung scheidet jetzt aus.
Damit dürfte sich die bisherige bizarre Diskussion im Mitte-Links-Bündnis
über seine Aufstellung vor den Wahlen fortsetzen. Elly Schlein will
Vorwahlen zur Ermittlung des oder der Spitzenkandidatin. Conte hatte
angeboten, gemeinsam nach einer dritten Kandidatur jenseits von ihm selbst
und Schlein zu suchen, ist aber am Veto der PD-Vorsitzenden gescheitert.
Der Streit setzt sich fort über der Frage des Datums der Vorwahlen. Conte
will, dass sie schnell stattfinden, Schlein dagegen optiert für die
Abstimmung erst im Februar 2027. Und Conte verlangt, dass auch das
Online-Votum möglich sein soll – eine Lösung, die wiederum der PD nicht
behagt.
Begeisterung in der Wählerschaft lässt sich mit solchen Debatten nicht
auslösen; in der Tat stagniert das Mitte-links-Bündnis, dessen Kern aus PD,
M5S und der radikal linken Liste Alleanza Verdi-Sinistra (AVS – Grün-linke
Allianz) besteht, bei 42 bis 43 Prozent. Derweil ist das immer wieder
angekündigte gemeinsame Wahlprogramm nicht in Sicht, nicht zuletzt, weil
auf dem Feld der Haltung zur Ukraine große Differenzen herrschen. Die PD
ist weiterhin auch für Waffenlieferungen an die Ukraine, während die Fünf
Sterne sie kategorisch ausschließen wollen.
Doch auch Giorgia Meloni hat ein Problem: [2][Roberto Vannacci]. Der
ehemalige Fallschirmjägergeneral kommt mit seiner erst im Februar
gegründeten rechtsextremen Partei Futuro Nazionale (FN – Nationale Zukunft)
in den Umfragen mittlerweile auf 7 bis 8 Prozent. Ohne ihn liegt die
Meloni-Rechte bei nur 40 Prozent. Melonis eigene postfaschistische Partei
Fratelli d’Italia ist zwar bei 27 bis 28 Prozent stabil, doch die
rechtspopulistische Lega unter Matteo Salvini ist auf 5 Prozent
zurückgefallen, während Forza Italia bei 7 Prozent schwächelt.
Realistische Siegchancen hat Meloni mithin nur, wenn sie auch den
rechtsextremen AfD-Freund Vannacci ins Boot der Rechtsallianz holt. Davon
aber will [3][die Lega, die ihr komplettes Ausbluten befürchtet], nichts
wissen, und auch die sich moderat gebende Forza Italia steht einem Bündnis
mit Vannacci bisher ablehnend gegenüber. Am Ende aber liegt die
Entscheidung bei Giorgia Meloni.
8 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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