# taz.de -- Schwimmen vor der Skyline: Ein einziger Sommer
       
       > Für einen Sommer wurde der Vorplatz der Volksbühne zum Schwimmbad für
       > alle. Unsere Autorin genießt die letzte Gelegenheit und zieht ein paar
       > Bahnen.
       
       Wie in Zeitlupe fallen die Regentropfen vom Himmel und landen vor der
       [1][Volksbühne im azurblauen Wasser]. Ich bin das erste Mal im Volksbad und
       habe mir dafür extra einen Tag gewählt, bei dem Massenandrang
       unwahrscheinlich ist. Es ist einer der letzten. Mein Traum: Ich bin [2][das
       Volk im Volksbad] und sonst niemand.
       
       Es gelingt mir fast. Ein Mann Ü60, Typ: Dauerschwimmer bei jedem Wetter,
       ist schon im Wasser, als ich komme. Warum muss schon wieder jemand auf
       dieser Welt genau dieselbe Idee wie ich haben?, grummle ich vor mich hin,
       stürze mich ins Nass und pflüge die paar Meter bis zum Beckenrand. Leise
       tröpfelt es ins Becken. Ich gehe durchs brusttiefe Wasser, umgeben von
       schweren Tropfen, die sanft am Wasser abprallen. Ich schaue durch das
       Volksbühnenrad zum Fernsehturm, tauche unter Wasser, drehe mich und über
       mir erhebt sich die [3][Fassade der Volksbühne.]
       
       Das ist zusammengenommen ein wunderbar langer, ziemlich genialer Moment
       voller Poesie, den auch der poesie-ignorante Co-Schwimmer nicht zerstören
       kann. Das macht mich übermütig. Ich mache endlos Rollen im Wasser, wie
       früher als Kind. Ich lasse mich auf dem Rücken durchs Becken treiben und
       genieße die Aussicht. Ich hänge am Beckenrand rum und kann mich nicht
       sattsehen: Ständig ist da ein neuer Blickwinkel auf die altbekannte
       Skyline.
       
       Noch eine letzte Rolle, schnell in die heiße Dusche und dann Pommes
       rot-weiß. Ich sitze unterm Vordach des Volksbühnen-Pavillons und blicke auf
       das Volksbad, das von außen aussieht wie ein übergroßer Schuppen. Vor mir
       nasse weiße Plastikstühle. Könnten dieselben sein, die schon bei Castorf
       auf der Bühne standen, sinniere ich. Im Bus zurück in den Wedding schaue
       ich melancholisch aus dem Fenster: Alles wird irgendwann zu Erinnerung.
       Auch das Volksbad. Seine Lebenszeit: ein einziger Sommer – und nun auch
       schon vorbei.
       
       5 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Volksbad-der-Berliner-Volksbuehne/!6203116
 (DIR) [2] /Eklat-ums-Schwimmbad-vor-der-Volksbuehne-Wer-hier-wen-provoziert/!6205776
 (DIR) [3] /Berliner-Volksbuehne/!6218514
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katja Kollmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Kolumne Szene
 (DIR) Kolumne Szene
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Morgens auf dem Amt: I love Einbürgerung
       
       Endlich ist der Antrag durch. Die letzten Monate waren ein Kampf gegen
       dessen Ablehnung gewesen. Sogar miesgelaunte Beamte sind daher heute egal.
       
 (DIR) Beobachtungen am Ufer: Für den männlichen Blick gemacht
       
       Am Kiosk am Schlachtensee schaut man auf das bunte Treiben auf dem Wasser.
       Und diskutiert über Mode, Blicke und darüber, wer sich davon gestört fühlt.
       
 (DIR) Kindliche Kleintierforschung: Paul pfeift sich eins
       
       Käfer, Waldmäuse, keine Spinnen – bei der Erkundung der Wesen, die gern im
       Garten herumkrabbeln, kommt einem auch mal Mozart in den Sinn.
       
 (DIR) Dirk von Lowtzow und ein Felltier: Eine Katze prescht vor
       
       In der Kreuzberger Nacht sind alle Katzen graumeliert. Oder sind es nur die
       Geister des Undergrounds, die sich dem Neuen, Dunklen da entgegenstemmen?
       
 (DIR) Was Bayern-Fans nie erleben werden: Summende Handflächen
       
       Im Stadion kochen die Emotionen. Da kann man sich schon mal ein paar Katzen
       einbilden.