# taz.de -- Soap&Skin-Konzert in Berlin: Schmerz als Grundnahrungsmittel
       
       > Durch die eigene Vergangenheit – und Zukunft: Im Rahmen des „Love is a
       > verb“-Festivals im Berliner HAU spielte Musikerin Soap&Skin eines ihrer
       > selten gewordenen Konzerte.
       
 (IMG) Bild: Anja Plaschg alias Soap&Skin und ihre Schwester, die begleitende Musikerin Evelyn Plaschg
       
       Im Hintergrund ersticht eine Frau mit wehenden Haaren stumm einen Drachen,
       gemalt auf einem fragmentierte Hintergrundbanner, als Anja Plaschg alias
       Soap&Skin und ihre Schwester, die begleitende Musikerin Evelyn Plaschg, die
       Bühne betreten. Ansonsten passiert erst mal nichts, das Publikum im
       ausgebuchten Saal des Berliner HAU 1 am Dienstagabend scheint ehrfürchtig
       eingefroren, in den ersten Reihen verströmt ein Strauß rosa Lilien seinen
       süßlichen Gruftgeruch.
       
       Dann setzt Soap&Skin sich ans Klavier, beginnt eins ihrer selten gewordenen
       Konzerte und holt scheinbar sofort eine Art dunklen Geist ihrer
       US-amerikanischen Kollegin Cat Power in den Saal. Eine Assoziation, die
       Plaschg schon seit Anfang ihrer Karriere begleitet. 2009 war es, da war sie
       gerade mal 19 Jahre alt, als sie ihr erstes Album „Lovetune for Vacuum“
       veröffentlichte und damit sofort wochenlang an der Spitze der
       österreichischen Charts abhing. Plaschg sieht an dem Abend so jung aus, es
       fällt schwer zu verstehen, dass sich nun schon [1][das zwanzigjährige
       Bühnenjubiläum der Musikerin] jährt.
       
       Dementsprechend spielt sie sich hier durch ihre eigene Vergangenheit – und
       Zukunft. Von fast jedem Album tauchen Stücke auf, intoniert sie
       beispielsweise dramatisch, mit Nachdruck in Tasten und Stimme „Vater“, von
       der 2012er-Veröffentlichung „Narrow“ oder eins ihrer Soundtrackstücke
       [2][des Marie Kreutzer Sissi-Films „Corsage“].
       
       ## Wenig Kontakt zum Publikum
       
       „Love is a verb“ – Liebe ist ein Verb, so heißt das Festival im HAU, in
       dessen Rahmen das Soap&Skin-Konzert stattfindet. Sitzt man still im
       Dunkeln, scheint es jedoch vor allem Schmerz zu sein, der hier als
       Grundnahrungsmittel die Inspiration füttert, wenn Plaschg ihre Stimme auf
       der Messerschneide vor dem Abrutschen entlang schiebt und sie schließlich
       wimmernd beim Um-Hilfe-Flehen in „Spiracle“ fast versagen lässt. Die Zeit
       hat hier die Wunde scheinbar nur zum Eitern gebracht.
       
       Wie gewohnt spricht die Künstlerin wenig mit ihrem Publikum. Ein bisschen
       Danke, ein bisschen Betonung der eigenen Aufgeregtheit. Dabei ist es schwer
       zu entziffern, was authentische Kontaktaufnahme, was Performance ist.
       
       Immer wieder ringt die Musikerin in ihren Stücken mit sich wiederholenden
       Takten, scheint in Songs, wie [3][dem Sufjan Stevens Cover „Mystery of
       Love“], nach den Liedzeilen zu suchen und doch ergänzen diese
       neurotisch-zitternden Augenblicke die Bühnenperson, dieses
       So-lange-mit-dem-Seifenstück-über-den-Körper-reiben-bis-es-wehtut, so
       ungebrochen, dass man es fast für gespielt halten kann, würde nicht später
       beim ersten Schlussapplaus Schwester Evelyn der Sängerin so unauffällig und
       zärtlich die Schulter drücken, dass sie plötzlich mit voller Wucht da ist:
       die Liebe in der Tat. Mit all ihrem Trost, ihrem Zuspruch und vielleicht
       auch einer Prise Mitleid: Es muss sehr weh tun, den Drachen immer wieder zu
       töten. Oder zumindest so zu tun.
       
       8 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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