# taz.de -- E-Bike-Tuning: Fahrradbranche kämpft gegen frisierte Pedelecs
> E-Bikes dominieren den Fahrradmarkt. Aber wenn sie aufgemotzt werden,
> wird es gefährlich. Nun wenden sich Verbände gegen Tuning – aus guten
> Gründen.
(IMG) Bild: Auch in Kalifornien sind einige E-Bikes ziemlich schnell unterwegs
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fährt gern schnell. Zumindest
schneller als ein herkömmliches E-Bike, das Fahrten mit bis zu 25
Kilometern pro Stunde elektrisch unterstützt: Palmer hat ein S-Pedelec, das
45 km/h auf die Platte bringt. Und Palmer hat dafür gesorgt, dass er damit
in seiner Stadt auch auf Fahrradwegen fahren darf – ganz legal, mit
Kennzeichen für ein Kleinkraftrad.
Illegal hingegen ist es, wenn E-Bike-Fahrer:innen ihre 25-km/h-Fahrzeuge
auf eigene Faust frisieren und sich dann nicht um eine entsprechende
Betriebserlaubnis bemühen. Um gegen solches E-Bike-Tuning vorzugehen, haben
Europas Fahrradwirtschaftsverbände in Brüssel nun [1][eine
Selbstverpflichtung] unterschrieben und [2][Forderungen an die EU
gerichtet].
Demnach sollen die Mitgliedstaaten vor allem den unkontrollierten Handel
mit sogenannten Tuningkits unterbinden – also Paketen aus Fahrzeugteilen,
Werkzeugen oder Software, die ein E-Bike schneller machen. Außerdem fordern
die Verbände, dass Polizei, Zoll und Marktaufsicht den Import illegaler
E-Bikes gezielter bekämpfen.
„Beides sind wichtige Beiträge für Verkehrssicherheit, Verbraucherschutz
und die überwältigende Mehrheit der europäischen Fahrradwirtschaft, die
sich an die gesetzlichen Vorgaben für E-Bikes hält“, heißt es in [3][einer
Mitteilung] der deutschen Lobbyverbände [4][ZIV] und [5][Zukunft Fahrrad],
die die Brüsseler Papiere mitunterzeichnet haben. Nichtkonforme Räder aus
dem außereuropäischen Ausland seien eine wirtschaftliche Gefahr für kleine
und mittlere Unternehmen aus Europa, die hier die Kosten für die Prüfung
und Zertifizierung ihrer E-Bikes tragen.
## Aufklärung über E-Bike-Tuning
Selbstverantwortung übernehmen will die Branche, indem sie zum Beispiel den
E-Bike-Antrieb stetig so weiterentwickelt, dass Tuning rein technisch immer
schwieriger wird. Die Verbände wollen Fahrradhändler:innen und
Kund:innen besser über die rechtlichen Vorgaben für schnellere S-Pedelecs
– etwa Kennzeichen oder Versicherungen – aufklären und sich in der
Öffentlichkeit häufiger und lauter gegen E-Bike-Tuning äußern.
Dass die Fahrradwirtschaft gerade jetzt Maßnahmen ausgeklügelt hat, ist
kein Zufall: Die EU arbeite aktuell an Reformen, heißt es bei ZIV und
Zukunft Fahrrad, die Einfluss auf den europäischen E-Bike-Markt haben. Das
geplante europäische Produktgesetz solle etwa dafür sorgen, dass
Onlineverkäufer außerhalb der EU klarer für die von ihnen verkaufte Ware
haften müssen.
In Deutschland wiederum sei das Thema wichtig, weil E-Bikes inzwischen den
Fahrradmarkt dominieren. Im Jahr 2025 war laut ZIV mehr als die Hälfte
aller hier verkauften Fahrräder batteriebetrieben, insgesamt gebe es mehr
als 17 Millionen Pedelecs. Wer sein E-Bike so aufmotzt, dass der Motor auch
bei Geschwindigkeiten über 25 Stundenkilometern noch mithilft, und [6][ohne
Betriebserlaubnis erwischt wird], kassiert unter Umständen ein Bußgeld von
mehr als 70 Euro, eventuell einen Punkt in Flensburg. Wer ohne
Versicherungsschutz unterwegs ist, begeht eine Straftat. Nach Angaben der
Gewerkschaft der Polizei aus dem Jahr 2023 sind fünf bis zehn Prozent der
E-Bikes in Deutschland getunt.
In ihrem Appell an die EU-Staaten verweisen die Branchenverbände auf ein
Gesetz aus Frankreich, das den unkontrollierten Handel mit Tuningkits
eindämme. Tatsächlich verbietet die [7][dortige Straßenverkehrsordnung]
Code de la route Herstellung, Import und Verkauf von Geräten, die dafür
sorgen, dass „die gesetzlichen Grenzwerte hinsichtlich Geschwindigkeit,
Hubraum oder maximaler Motorleistung“ überschritten werden. Wer es dennoch
tut, riskiert eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren und 30.000 Euro
Strafe.
Dabei geht es nicht nur um Elektrofahrräder, sondern auch um Mopeds,
Motorräder und motorisierte Vierräder. So sind sich auch die deutschen
Verbände sicher: „Das Problem ist nicht spezifisch für das Fahrrad“, eine
rechtliche Lösung helfe deshalb ebenfalls mehr Bereichen als nur der
Fahrradwirtschaft.
1 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://cyclingindustries.com/wp-content/uploads/2026/09/Self-commitment-Anti-tampering.pdf
(DIR) [2] https://cyclingindustries.com/wp-content/uploads/2026/09/Position-Paper-Anti-Tampering.pdf
(DIR) [3] https://www.ziv-zweirad.de/2026/09/30/fahrradwirtschaft-geht-gegen-e-bike-tuning-vor/
(DIR) [4] https://www.ziv-zweirad.de/
(DIR) [5] https://zukunft-fahrrad.org/
(DIR) [6] https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/zweirad/fahrrad-ebike-pedelec/vorschriften-verhalten/tuning-e-bikes/
(DIR) [7] https://www.legifrance.gouv.fr/codes/article_lc/LEGIARTI00003978439
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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