# taz.de -- Kosovo-Sondertribunal: Zeit zur Aussöhnung
> Kosovos Präsidentin verdankt ihren Job einem misslichen Deal. Die
> Hoffnung bleibt, dass es zu einer Annäherung zwischen Prishtina und
> Belgrad kommt.
(IMG) Bild: Die neu gewählte Präsidentin der Republik Kosovo, Justina Shiroka Pula könnte an einer Aussöhnung mit Serbien arbeiten
Im Kosovo ist es gerade noch einmal gut gegangen. Mit einem fulminanten
Endspurt hat es eine Mehrheit der Abgeordneten nach einer monatelangen
Hängepartie in der Nacht zu Mittwoch geschafft, doch noch [1][ein neues
Staatsoberhaupt] zu inthronisieren. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte
es Neuwahlen geben müssen – die vierten innerhalb von zwei Jahren. Eine
Blockade und eine fortdauernde Instabilität wären die Folge gewesen und
damit genau das, was das Land am allerwenigsten gebrauchen kann.
Dass das jetzt nicht passiert, ist so gesehen eine gute Nachricht. Wie es
dazu gekommen ist, nämlich dank eines Deals zwischen Premierminister
[2][Albin Kurti] und dem Chef der Oppositionspartei PDK, Bedri Hamza,
allerdings weniger. Denn mit der Präsidentenwahl verknüpft war ein
Parlamentsvotum über eine neue Version des Gesetzes zum
Kosovo-Sondertribunal. Vertieft man sich in die Bestimmungen, wird
deutlich, das das Gericht – ohnehin nur eine Institution auf Zeit – seine
Tore sofort schließen kann.
Erst im September hatte das Gericht gegen vier ranghohe Mitglieder der
Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK), darunter den späteren Präsidenten des
Kosovo, [3][Hashim Thaçi,] wegen Kriegsverbrechen hohe Haftstrafen
verhängt. Die Reaktionen im Kosovo? Wütende Proteste, die mitunter auch in
Gewalt ausarteten, ein untrügliches Anzeichen dafür, das Teile der
kosovarischen Gesellschaft nicht willens sind, sich mit den eigenen
Verbrechen auseinanderzusetzen.
Die neue Präsidentin Justina Shiroka Pula hat angekündigt, die
Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität des Kosovo zu
wahren. Genauso wichtig wäre der Versuch, an einer Aussöhnung mit Serbien
zu arbeiten. Dort finden in diesem Monat [4][Parlamentswahlen] statt. Die
Chancen, dass sich die Machtverhältnisse in Belgrad, das die Unabhängigkeit
des Kosovo nicht anerkennt, ändern und der prorussische Aleksandar Vučić
abgelöst wird, stehen nicht schlecht. Ergo: Shiroka Pula könnte auch in
diese Richtung Veränderungen anstoßen. Die Zeit dafür hätte sie.
7 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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