# taz.de -- Schülerproteste gehen weiter: Frankreichs Regierung setzt Einsatz von Schockgranaten aus
       
       > Nach schweren Verletzungen bei den jüngsten Schulprotesten in Frankreich
       > bleibt die Lage angespannt. Präsident Macron mahnt zur Mäßigung bei
       > Polizeieinsätzen.
       
 (IMG) Bild: Die Proteste der Schüler*innen und Studierenden in Frankreich gehen trotz massiver Polizeigewalt weiter. Paris am 7. 10. 2026
       
       afp/dpa | Nach zahlreichen schweren Verletzungen von Jugendlichen bei
       Polizeieinsätzen [1][während der Schülerproteste] hat die Regierung den
       Einsatz von Schockgranaten ausgesetzt. Dies gelte zunächst nur für die
       Schülerproteste, „um zu klären, was genau passiert ist“, sagte
       [2][Innenminister Laurent Nuñez] am Mittwoch dem Sender RTL. Einem
       15-jährigen Jungen aus dem nordfranzösischen Lens war am Montag durch eine
       solche Granate die Hand abgerissen worden.
       
       Unklar war vor allem, ob der Junge von der Polizeigranate getroffen wurde
       oder ob er sie selbst aufgehoben hatte, um sie zurückzuwerfen. Geklärt
       werden soll auch, ob der Einsatz den Regeln entsprach. Die
       Generalinspektion der Polizei nahm Ermittlungen auf.
       
       Insgesamt ermittelt die Polizeiaufsicht bereits in 18 Fällen im
       Zusammenhang mit den Schülerprotesten. Dazu zählt auch die Verletzung eines
       14-Jährigen durch den Abschuss einer Tränengasgranate aus der Nähe. Der
       Schüler namens Eden verlor dabei einen Großteil seiner Zähne und erlitt
       einen Kieferbruch.
       
       Der Polizist, der diese Granate bei einem Einsatz gegen protestierende
       Schüler in Saint-Ouen-l’Aumône nordwestlich von Paris abgeschossen hatte,
       ist wegen illegaler Gewaltanwendung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft geht
       davon aus, dass die Voraussetzungen für Notwehr nicht erfüllt waren.
       Menschenrechtsgruppen, Oppositionspolitiker und viele Schüler warfen der
       Polizei in den vergangenen Tagen die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt
       vor.
       
       Nach Angaben des Innenministeriums wurden am Dienstag 488 Menschen
       festgenommen und 43 Sicherheitskräfte verletzt. Seit Beginn der Proteste
       wurden mehr als 6.500 Menschen festgenommen, überwiegend Minderjährige.
       
       Oberstufenschüler blockieren seit Mitte September landesweit den Zugang zu
       hunderten Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret
       fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage
       und eine bessere Ausstattung der Schulen. Zugleich bricht sich eine
       allgemeine Wut angesichts von Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und
       fehlenden Perspektiven Bahn.
       
       ## Macron ruft zur Mäßigung auf
       
       Die Schulproteste in Frankreich gehen auch nach den Großkundgebungen vom
       Dienstag unvermindert weiter. Am Morgen kam es erneut zu einzelnen
       Blockadeaktionen an Gymnasien und Universitäten, darunter an der Pariser
       Elitehochschule Sciences Po. 528 Schulen blieben vorsorglich komplett oder
       teilweise geschlossen. Bildungsgewerkschaften riefen zu erneuten
       Demonstrationen am Donnerstag auf. Die jungen Leute fordern eine bessere
       Ausstattung der Schulen, mehr Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen.
       
       Präsident Emmanuel Macron habe bei einer Krisensitzung am Dienstagabend zur
       Mäßigung aufgerufen, sagte der Innenminister im Interview des Senders RTL.
       Macron habe dazu aufgefordert, „auch Einfühlungsvermögen zu zeigen“ und zu
       erläutern, dass die Polizei bei schweren Gewalttaten eingreift. Es müsse
       aber vor allem deutlich gemacht werden, „dass es bei friedlichen
       Demonstrationen – einschließlich solcher von Schülern vor ihren Schulen –
       keinen Grund für ein polizeiliches Eingreifen gibt, überhaupt keinen“.
       Bislang hatte die Polizei auch Blockaden vor Schulen aufgelöst.
       
       An Protestzügen in Paris und anderen Großstädten hatten sich am Dienstag
       nach Angaben des Innenministeriums 266.000 Menschen beteiligt, die
       Bildungsgewerkschaften sprachen von 450.000 Teilnehmern.
       
       ## Regierung fürchtet zweite Gelbwestenbewegung
       
       Die [3][Sorge der Regierung] ist, dass die Proteste sich – angefacht durch
       hohe Spritpreise und Lebenshaltungskosten – auf andere Bereiche ausweiten
       könnten und so etwas wie ein zweiter Gelbwestenprotest entsteht, der
       Frankreich 2019 längere Zeit in Atem hielt. Vor dem Hintergrund will
       Premierminister Sébastien Lecornu am Abend eine Ansprache zu der Lage an
       den Gymnasien, den hohen Spritpreisen, der Agrarkrise sowie der
       angeschlagenen finanziellen Lage des Landes halten.
       
       7 Oct 2026
       
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