# taz.de -- Max Slevogt als Illustrator in Berlin: Nicht zuletzt ein Kräftemessen
> In der Liebermann-Villa in Berlin wird Max Slevogt als Illustrator
> vorgestellt. Bruno Cassirer war sein Verleger, der ihn forderte und
> förderte.
(IMG) Bild: Max Slevogt, Die Bremer Stadtmusikanten, Tusche, 1910
Autsch. Das tut weh. Der Mann in Frack und Zylinder hat die Schere
angesetzt am langen Schwanz des gehörnten Faun, der bockig nach vorne
zieht. Diese Szene entwarf Max Slevogt als Werbeanzeige für die erste
Ausgabe der Zeitschrift „Kunst und Künstler“, die der Verleger Bruno
Cassirer 1902 gegründet hatte. Das Tauziehen am langen Schwanz habe sich
dabei, so erklärt es die Kuratorin Viktoria Bernadette Krieger, auf einen
Konflikt zwischen Verleger und Künstler bezogen: Der Künstler wollte gerne
immer ein wenig mehr Platz auf der Seite, als der Verleger und
Mappengestalter für angemessen hielt.
Dem produktiven, aber nicht immer spannungsfreien Verhältnis von Max
Slevogt als Illustrator und Bruno Cassirer als Verleger ist eine
Sonderausstellung in der [1][Liebermann-Villa] am Wannsee gewidmet. An mehr
als 51 Illustrations- und Mappenwerken arbeiteten sie zusammen, seit
Slevogt 1901 nach Berlin gekommen war. Max Liebermann hatte den Malerfreund
aus München für die Secession in Berlin gewonnen; der [2][Galerist Paul
Cassirer] hatte ihm einen guten Vertrag angeboten, dessen Vetter Bruno
Cassirer war als Verleger an ihm interessiert.
Ein Forschungsprojekt zum Nachlass von Max Slevogt (1872–1932), unter
anderem vom Landesmuseum Mainz und dem Saarlandmuseum, hat die
Korrespondenz zwischen Slevogt und seinem Verleger untersucht. Darauf
beruht die Ausstellung in der Villa Liebermann: Sie skizziert Slevogt als
durchaus eigenwilligen und kapriziösen Menschen, den der Verleger immer
wieder mahnen und motivieren musste.
Slevogt liebte Dramatik, Witz und das Skurrile. Bei Ali Baba wurde der Kopf
eines Enthaupteten auf einer Platte, über den beschwingt mit Messer und
Tambourin eine Figur tanzt, zur Titelvignette. Die Bremer Stadtmusikanten
sitzen in einer Tuschzeichnung schwer beschäftigt am Tisch, der Hund leckt
den Teller aus, der Esel hantiert mit Besteck, die Katze steht auf den
Hinterbeinen, um gründlich an den Rest im Topf zu kommen.
Von Bruno Cassirer ist ein fotografisches Porträt zu sehen, das ihn auf der
Trabrennbahn zeigt. Er war auch erfolgreich als Importeur amerikanischer
Pferde und hatte eine eigene Zucht. Slevogts Skizzenbücher belegen sein
großes Interesse an Tierstudien, Pferden, Affen, Katzen. Das Spontane und
Flüchtige, mit dem die Impressionisten die Malfläche aufbrachen, fand hier
ein ideales Motiv.
## Sozialgeschichte der Kunst
Die ausgestellten Grafiken, für die man seine Lesebrille dabeihaben sollte,
so fein ist oft der Strich, so klein die Formate, werden um wenige Gemälde
ergänzt, etwa einem Porträt, das Liebermann von Slevogt gemalt hat in
warmen Rottönen.
Auch Liebermann arbeitete mit Bruno Cassirer, er illustrierte etwa Goethes
Novelle „Der Mann von fünfzig Jahren“. Der wird, verliebt in die Freundin
seines Sohnes, von neuer Eitelkeit gepackt und arbeitet hart an seiner
Verjüngung. Eine durchaus ironische Geschichte, die Liebermann intim mit
Interieurs aus seinem Haus und Modellen der Familie in fein gestrichelten
Zeichnungen besetzte.
Die Ausstellung „Auf zu neuen Werken“ ermöglicht so einen, wenn auch nicht
umfangreichen, Blick auf die grafischen Arbeiten von Slevogt und
Liebermann. Mit der Zusammenarbeit von Verleger und Künstler schlägt sie
zudem ein weiteres Kapitel der Sozialgeschichte der Kunst und der
Produktionsbedingungen der klassischen Moderne auf, das wesentlich zu deren
Erfolg beigetragen hat.
3 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Katrin Bettina Müller
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