# taz.de -- Antisemitismus in der Linkspartei: Umstrittene Zusammenarbeit in Leipzig
       
       > Teile der Leipziger Linken wollen stärker mit Hamas-nahen Organisationen
       > wie Handala zusammenarbeiten. Das zeigt sich auch diese Woche in Berlin.
       
 (IMG) Bild: Demonstranten ziehen anlässlich des von „Handala Leipzig“ organisierten Gedenkens an „78 Jahre Nakba“ durch Leipzig
       
       „Außerparlamentarische Bündnisarbeit stärken“. So lautete der Antrag, für
       den die Leipziger Linke auf dem Stadtparteitag am Sonntag gestimmt hat, wie
       der Radiosender „mephisto 97.6“ berichtete. Doch was unspektakulär klingt,
       lässt manche an der Partei zweifeln. Denn mit dem Antrag will die Partei
       auch enger mit terrorverherrlichenden Organisationen wie „Handala Leipzig“
       zusammenarbeiten. Die stadtbekannte Linken-Politikerin Juliane Nagel sagte
       gegenüber der taz: „Wir haben bestimmte Grundsätze: Nämlich
       demokratisch-sozialistisch zu sein und nicht antisemitisch. Wenn wir das
       einfach übergehen, dann ist das nicht mehr meine Partei.“
       
       ## Außerparlamentarische Bündnisse, aber mit wem?
       
       Was sich auf dem Stadtparteitag in Leipzig am vergangenen Sonntag
       abspielte, reiht sich ein in eine schon länger anhaltende Debatte innerhalb
       der Linkspartei. Konkret geht es um die Frage, wie man mit
       außerparlamentarischen Organisationen zusammenarbeiten will. Die Frage
       stellt sich insbesondere seit dem Wahlerfolg der Linken bei der
       Bundestagswahl 2025 und der Eintrittswelle von insbesondere jüngeren
       Menschen. So steht [1][in dem Antrag des Stadtparteitags]: „Unsere Rolle
       der außerparlamentarischen Bündnisarbeit zur Organisation einer Gegenmacht
       von unten“ könne nur funktionieren, wenn die Partei zuverlässige Partnerin
       für die Menschen sei.
       
       In Leipzig stimmte die Partei mit einer Mehrheit von 61 Prozent für den
       Antrag. Dort schreiben die Antragssteller auch: „Kooperationsverbote sind
       grundsätzlich Mittel, den Diskurs zu unterdrücken und zu beherrschen.
       Deswegen lehnen wir Kooperationsverbote prinzipiell ab.“ In der Begründung
       benennen sie dabei explizit auch die Organisation Handala. So steht in dem
       beschlossenen Antrag: [2][Das mittlerweile für unrechtmäßig erklärte
       Kooperationsverbot mit Handala Leipzig] „ist dabei die schärfste Form einer
       autoritären und verfehlten Bündnisarbeit“.
       
       Dem Antrag ging ein parteiinterner Streit voraus: So hatte die sächsische
       Landesschiedskommission 2025 argumentiert, dass eine Zusammenarbeit mit
       Handala mit den Beschlüssen der Linken unvereinbar sei. Die
       Schiedskommission ist eine Art Gericht für interne Konflikte in der Partei.
       Die Landesschiedskommission argumentierte, Handala erkenne das
       Existenzrecht Israels nicht an und verharmlose die Verbrechen der Hamas.
       Das widerspreche der Beschlusslage der Linken. Die sächsische Linke hatte
       nämlich eigentlich den Beschluss gefasst, dass sie eine Zusammenarbeit mit
       Organisationen und Personen ausschließt, die einen „eliminatorischen
       Antisemitismus“ vertreten oder die Gewalttaten des 7. Oktober 2023 oder das
       verbrecherische Agieren der Hamas verherrlichen.
       
       Allerdings entschied im April die höhere Bundesschiedskommission, das
       reiche nicht aus. Für einen Unvereinbarkeitsbeschluss müsse Handala klar
       benannt werden – das ist in dem aktuellen Beschluss des Landesverbandes
       nicht der Fall. Linken-Politikerin Juliane Nagel sagte der taz, sie hoffe,
       dass sich das ändere. Auf dem sächsischen Landesparteitag im November soll
       der Beschluss neu aufgerollt und „hoffentlich präzisiert“ werden. Heißt:
       Handala wäre dann explizit im Beschluss benannt.
       
       Handala und die Linke 
       
       Die Auseinandersetzung zwischen Nagel und Handala ist nicht neu. Seit
       Jahren streitet die Leipziger Linke über den Nahost-Konflikt. [3][Im Januar
       fand ein Demonstrationszug unter anderem gegen das Büro von Nagel und
       andere Einrichtungen im Leipziger Stadtteil Connewitz statt]. Dem Aufruf
       schloss sich auch Handala an. Die Veranstalter warfen Nagel vor, zu
       Israel-solidarisch zu sein, in Connewitz gebe es zudem Angriffe gegen
       Palästina-Aktivisten und einen offenen Rassismus. Schon damals spaltete die
       Demo die Linke in Leipzig.
       
       Dass es an anderen Stellen bereits eine verstärkte Zusammenarbeit mit
       Teilen der Partei und Handala gibt, zeigt sich diese Woche in Berlin. Dort
       ruft Handala anlässlich des Jahrestags zum 7. Oktober zur bundesweiten Demo
       „United for Palestine“ auf. Mit dabei sind auch Organisationen wie die
       parteiinterne Landesarbeitsgemeinschaft der Linken, die „LAG
       Palästinasolidarität“.
       
       Auf Instagram solidarisiert sich das Bündnis dabei auch „mit allen
       Betroffenen von Hetze“. Darunter Hannah Bruns von der LAG
       „Palästinasolidarität“, gegen die ein Parteiausschlussverfahren läuft. Auch
       der [4][Linken-Politiker Ferat Koçak], der wegen Kontakten zur
       organisierten Kriminalität in der Kritik steht, ist abgebildet. Auf Anfrage
       der taz teilte Koçak mit, er werde auf keiner Demo am Samstag sein. Das
       Bündnis solidarisiert sich neben Koçak auch mit dem Aktivisten Ibrahim
       Ibrahim, der in der Vergangenheit den Terror gegen Israel glorifizierte.
       Koçak hatte auf einem Foto am Wahlabend mit Ibrahim Ibrahim posiert. Danach
       distanzierte sich Koçak, er habe nicht gewusst, um wen es sich handele.
       
       Dass Ibrahim Ibrahim und Koçak gemeinsam auf einem Insta-Post von einer
       parteiinternen Organisation gepackt werden, kann noch zum Nachteil für die
       Linke Berlin werden. Schließlich versucht die Linke gerade, [5][eine
       Regierung mit SPD und Grünen zu bilden.] In den Vorgesprächen der drei
       Parteien geht es auch darum, wie die Linke mit dem Thema Antisemitismus in
       den eigenen Reihen umgeht. Die Anfrage der taz ließ die Linke Berlin bis
       Redaktionsschluss unbeantwortet.
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.die-linke-in-leipzig.de/fileadmin/lcmssvleipzig/pdf/Parteitag/SPT10/10SPT1_Mat-Heft_1.pdf
 (DIR) [2] /Letzter-Ausweg-Parteigerichtsverfahren/!6218821
 (DIR) [3] /Demonstrationen-in-Leipzig/!6146330
 (DIR) [4] /Debatte-um-Ferat-Kocak/!6218524
 (DIR) [5] /Regierungsbildung-in-Berlin/!6218587
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jana Laborenz
       
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