# taz.de -- Überhitzte Reaktoren: Frankreichs Atomkraftwerke brauchen Kühlung
       
       > Die Hitze macht die Produktion von Atomstrom in Frankreich teils
       > unmöglich. Das liegt an der steigenden Temperatur umliegender Flüsse –
       > und an Quallenangriffen.
       
 (IMG) Bild: Ungewöhnlich große Mengen von Quallen verstopfen die Filter der Pumpen der AKW-Anlage Gravelines in Nordfrankreich
       
       Einer nach dem anderen: In den vergangenen Tagen musste [1][Frankreich]
       etliche Atomreaktoren abschalten. [2][Der Grund dafür sind Hitzeprobleme
       bei der Kühlung]: Die Mehrzahl der AKW, die dazu Flusswasser etwa aus der
       Rhone oder der Garonne verwenden, müssen aus Rücksicht auf die
       Biodiversität gestoppt werden. Wenn das für die Kühlung der Reaktoren
       abgeleitete Wasser eine bestimmte Temperatur übersteigt, meist 28 Grad
       Celsius, ist das ökologische Gleichgewicht und damit das Überleben der
       Flussfauna und -flora in Gefahr.
       
       Bei den mit Meerwasser gekühlten Reaktoren, beispielsweise in der Anlage
       von Gravelines in Nordfrankreich, stellt sich ein anderes Problem. Einen
       Zusammenhang mit der gegenwärtigen Hitze gibt es aber ebenfalls:
       Ungewöhnlich große Mengen von Quallen verstopfen die Filter der Pumpen und
       könnten so das Funktionieren des Kühlsystems beeinträchtigen. Mit seinen 6
       Reaktoren (die zunächst alle abgestellt wurden und bis auf einen derzeit
       außer Betrieb sind) ist Gravelines die größte AKW-Anlage in Westeuropa.
       
       Wegen der bisher längsten [3][Hitzeperiode] in der mit Daten belegten
       Klimageschichte mussten in Frankreich 13 von insgesamt 57 Reaktoren
       abgestellt werden, was einem Ausfall von 20,4 Prozent der landesweiten
       Atomstromproduktion entspricht. Da die Atomenergie in Frankreich 70 Prozent
       der Elektrizität liefert, ist diese hitzebedingte Senkung erheblich. Die
       Versorgung mit Strom soll laut dem AKW-Betreiber EDF deswegen aber nicht
       bedroht sein. Es sei sogar auch weiterhin möglich, wie sonst Elektrizität
       in die Nachbarländer zu exportieren.
       
       Die Inlandsversorgung ist bisher gewährleistet, weil der Bedarf in der
       Jahreszeit relativ gering ist. Die Produktion an Solarstrom steigt zudem.
       Und zur Beruhigung kann der Atomstromproduzent darauf verweisen, dass es
       Frankreich ja auch überlebt habe, als 2022 vorübergehend 32 von damals 56
       Reaktoren pausieren mussten. Damals war nicht die Hitze ausschlaggebend,
       sondern dringende Reparaturen und Wartungsarbeiten.
       
       Die Anti-Atom-Organisation Sortir du Nucléaire warnte, dass jedes Jahr
       unbeachtet von der Öffentlichkeit ein massives Fischsterben auf das Konto
       der Reaktoren gehe. Die französischen AKW-Gegner berufen sich auf interne
       Dokumente von EDF, die es erlaubten, die Zahl der Meerestiere wie Fische,
       Quallen, Krebse und Krabben, die in den Kühlsystemen sterben, mit annähernd
       6 Milliarden zu beziffern. Dieses „unsichtbare Massensterben“ werde durch
       den Bau von 4 weiteren Reaktoren in Penly in der Normandie noch drastisch
       schlimmer. EDF bleibt dabei, dass der AKW-Betrieb keine negativen
       Auswirkungen auf die Biodiversität habe.
       
       14 Aug 2026
       
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