# taz.de -- Proteste an Schulen und Universitäten: Frankreichs Regierung hat den Flächenbrand zu verantworten
> Paris will einen harten Sparkurs durchsetzen und die junge Generation
> wehrt sich. Statt zu handeln, wird die Linke beschuldigt, die Proteste
> anzuheizen.
(IMG) Bild: Brutale Repression durch den Staat – die Jugend Frankreichs sieht sich als „génération sacrifiée“ (geopferte Generation)
Französische Medien beschreiben eine Regierung, die von plötzlich
[1][aufflammenden Schülerprotesten] total überrascht worden sei. Und nun
aus panischer Angst vor einer sich ausbreitenden Revolte keine andere
Lösung sieht als die brutale Repression. Hinzu kommt eine rhetorische
Eskalation mit der Verschwörungstheorie, am Chaos sei zweifellos Jean-Luc
Mélenchon und sein „ultralinker“ Drahtzieher La France Insoumise (LFI)
schuld.
Aber: Nichts ist in der französischen Politik so vorhersehbar wie soziale
Konflikte im Kontext der Haushaltsdebatte. Und dies stimmt erst recht in
diesem Herbst: Wegen einer staatlichen Verschuldung von mehr als 3.400
Milliarden Euro und der Vorgabe, das Defizit für 2027 auf 5 Prozent der
Wirtschaftsleistung zu begrenzen, will die Regierung Einsparungen von rund
50 Milliarden Euro machen. Eine angemessene Besteuerung der Reichsten aber
lehnt sie ab. Hingegen werden bei allen Krediten Abstriche gemacht. Auch zu
Lasten der angeblichen Prioritäten wie Bildungs-, Sozial- und
Gesundheitsausgaben.
Damit drohen sich die bereits seit Jahren akkumulierten Probleme in vielen
Schulen und Universitäten noch zu verschlimmern. Das begreifen auch die
Jugendlichen, die ohnehin das Gefühl haben müssen, sie seien eine
„génération sacrifiée“ (geopferte Generation), die in Zukunft für den von
den Vorgängern angerichteten Schaden aufkommen muss. Dass gewisse Zulagen
für Eltern von Schulkindern oder für Studierende gekürzt werden oder den
Lehrer*innen der Teuerungsausgleich verweigert wird, musste da wie eine
Provokation wirken.
Die Regierung tut aber so, als hätte sie nicht gewusst, dass sie mit ihrer
Haushaltspolitik in den Schulen den Zunder legt, der jetzt zu einem
Flächenbrand wird. Wer ihr das vorwirft und sich mit den legitim
Protestierenden solidarisiert, macht sich aus der Sicht der Obrigkeit als
Brandstifter verdächtig. Natürlich ist es viel leichter, mit massiver
Repression Jugendliche einzuschüchtern und [2][die linke LFI] als Komplizin
der Chaosmacher anzuprangern, als einen einigermaßen sozial gerechten
Staatshaushalt vorzulegen.
2 Oct 2026
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