# taz.de -- Wahlkampf nach dem Hitzesommer: Die Grünen wollen baden gehen
> Die Berliner Grünen werden im Wahlkampf von der Linken abgehängt. Am
> Freitag kommt die Bundesspitze zur Hilfe. Sie wirbt mit Klima und
> Hitzeschutz.
(IMG) Bild: Wollen in der Spree baden gehen: Werner Graf (Bündnis 90/Die Grünen) mit den Grünen-Chefs Franziska Brantner und Felix Banaszak
An einer Fahrradstraße in Berlin-Kreuzberg lässt sich die grüne
Bundesspitze am Freitagmittag von einer grünen Kommunalpolitikerin [1][den
grünen Gully] erklären. Um einen bestehenden Regenabfluss ließ der Bezirk
den Asphalt aufbrechen, die Erde austauschen und Gräser säen. Regenwasser
fließt jetzt nicht mehr komplett in die Kanalisation ab, sondern versickert
und verdunstet, kühlt die Luft ab und nährt Pflanzen. Eine tolle Sache für
Städte, in denen die Luft heißer und der Starkregen häufiger wird.
Mit solchen Projekte müsste man [2][nach diesem Sommer] eigentlich
politisch punkten können. Deutschlandweit fielen schon Ende Juni die
Temperaturrekorde. Im Süden tobten erst am Freitagvormittag wieder heftige
Unwetter. Und hier, am Görlitzer Ufer in Berlin-Kreuzberg, ist die Luft mit
27 Grad zwar nicht mehr unerträglich, für Ende August aber immer noch
verhältnismäßig heiß.
In der bundespolitischen Debatte bleiben Klimaschutz und Klimaanpassung
aber weiterhin eher ein Randthema. Die Werte der Grünen in
deutschlandweiten Umfragen gehen zwar leicht nach oben, aber nicht durch
die Decke. Und in Berlin, wo im September ein neues Landesparlament gewählt
wird, stagniert die Partei sogar auf dem Niveau der verlorenen
Bundestagswahl 2025. Die Linke enteilt hier den Grünen [3][und scheint auf
dem Weg zur stärksten Kraft zu sein. ]
Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die hohen Mieten viele Menschen
noch mehr belasten als die hohen Temperaturen. Auf dieses Thema hat die
Linkspartei ihren Schwerpunkt gelegt. Ein anderer Grund könnte sein, dass
manchen Wähler*innen in ehemaligen Grünen-Hochburgen die Nahostpolitik
der Partei zu wenig Israelkritik enthält. „Kriegstreiber!“, brüllt an der
Fahrradstraße in Berlin-Kreuzberg eine Passantin in Richtung der
Parteispitze, als der Vortrag über den grünen Gully gerade vorbei ist
(ehrlichweise lässt sie aber offen, welchen Krieg genau sie meint).
## Unterstützung von oben
Zwei Tage lang hat sich der grüne Bundesvorstand zu einer Klausurtagung im
Viertel getroffen. Als Gast war Werner Graf eingeladen, [4][Spitzenkandidat
der Berliner Grünen] für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September.
Klassische Wahlkampfunterstützung von oben: Die Grünen-Spitze verhilft dem
Kandidaten damit zu ein paar Sekunden Sendezeit in den überregionalen
Medien – und will gleichzeitig die Klimapolitik doch noch ein bisschen
stärker in den öffentlichen Fokus rücken.
„Ich bin hochgradig irritiert, dass unsere politischen Mitbewerber noch
immer vom Klimaschutz als einer total wichtigen Zukunftsaufgabe sprechen.
Wir erleben in diesem Sommer, dass Klimaschutz schon jetzt eine wichtige
Aufgabe gewesen wäre“, sagt Parteichef Felix Banaszak am Fahrradstraßenrand
in die Kameras. Werner Graf ergänzt: „Es ist ja in Berlin so ein bisschen
wie im Bund. Wir haben von den Kandidaten der anderen Parteien, auch von
der CDU, nichts gehört zum Klimaschutz.“
Ein eigenes Papier zum Klima hat der Grünen-Vorstand dafür auf seiner
Klausur beschlossen. Wobei der Fokus weniger auf dem Klimaschutz liegt,
sondern auf der Klimaanpassung und dem Hitzeschutz. Darin heißt es, die
„bereits jetzt rund 14.000 Hitzetoten“ zeigten, dass „diese Hitzesommer
eine ernsthafte Gefahr für Leib und Leben sind“. Inzwischen spricht das
[5][Robert-Koch-Institut sogar schon von 15.800 Todesfällen aufgrund von
Hitze].
## Bäume und Badestellen
Konkret fordern die Grünen zum Beispiel ein neues Förderprogramm für die
Dämmung und Verschattung von Wohngebäuden mit besonders großer Hitze,
[6][auch „energieeffiziente Klimaanlagen“] sollen daraus bezahlt werden.
Ein ähnliches Programm soll es für öffentliche Einrichtungen geben. Alle
Kommunen sollen Hitzestäbe in den Rathäusern einrichten, flächendeckend
sollen an besonders heißen Orten Trinkbrunnen und ähnliches entstehen und
kühle Institutionen wie Museen sollen an besonders heißen Tagen kostenlos
öffnen.
Weitere Forderungen sind speziell auf die Berlin-Wahl ausgerichtet: In der
Hauptstadt wollen die Grünen mehr Ersatzpflanzungen für gefällte große
Bäume vorschreiben. Ab 2030 wollen sie die Versiegelung von Flächen nur
noch erlauben, wenn anderswo entsiegelt wird. Und zur Abkühlung wollen sie
den Menschen das [7][Baden in der Spree ermöglichen].
An vielen Tagen im Jahr sei die Wasserqualität dafür schon heute gut genug,
sagt Graf auf Nachfrage. Mit einer Gesetzänderung und „ein bisschen“
Einschränkung für den Schiffsverkehr „wäre das schon wirklich sehr, sehr
unkompliziert möglich.“
28 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gruener-Wahlkampf-in-Berlin/!6206024
(DIR) [2] /Zahlen-des-Robert-Koch-Instituts/!6207565
(DIR) [3] /Abgeordnetenhauswahl-in-Berlin/!6207293
(DIR) [4] /Abgeordnetenhauswahl-in-Berlin/!6207098
(DIR) [5] /Zahlen-des-Robert-Koch-Instituts/!6207565
(DIR) [6] /Teuer-unoekologisch-und-krankmachend/!6198979
(DIR) [7] /Baden-in-der-Spree/!6205794
## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
## TAGS
(DIR) Bündnis 90/Die Grünen
(DIR) Klimaschutz
(DIR) Klimaanpassung
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) Abriss
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Abgeordnetenhauswahl in Berlin: „Ich trete an, um die CDU in die Opposition zu schicken“
In Umfragen liegen die Grünen hinter Linkspartei, CDU und AfD.
Spitzenkandidat Werner Graf will dennoch ins Rote Rathaus. Zur Not auch mit
Hilfe der CDU?
(DIR) Umnutzung von Bürogebäuden: Schöner Wohnen im Großraumbüro
Die Grünen wollen den Umbau von leer stehenden Büroflächen voranbringen.
Vorbild ist ein Start-up, das Zwischennutzungen von Büros ermöglichen will.
(DIR) Grüner Wahlkampf in Berlin: Schwammstadt selber machen
Grüne Gullys oder Friedhofparks: In den sechs grün regierten Bezirken
werden Klimaanpassung und Hitzeschutz groß geschrieben. Oft aber blockiert
der Senat.