# taz.de -- DFB-Elf unter Jürgen Klopp: Alles wieder gut
       
       > Gegen Serbien zeigt sich die Nationalmannschaft der Männer als gelehriger
       > Schüler der Gegenpressingideologie. Der Bundestrainer findet das perfekt.
       
 (IMG) Bild: Ziemlich gut: Florian Wirtz im Spiel gegen Serbien
       
       So schnell kann das also gehen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird
       wieder geliebt. Bundestrainer Jürgen Klopp hat sich den Status als
       Fußballmessias, den er [1][nach der merkwürdigen Niederlage gegen
       Griechenland] am vergangenen Sonntag verloren hatte, in Windeseile
       zurückerobert. 90 fabelhaft spielfreudige Minuten gegen hoffnungslos
       überforderte Serben haben gereicht, um die gerade bei Länderspielen sonst
       doch arg müde Münchner Arena in einen stimmungsvollen Fußballtempel zu
       verwandeln. Es wurde gestrahlt nach diesem 2:0 gegen Serbien im dritten
       Gruppenspiel der Deutschen [2][in der Nations League]. Nicht nur für Jürgen
       Klopp war es ein „perfekter Abend“.
       
       Der hat sich über Tom Bischofs famosen Auftritt im Mittelfeld gefreut
       („geiler Kicker“), gestaunt, welch grandioser Fußballer der Stratege vor
       der Abwehr Aleksandar Pavlović doch ist („Ihr in München seht ihn ja
       öfter“). Und er hat gefeiert, wie Florian Wirtz, dem in Liverpool wenig Lob
       zuteilwird, in diesem Spiel wieder zu dem Ballstreichler wurde, als der er
       noch vor gar nicht langer Zeit verehrt wurde. Aber nicht nur seine zwei
       Geniestreiche vor den Toren – eines hat er mit einem Dribbling und
       anschließendem Pfostenschuss vorbereitet, das andere nach einem feinen
       Trick im Strafraum selbst erzielt – haben dem Bundestrainer gefallen.
       
       Wirtz habe „bretthart gearbeitet“, sagte Klopp voller Anerkennung. Er hatte
       den Job, 90 Minuten lang den serbischen Torwart anzulaufen und unter Druck
       zu setzen, wenn der am Ball ist. Denn so ist er, der Fußball, den sich
       Jürgen Klopp für die Nationalmannschaft vorstellt. All den kreativen
       Szenen, die zu beinahe schon sagenhaften 30 Abschlüssen geführt haben, von
       denen etliche echte Großchancen waren, sind Balleroberungen oft tief in der
       serbischen Hälfte vorausgegangen. Zu Klopps Gegenpressingfußball gehört
       eben jede Menge Arbeit. 120 Kilometer haben die Deutschen zusammengerechnet
       auf dem Platz zurückgelegt, 10 mehr als die Serben.
       
       ## Rackern für Klopp
       
       Der Biss, der dem Team anzusehen war, basiert auf Schufterei. Und man wird
       sich daran gewöhnen müssen, dass Klopp Spieler für Dinge lobt, die sie zum
       Zwecke der Balleroberung machen. Fußballspielen können sie eh alle. Das
       konnten sie gewiss auch unter Klopps unglückseligen Vorgängern. Jetzt
       müssen sie jenen Vollgasfußball aufs Feld bringen, mit dem der
       Bundestrainer einst berühmt geworden ist. So stattete er etwa den
       Hoffenheimer Bambasé Conté, der in der zweiten Hälfte für den
       spielfreudigen Freiburger Angreifer Derry Scherhant eingewechselt worden
       war, mit einem Sonderlob für dessen Balleroberungen aus.
       
       Natürlich hätte er am liebsten alle einzeln gewürdigt, so begeistert wie er
       war. Und natürlich hat er bei all dem Spaß, den ihm seine Spieler an diesem
       Donnerstagabend gemacht haben, nicht vergessen, auch die in Schutz zu
       nehmen, die sich gegen Griechenland noch blamiert hatten. Die hätten doch
       gerade einmal zweieinhalb Trainingseinheiten gehabt. „Die können das auch“,
       meinte er auf die Frage, warum das Spiel durch die Mitte diesmal besser
       funktioniert habe.
       
       Und Joshua Kimmich, den Kapitän jener Verlierertruppe, nahm er noch einmal
       ganz speziell in Schutz. Nachdem der bei Klopp mehrmals mit der Bitte
       vorstellig geworden war, ihn entgegen dem ursprünglichen Plan doch für den
       Kader zu nominieren, der für das Spiel gegen Serbien und das am Sonntag
       anstehende in Griechenland vorgesehen ist, war glatt eine Kimmich-Debatte
       im Land losgebrochen. Doch Klopp stellte klar, dass dessen Zeit in der
       Nationalelf nicht vorüber ist.
       
       Aber so ganz genau kann man das eben nicht wissen. Mit seinen über 40
       Nominierungen muss Klopp jetzt irgendwie einen Umgang finden. Klar, alle,
       die er eingeladen hat, findet er toll, geil oder super. Aber beinahe die
       Hälfte wird nicht dabei sein, wenn Mitte November die nächsten Länderspiele
       anstehen.
       
       Ob etwa Mika Baur von Celtic Glasgow, der bei seiner Einwechslung als 1000.
       Nationalspieler in der Geschichte des DFB vorgestellt wurde und sich im
       Applaus der Massen baden durfte, so schnell wieder für die DFB-Auswahl
       kicken wird, ist alles andere als sicher. Was durch das Klopp’sche
       Auswahlverfahren jetzt schon feststeht: Auch die nächste
       [3][Pressekonferenz zur Kadernominierung] wird eine große Show werden.
       
       Doch so weit ist es noch nicht. Bis Sonntag darf erst mal bejubelt werden,
       dass der deutsche Fußball doch noch nicht mausetot ist. Das ist gewiss eine
       schlechte Nachricht, für all jene Rassisten, die seit der Niederlage gegen
       Griechenland die Kommentarspalten im Netz mit ihrer Hetze gegen nicht weiße
       Spieler zuzumüllen versuchen. Klopp hatte vor dem Spiel klargemacht, dass
       er sich mit dem rassistischen Mob nicht weiter befassen möchte. Am
       Donnerstag hat er sich dann besonders [4][am Fahnenmeer im Stadion]
       erfreut, wie er sagte. Jubel in Schwarz-Rot-Gold als antirassistisches
       Statement? Schön wär’s.
       
       2 Oct 2026
       
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