# taz.de -- Fazit der DFB-Länderspiele: Nicht wieder bei null
> Die erste Zwischenbilanz unter Bundestrainer Klopp fällt gemischt aus.
> Nach dem torlosen Remis in Griechenland bereitet besonders die Offensive
> Sorgen
(IMG) Bild: Konnte sich mit Spielfreude und Schnelligkeit empfehlen: Derry Scherhant bereitete der griechischen Abwehr Probleme
Schon kurz nach dem Abpfiff [1][hatte Jürgen Klopp] seinen Spielern wieder
jene Wärme zukommen lassen, die ihre Wirkung bei vielen in der deutschen
Nationalmannschaft entfaltet. Dem Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlović
legte der Bundestrainer zum Beispiel seinen linken Arm fast schon etwas zu
lange um den Hals, als wolle er ihn in den Schwitzkasten nehmen. Doch
Klopps körperliche Nähe kommt offenbar gut an. Ersatzkapitän Florian Wirtz
bezeichnete den Bundestrainer als einen „Meister darin, dass sich jeder
wertgeschätzt fühlt“. Auch das ist Teil der Veränderungen, die Klopp als
Nachfolger [2][von Julian Nagelsmann] in der Auswahl des Deutschen
Fußball-Bundes (DFB) herbeigeführt hat.
Ein bisschen Trost war am Sonntagabend im Toumba-Stadion von Thessaloniki
bei Klopps Umarmungen wohl auch dabei. Ein torloses Unentschieden lag ja
hinter der deutschen Elf in der Nations League bei jener griechischen
Mannschaft, die ihnen eine Woche [3][zuvor in Augsburg eine 0:1-Niederlage
zugefügt hatte.] Unangenehme Debatten waren die Folge. Die angestrebte
Revanche war also trotz eines lange Zeit guten Auftritts verpasst worden.
Als Tabellendritter mit je drei Punkten Rückstand auf die Niederlande und
Griechenland braucht die Nationalelf wohl zwei Siege, um einen der ersten
beiden Plätze zu erreichen und damit das Viertelfinale. Im ungünstigsten
Fall könnte es sogar zu wenig sein, wenn die DFB-Auswahl am 13. November
beim Tabellenletzten Serbien gewinnen sollte und drei Tage später in Berlin
gegen die Niederlande.
Klopp sieht dennoch keinen Anlass, die Situation nach seinem vierten Spiel
als Bundestrainer negativ zu beurteilen. Der einzige „Makel“ sei gewesen,
dass seine Mannschaft ihre Chancen nicht genutzt habe. „Wenn man mir vor
einer Woche gesagt hätte, dass wir am Donnerstag und Sonntag so eine
Leistung abliefern können, dann hätte ich das nicht geglaubt“, sagte Klopp
und hob die erste Halbzeit als „herausragend“ hervor. Er erinnerte an den
2:0-Sieg gegen Serbien am vergangenen Donnerstag in München, als man
bereits „ein ganz tolles Spiel gemacht“ habe. Nun habe man auch gegen die
Griechen einen Entwicklungsschritt vollzogen, „als Fazit kann ich sagen:
Damit bin ich super happy.“
Tatsächlich hatte die DFB-Elf ungefähr eine Stunde lang sehr dominant
gespielt. Die Abschlüsse allerdings gerieten oft unpräzise. Und als einmal
dank einer scharfen Hereingabe des sehr engagierten Derry Scherhant ein
Treffer durch Jonathan Burkardt gelang, wurde dieser wegen eines vorherigen
Handspiels von Tom Bischof per VAR nicht anerkannt. Ein Stürmertor blieb
damit auch im vierten Spiel unter Klopp aus, gerade einmal drei Treffer
gelangen insgesamt. Nur ein Sieg steht zu Buche, dazu zwei Unentschieden
und eine Niederlage.
## Ausbaufähige Abstimmung in der Offensive
Es ist nach dem Neustart bisher ein Aufbau, der in Sinuskurven verläuft.
Alleine die Ergebnisse künden von einer wechselhaften Zwischenbilanz.
[4][Auf das 1:1 in den Niederlanden] zum Auftakt und das 0:1 gegen die
Griechen [5][war das 2:0 gegen Serbien gefolgt.] Nach dem jüngsten 0:0 sind
die Nationalspieler nun erst einmal wieder in ihren Vereinen. Doch Klopp
ist zuversichtlich, im komplizierten November nicht wieder bei null
anfangen zu müssen. Wenn man sich wiedersehe, „wird die
DFB-Fußball-Festplatte nicht komplett leer sein“, sagte er.
Auch Klopps Themenliste ist weiterhin ziemlich voll. Das Gegenpressing und
die Einsatzfreude funktionieren schon gut und zählen neben dem Binnenklima
zu den auffälligsten Verbesserungen. Die Abstimmung in der Offensive und
der Abschluss allerdings sind ausbaufähig. Spannend wird, wer von den
diesmal 44 nominierten Spielern von Klopp zum Wiedersehen in fünfeinhalb
Wochen eingeladen wird. Der Kader soll dann ein Normalmaß haben, also um
etwa 20 Spieler reduziert werden.
Von den zehn Debütanten unter Klopp hatten vor allem Torwart Jonas Urbig,
Rechtsverteidiger Philipp Treu und Linksaußen Scherhant sportlich Werbung
für sich betrieben. Urbig könnte auf Sicht Marc-André ter Stegen ernsthaft
Konkurrenz machen. Empfohlen als Alternative in der Innenverteidigung haben
sich Yann Aurel Bisseck und Malick Thiaw.
Positiv aufgefallen war zudem das Mittelfeldtrio Florian Wirtz, Bischof und
Pavlović. Letzterer stach in Thessaloniki erneut als lange Zeit souveräne
Ordnungskraft vor der Viererkette hervor. Mit Joshua Kimmich könnte im
November auch die jüngst aufgekeimte Debatte zurückkehren, ob der Kapitän
gesetzt sein sollte. Für den Moment ruhte dieses aus Klopps Sicht lästige
Thema.
Der Bundestrainer widmete sich den erfreulichen Teilen der ersten
Bestandsaufnahme. „Ich wollte etwas anschieben, das habe ich auf jeden Fall
gesehen“, sagte er und befand: „Das Talent läuft den Jungs aus den Ohren
raus.“ Auch diese Sichtweise hat Klopp schon neu etabliert.
5 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Maik Rosner
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