# taz.de -- Rüstungsproduktion in Berlin: Widerstand gegen Waffenschmiede
> Verschiedene Gruppen protestieren gegen den Umbau einer Autofabrik in
> einen Rheinmetall-Standort in Berlin. Nur: Bisher arbeiten sie nicht so
> recht zusammen.
(IMG) Bild: Protest gegen Rüstungsproduktion von Rheinmetall in Berlin am 13. Juli 2026
Die Umwandlung einer Autofabrik in eine Waffenschmiede im Berliner
Stadtteil Wedding sorgt weiter für Kritik – allerdings tun sich die
Akteur*innen bisher schwer mit einer gemeinsamen Position. Das ehemalige
Pierburg-Werk war jahrzehntelang Teil der Automobilzulieferindustrie, es
wurden Autokomponenten, zum Beispiel Katalysatorenklappen produziert. In
Zukunft will der Rüstungsriese Rheinmetall dort Munitionskomponenten
herstellen.
Erst Mitte Juli beteiligten sich rund 4.000 Menschen an [1][Protesten gegen
Rheinmetall] in Wedding. Mit dabei war auch die bekannte Klimaaktivistin
Greta Thunberg. Nicht anwesend waren jedoch die Beschäftigten des Werkes.
Eine Vertreterin des Berliner Bündnisses gegen Waffenproduktion, das die
Proteste organisierte, erklärte der taz, dass es trotz mehrmaliger
Flugblattverteilaktionen vor dem Werkstor nicht gelungen sei, mit den etwa
350 Beschäftigten ins Gespräch zu kommen.
Nach den Aktionstagen dann veröffentlichte die in dem Werk vertretene
Gewerkschaft IG Metall [2][eine Erklärung], in der sie betonte, auf Seiten
der Beschäftigten zu stehen. Ihnen sichere der Umbau des Werks den Erhalt
ihrer Arbeitsplätze und „Qualifizierungsmaßnahmen“. Gleichzeitig erinnerte
die IG Metall an ihre friedenspolitischen Grundsätze. Die Beschäftigten
dürften nicht zum „Spielball politischer Auseinandersetzungen“ gemacht
werden.
## Auch IG-Metall-Mitglieder gegen Aufrüstung
Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion wies diesen Vorwurf [3][in
einer Erwiderung] zurück. Nicht die Kritik an der Militarisierung, sondern
die kapitalistischen Verhältnisse machten die Arbeitenden zum Spielball,
heißt es dort. Auch den Antimilitarist*innen seien die Sicherung der
Existenz und die Rechte der Beschäftigten wichtig. Statt Waffen müssten
jedoch gesellschaftlich nützliche Produkte produziert werden. Zu
Diskussionen darüber lädt das Bündnis ausdrücklich auch die Gewerkschaft
ein.
Schließlich hatten sich auch bei den Aktionstagen gegen Rheinmetall im
Wedding Mitglieder der IG Metall beteiligt. Und: Auf der
Delegiertenkonferenz der Berliner IG Metall im September 2025 wurde mit nur
einer Gegenstimme eine Erklärung verabschiedet. Darin wird die Gewerkschaft
zum Widerstand gegen Militarisierung und Sozialabbau aufgefordert.
Diese Erklärung findet sich online allerdings nicht direkt bei der IG
Metall, sondern nur beim [4][Forum gewerkschaftlicher Linker], einem
Zusammenschluss von Mitgliedern verschiedener Gewerkschaften, die für einen
antimilitaristischen Kurs eintreten. Ähnlich rüstungskritische Erklärungen
wurden in den letzten Monaten auch von den IG-Metall-Vertrauenskörpern
großer Autowerke wie Mercedes-Benz in Stuttgart-Untertürkheim und den
Kölner Fordwerken veröffentlicht.
Beim [5][bundesweiten Protestcamp des Bündnisses Rheinmetall Entwaffnen],
das vom 1. bis 6. September auf den Kölner Rheinwiesen stattfindet soll,
sind Diskussionen zwischen den Gewerkschafter*innen und den
Antimilitarist*innen geplant.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Aktionstage-gegen-Ruestungsfirma/!6194684
(DIR) [2] https://berlin.igmetall.de/aktuelles/2026/q3/beschaeftigte-duerfen-nicht-zum-spielball-der-ruestungsdebatte-werden
(DIR) [3] https://keinewaffenproduktionberlin.noblogs.org/2079
(DIR) [4] https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/plaedoyer-fuer-einen-anderen-kurs/
(DIR) [5] https://rheinmetallentwaffnen.noblogs.org/camp-koeln-2026/
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
## TAGS
(DIR) Autoindustrie
(DIR) Rheinmetall
(DIR) Rüstungsrausch
(DIR) Zulieferer
(DIR) Volkswagen
(DIR) Rüstungsrausch
(DIR) Volkswagen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Gewerkschafter über VW-Rüstungspläne: „Wir sehen Risiken für die Kollegen“
In der VW-Belegschaft sind viele für den Einstieg in die Rüstungsbranche,
sagt der langjährige Mitarbeiter Namik Sarikaya. Er setzt sich dagegen ein.
(DIR) Deutsche Rüstungsindustrie: Panzer statt Autos
Rüstungskonzerne werben um Fachkräfte und Fabriken der kriselnden
Autobranche. Zulieferer bauen Panzer- und Drohnenteile. Rettet das die
Autoindustrie?
(DIR) Kampfansage an die Belegschaft: Volkswagen sucht die maximale Konfrontation
VW-Chef Blume will den Konzern schrumpfen, um den Gewinn zu erhöhen. Die
Schließung von Werken steht im Raum. IG Metall rüstet sich zum Abwehrkampf.