# taz.de -- Weltweite Stromherstellung: Sonnenenergie überholt erstmals Atomkraft
> Weltweit sinkt der Anteil der Atomkraft am Strommix. Entgegen des
> globalen Trends setzt China weiter auf neue Reaktoren.
(IMG) Bild: Photonen Welle schlägt Teilchenspaltung
Erstmals in der Geschichte überflügelte die [1][Solarenergie] im Jahr 2025
weltweit die [2][Atomkraft]: Nach einem Anstieg um fast 30 Prozent
gegenüber dem Vorjahr wurden 2.783 Terawattstunden Solarstrom erzeugt,
gegenüber 2.703 Terawattstunden Atomstrom. Eine Terawattstunde entspricht
einer Milliarde Kilowattstunden.
Die Zahlen stammen aus dem am Dienstag vorgestellten [3][World Nuclear
Industry Status Report]. Dieser Bericht zur Lage der weltweiten
Atomindustrie wird alljährlich von einem internationalen Expertenteam
erstellt, koordiniert von dem in Paris ansässigen Atompolitikberater Mycle
Schneider.
Weltweit wurden im Jahr 2025 sieben Reaktorblöcke stillgelegt, aber nur
vier nach einer durchschnittlichen Bauzeit von 8,1 Jahren in Betrieb
genommen. Die weltweite Stromerzeugung aus Atomkraft lag im Berichtsjahr um
1,1 Prozent höher als im Vorjahr und erreichte damit ganz knapp einen neuen
Rekordwert. Ursache für den Anstieg sind allein die Aktivitäten Chinas:
Während China um 7,6 Prozent zulegte, ging die Atomstromerzeugung außerhalb
Chinas um 0,2 Prozent zurück und stagnierte damit auf dem Niveau von vor 30
Jahren.
Das Phänomen, dass der Ausbau in China etwa den Rückgang der Atomkraft im
Rest der Welt kompensiert, kann man seit Jahren beobachten. In den zwei
Jahrzehnten von 2006 bis 2025 wurden weltweit 104 Reaktoren in Betrieb
genommen, aber 106 Reaktoren stillgelegt. Während sich außerhalb Chinas in
dieser Zeit ein drastischer Netto-Rückgang um 55 Einheiten ergab, nahm
China 53 Anlagen in Betrieb, legte aber keine still.
## Anteil von Atomkraft am weltweiten Strommix sinkt
Weil der Stromverbrauch weiter steigt, sinkt der Beitrag der Kernspaltung
zum weltweiten Strommix stetig. Ihr Anteil reduzierte sich im Jahr 2025 auf
nur noch 8,8 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit viereinhalb
Jahrzehnten. Im Vorjahr waren es noch 9 Prozent gewesen. Der historische
Höchststand hatte im Jahr 1996 bei 17,5 Prozent gelegen.
Weltweit sind derzeit 73 Reaktoren in Bau, etwa die Hälfte davon in China.
Dabei fällt auf, dass 95 Prozent aller aktuellen Bauprojekte – nämlich 69 –
entweder in Atomwaffenstaaten stattfinden oder von Unternehmen realisiert
werden, die von Atomwaffenstaaten kontrolliert werden. Unter allen 52
Projekten, deren Baubeginn in den Jahren 2020 bis 2025 erfolgte, ist nur
ein einziges (in Südkorea), das nicht von staatlich kontrollierten
Unternehmen aus China oder Russland realisiert wird.
Über die in letzter Zeit medial stark beachteten kleinen modularen
Reaktoren (SMR) berichtet der Report ebenso. Es gebe in den westlichen
Ländern bislang nur eine Designzertifizierung (NuScale in den USA), sowie
ein aktives Bauprojekt (BWRX in Kanada). Weder in der EU noch im
Vereinigten Königreich befinde sich derzeit auch nur ein einziger SMR im
Bau.
Zunehmend beleuchtet der alljährliche Report inzwischen auch den Boom der
Erneuerbaren, Wasserkraft nicht eingerechnet. Diese verzeichneten im Jahr
2025 einen Zuwachs von 861 Terawattstunden oder 15,9 Prozent gegenüber
2024. Damit konnte der Zubau der Erneuerbaren erstmals das gesamte Wachstum
der weltweiten Brutto-Stromerzeugung abdecken, das bei 855 Terawattstunden
lag.
Aufgrund des stetig gewachsenen Umfangs auf inzwischen 596 Seiten wird der
Nuklearreport, an dem in diesem Jahr zwei Dutzend Experten aus
unterschiedlichen Ländern mitgearbeitet haben, intern „The Monster“
genannt. Längst gilt der Report durch seine präzise Datenanalyse auch in
der Atomwirtschaft als wichtige Referenz. Und dies, obwohl sich unter den
finanziellen Unterstützern der Analyse atomkritische Akteure befinden, wie
etwa die Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament und die
Schweizerische Energie-Stiftung SES.
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Solarenergie/!t5008391
(DIR) [2] /Schwerpunkt-Atomkraft/!t5007471
(DIR) [3] https://www.worldnuclearreport.org/
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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