# taz.de -- Logik des Krieges: Verkehrtes Image
> Krieg wird in unserem heutigen Bewusstsein mehr und mehr zu einem
> sinnigen, legitimen Mittel. Damit einher geht auch eine Verengung unseres
> Diskurses.
(IMG) Bild: Gegen den Mainstream: Gleisblockade im Hamburger Hafen: Die Protestaktion ist Teil der Aktionstage von „Rheinmetall Entwaffnen“
Der Krieg in Europa beschränkt sich nicht allein auf die Schlachtfelder in
der Ukraine. Als Logik hat er sich auch hier eingenistet, ist Teil unserer
Normalität geworden. Krieg ist nicht mehr das letzte verzweifelte und
eigentlich verabscheute, sondern scheint für viele plötzlich das sinnigste
und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten.
Einher geht dieser Wandel mit einer Verengung gesellschaftlicher
Debattenräume. Eine Grenze wird gezogen, die das vermeintlich Gute – das
deutsche und europäische Wir – vom bösen russischen Gegenüber trennt.
Stimmen, die diese vereinfachende Vereindeutigung hinterfragen oder vor der
beidseitig angetriebenen Eskalation warnen, werden als naiv diffamiert. Aus
der Unterstützung für die [1][Ukraine] indes die Aufrüstung Deutschlands
abzuleiten und andere Wege zur Sicherung von Frieden auszuschlagen, ist
keine Realpolitik.
Es ist das Einknicken vor dem Krieg unter dem Deckmantel einer imaginierten
moralischen Überlegenheit. Kriegslogik imaginiert Sicherheit und
Orientierung. In einer Welt voller Umbrüche und Unklarheiten liegt im
Vorrang des Militärischen gegenüber dem Politischen sodann auch eine
tröstende Behaglichkeit. Wer den Krieg im Kopf hat, kann nicht aus ihm
ausscheren – und ihn noch weniger beenden.
Die deutsche Debatte spaltet derweil den [2][Krieg] vom Krieg ab, indem die
hiesige Aufrüstung von den dortigen Folgen des Krieges getrennt wird. Über
diese gefährliche Trennung müssen wir als Gesellschaft sprechen – das ist
auch die Aufgabe von Hilfsorganisationen wie [3][medico international], die
seit Jahrzehnten mit lokalen Partnerorganisationen unter Kriegsbedingungen
zusammenarbeitet. Deren Erfahrungen in der Ukraine, in [4][Israel und
Palästina], aber auch in Guatemala oder Angola lehren uns: Krieg ist
größer, als die Fürsprecher:innen der Aufrüstung ihn sich vorstellen,
und größer als jede Kriegspartei. Er ist in seinen Folgen nicht bestimmbar
und nicht vorhersehbar.
9 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
(DIR) [2] /Krieg/!t5007781
(DIR) [3] https://www.medico.de/
(DIR) [4] /Schwerpunkt-Nahost-Konflikt/!t5007999
## AUTOREN
(DIR) Tsafrir Cohen
## TAGS
(DIR) Krieg
(DIR) Aufrüstung
(DIR) Friedensverhandlungen
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) In Zeiten der Zeitenwende: Wir sind nicht die Guten
Eine neue Friedensbewegung wäre dringend notwendig. Viel zu lange wurde das
Thema moralisch selbstgewiss den Falschen überlassen.
(DIR) Proteste von „Rheinmetall entwaffnen“: Kampfansage an den „deutschen Imperialismus“
In Köln und Hamburg wollen sich Aktivist:innen Aufrüstung und Krieg
widersetzen. Letztes Jahr ging die Polizei rechtswidrig gegen die Proteste
vor.
(DIR) Rüstungsproduktion in Berlin: Widerstand gegen Waffenschmiede
Verschiedene Gruppen protestieren gegen den Umbau einer Autofabrik in einen
Rheinmetall-Standort in Berlin. Nur: Bisher arbeiten sie nicht so recht
zusammen.