# taz.de -- USA unter Trump: Der stille Traum vom besseren Leben
> Eine Woche lang wohnte unsere Autorin mit fremden Männern in einem
> billigen Airbnb in Dallas. Genug Zeit, um sie zum Reden zu bringen.
(IMG) Bild: Texas, the Lone Star State
Das Airbnb, das ich in Dallas bewohne, hat einen seltsamen Vibe. „Ist dir
aufgefallen“, fragt mich ein anderer Gast, „dass die Leute hier dir nicht
in die Augen sehen?“ Ich wohne [1][als WM-Journalistin] abseits der
Reporterbubble für eine Woche in einem austauschbaren Reihenhaus mit
zahlreichen Zimmern.
Es ist sehr billig. Im Haus leben außer mir nur männliche Gäste, und einige
sitzen den ganzen Tag im Gemeinschaftsraum und starren aufs Handy. Jemand
erzählt, dass er auf einen Gerichtsprozess warte und von seinem
Aggressionsproblem. Doch meist schweigen sie. Einige haben sich für längere
Zeit eingerichtet. Und ja, sie schauen oft nicht in die Augen. „Weil sie
sich schämen“, glaubt der Gast, der sich nicht schämt. „Sie schämen sich
für ihre Lage.“
Die USA sind das Land großer Träume [2][und noch größerer
Menschenrechtsverbrechen]. Vielleicht folgerichtig sind sie auch das Land
romantisierter Außenseiter. Von Jack Kerouac bis Hunter S. Thompson
feierten Autoren das Leben am Rand der Gesellschaft. Doch etwas an dem
weißen Machogedöns war immer auch unangenehm. Vielleicht haben mir einfach
zu viele bürgerliche Männer erklärt, wie kultig „Fear and Loathing in Las
Vegas“ sei. Die aktuellen liberalen Reportagen über prekär lebende
Trump-Fans sind indes anders unangenehm, mit ihrem elitären Blick und dem
melodramatischen Sound. Die Sedimente Amerikas freilegen wollen viele. Aber
vielleicht ist die Popkultur-Schicht darüber mittlerweile zu dick.
Hier drinnen in Dallas sind wir gemeinsam fremd. In der Umgebung: ein
riesiger Golfplatz; menschenleere Bürgersteige und breite Highways;
Fast-Food-Ketten, von denen es wohl ein Überangebot gibt, denn auch die
sind oft leer.
Und so fangen wir doch an zu reden. Da ist der Typ, der zuletzt in einem
Amazon-Warenlager arbeitete. [3][Er verachtet den Kapitalismus, und ich bin
überrascht über seine Deutlichkeit], hier in den USA. Im Ausland war er
nie. Europa sei gefährlich, das hat er auf Tiktok gesehen. Er will ein
besseres Leben und wartet auf eine Idee. Da ist der ältere Mann aus Las
Vegas, er arbeitet in Casinos. Von einer zur nächsten Casinostadt ziehe er,
allein. Seine Hände zittern stark. Ich frage nicht danach.
Und da ist der Gast, der sich nicht schämt, er stammt aus einem
ostafrikanischen Staat. Auf einem Internat der katholischen Kirche war er,
dort habe es ständig Prügel gegeben, etwa dafür, dass er seine
Muttersprache nutzte. So hat er sie verlernt. Dank der Bildung konnte er
emigrieren. Und wegen der Schläge kehrte er nie in sein Heimatland zurück.
Ja, die USA liefern starke Geschichten. Es ist nicht schwer, sie zu finden.
Schwer ist, sie richtig zu erzählen. Wie wäre es einfach ohne eine Pointe
im Sinn.
24 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Alina Schwermer
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