# taz.de -- Dirk von Lowtzow und ein Felltier: Eine Katze prescht vor
       
       > In der Kreuzberger Nacht sind alle Katzen graumeliert. Oder sind es nur
       > die Geister des Undergrounds, die sich dem Neuen, Dunklen da
       > entgegenstemmen?
       
       Dirk von Lowtzow liest im Festsaal Kreuzberg, aber darum geht es gar nicht.
       In erster Linie springt eine Katze aus dem Gebüsch am Flutgraben. Zur
       Straße hin sind Container aufgetürmt. Den Radweg, auf dem das
       Lesungspublikum anreist, zerquetschen sie fast. Schlaglicht, schmutziges
       Silber, der Rasen öffnet Schattenzähne. Hinter dem Drahtzaun Spuren der
       Arbeiter und ihrer Pausen. Eine Biertischgarnitur, ein Einmalgrill,
       gekippt. Die Katze hebt die Pfote, zuckt mit den Ohren. Was ist das hier?
       Was soll das? So war es doch früher nicht.
       
       Das hereintröpfelnde Publikum des Blödelbarden, der heute gesammelte
       Kunstkritiken vorstellen soll, ahmt den Vierbeiner unbewusst nach. Auch
       grau meliert, die Augen ebenfalls Blinker in diesem Licht, ebenso verstört:
       Warum bitteschön hausen hier plötzlich Leute vor unserer Weißweinschwemme,
       die verbranntes Fleisch aus Aluminiumschalen kratzen? Wenn das die
       Baustelle ist, wie wird erst die Pyramide aussehen? Die Katze schüttelt die
       Pfote, hechtet -- Platz da! -- mitten auf den Fahrradweg.
       
       Die Lesungsbesucher lächeln sich unsicher an und wackeln weniger elastisch
       zum Festsaal, zum grau-geschmeidigen von Lowtzow. Das Neue hat sich feist
       in die Dunkelheit geklotzt und muss sich vorerst nicht rechtfertigen. Nicht
       auszuschließen aber, dass die Freaks aus dem einstweilen zugebauten
       Underground dem Verkehr noch mal in den Weg springen.
       
       Ein sperriges Bild, um zu sagen: Es wird kalt und dunkel aktuell, aber wir
       geben nicht auf. So verkrampft und verknotet sind wir halt. Wir kommen aus
       nasskalten Flutgräben, und unsere Schwächlichkeit sollte man nicht für
       Schwäche halten. Von Lowtzow beschließt den Abend als Barry Manilow der
       Hamburger Schule, mit einem Sexlied aus der Loveline, um den Mikroständer
       geknotet. Die Katze bleibt nach getaner Arbeit verschwunden.
       
       30 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasper Nicolaisen
       
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