# taz.de -- DFB-Kader von Jürgen Klopp: Manchmal ist die Form entscheidend
       
       > Der Nationalmannschafts-Kader von Bundestrainer Klopp ist für die
       > nächsten Aufgaben etwas konventioneller aufgestellt. So gehört nun auch
       > Niclas Füllkrug dazu.
       
 (IMG) Bild: Niclas Füllkrug darf auch wieder im DFB-Auftrag Herzen erobern
       
       Vergleichsweise locker hat Jürgen Klopp auf seinem Barhocker gewirkt, als
       er sich am Donnerstag auf dem DFB-Campus zum Interview in die
       Umkleidekabine setzte. Fragen stellte statt einer Journalistenschar nur
       Pressesprecherin Franziska Wülle für den verbandseigenen TV-Sender. Trotz
       aller Lässigkeit versicherte der Bundestrainer, es sei ihm schwergefallen,
       für die letzten Nations-League-Gruppenspiele gegen Serbien in Belgrad (13.
       November) und gegen die Niederlande in Berlin (16. November) seinen
       24-köpfigen Kader zu nominieren, „weil – und das ist eigentlich die gute
       Nachricht – es wieder mehr Spieler verdient hätten, dabei zu sein. Aber so
       soll es sein.“
       
       Gleichzeitig bewies der 59-Jährige, dass er nicht dogmatisch vorgeht. Es
       wimmelt in der Bundesliga nicht an klassischen Mittelstürmern mit
       verlässlichen Quoten. Wenn einer wie Niclas Füllkrug in Bundesliga und
       DFB-Pokal in zehn Spielen zwölfmal trifft, muss er wieder in den Kreis der
       Besten zurückkehren. „Er hat unterschiedlichste Tore geschossen. Er hat
       einen unglaublichen Einfluss bei Werder Bremen“, lobte Klopp.
       
       Obwohl der 33-Jährige an der Weser seinen dritten Frühling erlebt, hatte
       der Bundestrainer zwischenzeitlich den Eindruck erweckt, eine Rückkehr
       mache aus Altersgründen keinen Sinn. Ein Missverständnis. „Ich bin jetzt
       nicht mit all meinen Aussagen, die ich in Halbzeit-Interviews getroffen
       habe, so glücklich“, räumte der 59-Jährige ein.
       
       Klopp erzählte, er habe Füllkrug nach seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio
       kontaktiert. „Es war eine Freude, die Entscheidung zu treffen, und es war
       auch eine Freude, sie ihm mitzuteilen.“ Wäre morgen die
       Europameisterschaft, würde er „Fülle“ sofort mitnehmen, denn: „Manchmal
       schlägt Form alles andere …“
       
       ## „Bunter Mix“
       
       Klopps Aufgebot vereint Perspektive mit Pragmatismus. „Wir haben in der
       Mannschaft einen bunten Mix aus sehr jung und durchaus erfahren dabei.“
       Zwar fehlen logischerweise viele der Überraschungsgäste aus dem Frühherbst
       – etwa Mika Baur oder Bambasé Conté –, aber immer noch sind 13 Akteure
       dabei, die keine Verantwortung für die WM-Blamage in Nordamerika trugen.
       Mit zwei Siegen soll noch das Nations-League-Viertelfinale im März 2027
       erreicht werden. Das wäre auch wichtig, um in der Qualifikation für die EM
       2028 nicht gegen einen Großen wie Spanien oder Frankreich spielen zu
       müssen.
       
       Das geht im Tor los, wo „Marc-Andre ter Stegen als Nummer eins in die
       Spiele geht“. Es gehe auf dieser Schlüsselposition um „große Stabilität“,
       und der Schlussmann von Ajax Amsterdam habe „die meiste Erfahrung“.
       Vertreter sind Alexander Nübel und Jonas Urbig. In der Innenverteidigung
       sind Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck als eingespieltes Gespann gesetzt,
       als Back-up gelten Waldemar Anton, Malick Thiaw und überraschend Finn
       Jeltsch, von dem Klopp „langfristig“ so viel hält, dass er den 20-Jährigen
       vom VfB Stuttgart gerne mal rechts probieren würde. „Er ist ein sehr
       dynamischer, schlauer Kerl.“
       
       In der Zentrale setzt Klopp mit Kapitän Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlović
       und Tom Bischof auf einen „kleinen Bayern-Block“. In diesem Mannschaftsteil
       brauche es „Physis mit technischen Fähigkeiten – und ein bisschen Torgefahr
       wäre auch nicht schlecht“.
       
       Dafür steht Überraschungsgast Wael Moyha. „Es gibt nicht viele 17-Jährige,
       die in der Bundesliga spielen, das allein ist schon ein herausragendes
       Merkmal“, sagte der Bundestrainer, der mit Moyha „drei Gespräche“ führte,
       die alle „top“ gewesen seien. Klopp sagte, man habe sich mit der Familie
       darauf geeinigt, „dass wir ihn einfach mal mitnehmen zum Sehen“.
       
       Im Sturm habe er sich für die Freiburger Entdeckung Derry Scherhant und
       Said El Mala entschieden, weil dieser auf einer neuen Position in Köln „das
       Spielfeld auf einer neuen Position kennenlerne“. Der Frankfurter Younes
       Ebnoutalib habe ihn als „positive Überraschung im ersten Camp überzeugt“.
       Ungeachtet der Unruhe um seine Person ist auch Lennart Karl dabei, den
       Klopp als „Toptalent“ pries.
       
       5 Nov 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frank Hellmann
       
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       Fülle.