# taz.de -- Morgens auf dem Amt: I love Einbürgerung
> Endlich ist der Antrag durch. Die letzten Monate waren ein Kampf gegen
> dessen Ablehnung gewesen. Sogar miesgelaunte Beamte sind daher heute
> egal.
Durch das geöffnete Bürofenster dringt der Lärm der Erknerstraße. „Was hat
Liebe damit zu tun?“, singt Tina Turner im Radio. „Wie kann ich Ihnen
helfen?“, fragt der weißhaarige Mann hinter seinem Schreibtisch im
Bürgeramt Neukölln.
Seine Frage überrascht mich. Ich glaubte, alle würden Bescheid wissen,
warum ich früh am Morgen da sitze. „Ich möchte meinen deutschen Pass
beantragen. Ich wurde gestern eingebürgert“, antworte ich.
Er streckt die Hand nach mir aus: „Ihren alten Pass, bitte“, und nimmt
einen Schluck aus einer grünen Limonadendose, während ich in meiner Tasche
wühle.
Der Beamte vom Landesamt für Einwanderung, der mir am Tag zuvor die Urkunde
überreichte, war formell, aber seine Augen hatten mich die ganze Zeit
angelächelt. Wir waren zu dritt, meine Begleitung saß hinter mir, fast wie
Bodyguards.
Davor hatten wir zwischen anderen Menschen mit Pappmappen auf dem Schoß
darauf gewartet, aufgerufen zu werden. Wir machten Fotos mit den kleinen
Fähnchen auf den Tischen – als wären wir auf einer UNO-Konferenz. Fotos von
mir wurden auch gemacht, nachdem ich das „Bekenntnis zur freiheitlichen
demokratischen Grundordnung“ abgelegt hatte.
Nach der Zeremonie fuhren wir im Nieselregen zurück nach Neukölln und
tranken eine Flasche Sekt in einem Café. Die letzten Monate waren ein Kampf
gewesen. Drei Jahre hatte ich auf eine Antwort des Amtes gewartet. Und auf
einmal wurde von mir verlangt, den Antrag zurückzuziehen. Die taz
intervenierte mit einem Brief, der meinen Sachbearbeiter „sehr irritierte“.
Andere Kolleg*innen schrieben ebenfalls Briefe für mich. Und dann kam
eine E-Mail mit dem Betreff: Einladung zur Einbürgerung. Von einem Tag auf
den anderen.
An diesem Morgen im Bürgeramt bin ich so erleichtert, dass es mir nichts
ausmacht, dass der Mitarbeiter sich nicht für mich freut. Ich
unterschreibe, wo er mit dem Finger hinzeigt. „What’s love?“, singt Tina
Turner im Hintergrund weiter.
7 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Luciana Ferrando
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