# taz.de -- Essayfilm „Heart of Light“: In die Südsee zurückkehren
> Die Filmemacherin Cynthia Beatt legt mit „Heart of Light“ ihr Opus magnum
> vor. Ihr Essayfilm erzählt von Geschichte und Gegenwart der
> Fidschi-Inseln.
(IMG) Bild: Gemeinsames Musizieren mit dem Komponisten Simon Fisher Turner in „Heart of Light – eleven songs for Fiji“
Berlin ist seit Langem der Lebensmittelpunkt von Cynthia Beatt. Aus England
brachte die britische Filmemacherin in den 1970er Jahren ihre Passion für
die unabhängige [1][Experimentalfilmszene um Derek Jarma]n mit. In Berlin
tauchte sie in die Programmarbeit des Arsenal-Kinos und des Forums der
Berlinale ein, arbeitete als Übersetzerin und in der Video- und
Performanceszene. Ihre Filmideen waren vom Westberliner Kosmos um Heinz
Emigholz, Elfi Mikesch und anderen inspiriert, die sich nicht um
Genrezwänge scheren und früh damit begannen, dokumentarisches und
inszeniertes Material mit einer alles andere als illustrierenden Sound- und
Sprachebene zu Filmessays zu verschmelzen.
Der kreative Umgang mit dem Grundgefühl der Entfremdung beschäftigte
Cynthia Beatt in mehreren Filmen. Als Ausländerin, sagte sie einmal, könne
sie sich in Deutschland auch dann nicht verstanden fühlen, wenn sie deutsch
spreche. „Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl“ (1983), „Cycling the
Frame“ (1988) und „The Invisible Frame“ (2009) – alle drei längst
Berlin-Filmklassiker– suchen aufgeschlossen und zugleich distanziert eine
eigene Sprache für die Wahrnehmung, zwischen widersprüchlichen Kulturen und
vielen, die Gegenwart infizierenden Spuren der Geschichte zu leben.
1983 rechnete Cynthia Beatt mit dem merkwürdigen Verhalten der Westberliner
ab, indem sie mit Heinz Emigholz den zerstörten, im Dornröschenschlaf
dämmernden Gropius-Prachtbau durchwanderte und ihn mit der monotonen
Nachkriegsarchitektur nahe dem vermauerten Grenzgebiet am Potsdamer Platz
kontrastierte, Rückschlüsse auf die Westberliner Mentalität inklusive.
Ähnlich beweglich folgte die Kamera in den berühmten Kurzfilmen „Cycling
the Frame“ und „The Invisible Frame“ Cynthia Beatts Freundin [2][Tilda
Swinton] auf eine Fahrradtour entlang der 160 km langen Grenze in und um
Westberlin, im älteren Film in stillgestellte, absurd idyllische
Randlandschaften, knapp zwanzig Jahre später auf beiden Seiten der
einstigen Demarkationslinie in Zonen, die von Abbruch, Umbruch und
investitionsgetriebener Bautätigkeit geprägt waren.
## Neuer Blick auf eine vertraute, fremd gewordene Kultur
Aber es gab noch einen anderen Impuls. Neben „The Party – Nature morte“
(1991) und „Ein Haus in Berlin“ (2014), zwei in Berlin angesiedelten
Spielfilmen, die von Trennung und Neubeginn erzählten, hielt Cynthia Beatt
jahrzehntelang an ihrer Sehnsucht fest, mit einem Filmprojekt in die Südsee
zurückzukehren. Anders als im ersten Versuch, dem in Ko-Regie mit Rudolf
Thome auf der Pazifikinsel Ureparapara gedrehten Spielfilm „Beschreibung
einer Insel“ (1979/1981), sollte nicht die Diskussion um das Scheitern
einer Gruppe junger Ethnologen und ihrem Streit um postkoloniale Strategien
in den Mittelpunkt rücken, sondern der Blick einer Reisenden, die sich neu
auf eine vertraute, aber fremd gewordene Kultur einlässt.
Cynthia Beatts Opus magnum „Heart of Light – The Silence“ (2026) ist ein
Filmessay in elf „Songs“, getragen von einem persönlichen
Voiceover-Kommentar und einer Komposition unterschiedlicher, meist
originaler Musiken. Der Film führt in ihre Kindheit auf den pazifischen
Fidschi-Inseln zurück und entdeckt zugleich Momente der fremden, erst jetzt
für sie erkennbaren komplexen Gegenwart zwischen Tradition und Moderne.
1949 in Jamaika geboren, lebte Cynthia Beatt mit ihrer Familie in Fidschi,
wo der Vater für die britische Kolonialverwaltung arbeitete, bis sie in den
1960er Jahren in Schottland die Schule abschloss.
Seither knüpfte sie bei längeren Aufenthalten auf dem Archipel ein Netzwerk
unter Einheimischen und Freunden, die als beiläufige quasi fiktionale
Figuren ein üppiges Bündel sinnlicher Erfahrungen und Wissen beitragen. So
zum Beispiel, wenn [3][Simon Fisher Turner, der Soundtrack-Komponist] von
„Cycling the Frame“, in einer inszenierten Szene nächtliche Geräusche
sammelt und dabei mit einheimischen Musikern ins Gespräch kommt oder wenn
in einem anderen „Song“ eine Gruppe Einheimischer das Hinterland
durchwandert und sich gegenseitig die Geschichte historischer Kriege gegen
Sklavenhändler und kolonialistische Unterdrücker erzählt.
## Uralte nautische Tradition
„Heart of Light“ lebt von einer Fülle kleiner Beobachtungen, Erzählungen,
Begegnungen und Gesten. Jenny Lou Ziegels Bilder bewegen sich in den
Straßenszenen der Hauptstadt Suva, unter Schulkindern in Uniform, auf
üppigen Gemüsemärkten, im nächtlichen Hafen und auf Fahrten mit dem Bus in
respektvollem Abstand. Museumsbesuche zeigen den Stolz auf die uralte
nautische Tradition lange vor dem kolonialistischen Zugriff. Impressionen
von der Arbeit einer Zuckerfabrik und der Gewinnung der Wurzeln für das
Landesgetränk Kava stehen ohne Erklärung für sich.
Struktur verleiht den Reiseetappen die ruhige, einem Bewusstseinsstrom
gleichende Kommentarstimme von Tilda Swinton. Spät erst konnte sie zum Dreh
hinzukommen, erzählt ihre Präsenz als sichtbares Alter Ego der Regisseurin
im letzten Drittel des Films, worauf es ankommt. Zurückhaltend hält sich
die Schauspielerin an die dörflichen Begrüßungsrituale, die für ein
friedliches Miteinander stehen, begleitet still das Handwerk der
Mattenflechterinnen und Tischler, scheint in der anderen Zeitlichkeit zu
einem flüchtigen Moment der Ruhe zu kommen.
30 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Claudia Lenssen
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