# taz.de -- Aserbaidschan-Affäre: Der Ex-BND-Chef und seine Connections
       
       > August Hanning ist wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Er war
       > gern gesehener Gast bei Staaten mit zweifelhafter Reputation.
       
 (IMG) Bild: Feiern die Unabhängigkeit Aserbaidschans: Ehepaar Hanning mit Maria Koteneva (mitte), Ehefrau des ehemaligen russischen Botschafters
       
       August Hanning war bis zuletzt sehr umtriebig. Er war oft und gern
       gesehener Gast bei Empfängen ausländischer Botschaften und auf Konferenzen
       in Berlin. Vor allem bei Veranstaltungen von Ländern, denen immer wieder
       erhebliche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden. Noch im August
       2025 ließ sich der 80-Jährige [1][in den Vorstand des
       Deutsch-Aserbaidschanischen Forums (DAF) wiederwählen].
       
       Nun wirft die Generalbundesanwaltschaft dem ehemaligen Präsidenten des
       Bundesnachrichtendienstes BND und Ex-Staatssekretär „Auskundschaften von
       Staatsgeheimnissen, versuchter Landesverrat und Agententätigkeit“ vor.
       
       Seit der Spiegel eine Linie des Verdachts nach Aserbaidschan als Abnehmer
       angeblicher Hanning-Geheimdossiers gelegt hat, herrscht Spurensuche im
       Kaukasus. Tatsächlich sind deutsch-aserbaidschanische Special Relations
       einschlägig bekannt: Mehrere aktive oder inzwischen abgetretene
       Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU wurden bereits wegen der sogenannten
       Aserbaidschan-Connection der Korruption beschuldigt [2][und sogar
       verurteilt].
       
       Eine von ihnen war die mecklenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Karin
       Strenz. Von ihr ist unter anderem bekannt, dass sie bei einem
       Aserbaidschan-Abend im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin
       dem aserbaidschanischen Herrscher Ilham Alijew mit einem Trinkspruch „ein
       langes Leben und eine harte Hand“ gewünscht hatte. Die
       Bestechlichkeitsermittlungen gegen Strenz konnten nicht abgeschlossen
       werden, [3][da sie auf einem Rückflug aus Kuba 2021 verstarb].
       
       ## Ein Ex-Bundesminister und mehrere ehemalige Staatssekretäre
       
       Nicht nur Hanning war im Vorstand und Kuratorium des DAF: Auch die früheren
       Staatssekretäre Wolf-Ruthart Born, Hans-Friedrich von Ploetz und Otto
       Hauser werden weiter als Vorstandsmitglieder des Lobbyvereins geführt. Und
       vor 2025 gehörten sogar Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP)
       und weitere einflussreiche aktive Unions- und SPD-Abgeordnete und
       Funktionäre dem Lobbynetzwerk an.
       
       Aserbaidschan, das wegen einer Bestechungsaffäre bei der Parlamentarischen
       Versammlung des Europarats unrühmlich bekannt wurde, ist für Deutschland
       und den Westen von nicht unerheblicher Bedeutung, und zwar politisch wie
       wirtschaftlich: Die reichen Öl- und Gasvorkommen des autoritär regierten
       Landes am Kaspischen Meer stellen eine Alternative zu russischen Rohstoffen
       dar.
       
       Und nicht nur Unionspolitiker waren mit Aserbaidschan verstrickt. Die
       PR-Firma von Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte seit 2009 die
       aserbaidschanische Alternative Nabucco zur Gazprom-Gaspipeline Nord Stream
       vertreten. Erfolglos: Die russische Ostseepipeline des Gazprom-Lobbyisten
       Gerhard Schröder (SPD) setzte sich durch.
       
       Von 1998 bis 2005 war Hanning BND-Präsident – in der Amtszeit von Gerhard
       Schröder. Danach wechselte Hanning als Staatssekretär ins
       Bundesinnenministerium unter dem CDU-Mann Wolfgang Schäuble.
       
       Aserbaidschan, dem Hanning laut deutschen Medienberichten über einen
       dortigen Geheimdienstmann vertrauliche Papiere übergeben haben soll,
       verfügt seit der Auflösung des sowjetischen Geheimdienstes über drei
       Dienste: Der Staatssicherheitsdienst DTX ist eine Art Geheimpolizei. Der
       XKX ist Aserbaidschans Auslandsnachrichtendienst. Und mit dem XDMX verfügt
       Präsident Alijew quasi über einen eigenen Geheimdienst, der ihn, seine
       Familie und die wichtigste Einnahmequelle des Landes schützen soll: die
       Baku-Tiflis-Ceyhan-Ölpipeline.
       
       Aserbaidschan ist Kunde der israelischen NSO Group, [4][mit deren Software
       Pegasus] – unerkannt aufgespielt auf fremde Mobiltelefone – Oppositionelle
       ausspioniert werden. Darüber hinaus soll das Land beste Kontakte zum
       israelischen Mossad pflegen und diesen über sein Territorium im Nachbarland
       Iran operieren lassen.
       
       Hanning war aber nicht nur im DAF aktiv. Er hatte eine eigene
       Beratungsfirma gegründet. Man konnte ihn auch regelmäßig auf
       Veranstaltungen zu Russland, China oder der Golfstaaten sehen.
       
       Der frühere Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes soll laut der
       Generalbundesanwaltschaft über seinen inzwischen ebenfalls verhafteten
       früheren Büroleiter Manfred D. rund 2.000 geheime BND-Dokumente zugespielt
       bekommen haben: „Vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbarten die Beschuldigten
       miteinander, dass Manfred D. dem Beschuldigten Hanning gegen Entgelt
       fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes besorgen
       sollte“, so die Bundesanwaltschaft. „Die Informationen sollte der
       Beschuldigte Hanning im Rahmen seiner zwischenzeitlich aufgenommenen
       privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten können.“
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.diplo.news/articles/deutsch-aserbaidschanisches-forum-wahlt-neuen-vorstand--?utm_source=chatgpt.com
 (DIR) [2] /Bewaehrungsstrafe-fuer-CSU-Politiker/!6104143
 (DIR) [3] /CDU-Abgeordnete-im-Flugzeug-kollabiert/!5759990
 (DIR) [4] /CatalanGate-mit-Pegasus-Spyware/!5846431
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Aserbaidschan
 (DIR) CDU/CSU
 (DIR) BND
 (DIR) Schwerpunkt Korruption
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Geheimdienstreform nach Spionageverdacht: Neue Kritik am geplanten Machtzuwachs
       
       Der Spionageverdacht gegen einen Ex-BND-Chef nährt Zweifel an der geplanten
       Geheimdienstreform. Lobbycontrol fordert lebenslange Karenzzeit für
       Geheimdienstler.
       
 (DIR) Aserbaidschan-Affäre: Ex-CDU-Politiker Axel Fischer schuldig gesprochen
       
       Geldzahlungen, geschönte Reden: Ein Gericht verurteilte den ehemaligen
       Bundestagsabgeordneten Axel E. Fischer wegen Bestechlichkeit auf Bewährung
       
 (DIR) Bewährungsstrafe für CSU-Politiker: Erste Verurteilung in Aserbaidschan-Affäre
       
       „Natürliche Lobbyarbeit“: Eduard Lintner (CSU) hat Korruptionsgelder aus
       Aserbaidschan an Politiker weitergeleitet. Jetzt wurde er verurteilt.
       
 (DIR) Aserbaidschan-Affäre von CDU/CSU: Liebesgrüße aus Baku
       
       Aserbaidschan betreibt in Europa Imagepflege – offenbar mithilfe mutmaßlich
       bestechlicher Unionspolitiker. Zwei von ihnen stehen jetzt vor Gericht.