# taz.de -- Demonstration für Oleschky: Eine Stadt wartet auf Hilfe
       
       > In Berlin demonstrierten am Montagabend Hunderte für das von Russland
       > besetzte Oleschky. In der ukrainischen Stadt herrscht eine Hungersnot.
       
 (IMG) Bild: „In Oleschky warten Menschen auf unsere Hilfe“, sagen die Organisatoren der Demonstration in Berlin
       
       Es waren die lauten und koordinierten Rufe nach der Rettung von Oleschky,
       die die Straße Unter den Linden füllten und den vergleichsweise kleinen
       Demonstrationszug kämpferisch wirken ließen. Etwa 350 Menschen zogen laut
       Veranstalter*innen am Montagabend vom Berliner Abgeordnetenhaus zur
       russischen Botschaft, um auf die humanitäre Katastrophe in der von Russland
       besetzten Stadt Oleschky im Süden der Ukraine aufmerksam zu machen.
       Aufgerufen hatte die Nichtregierungsorganisation Vitsche, die
       Ukrainer*innen in Berlin unterstützt.
       
       In der Stadt Oleschky, die nun seit mehr als vier Jahren unter russischer
       Besatzung steht, herrscht [1][Hungersnot]. Es gibt weder Strom noch Gas,
       seit Monaten werden Lebensmittel und Medikamente nicht mehr geliefert. Auch
       mit der Trinkwasserversorgung gibt es Probleme. Die Behörden gehen aktuell
       von etwa 2.000 Menschen, darunter 50 Kindern aus, die unter der humanitären
       Blockade leben. Die Straßen rund um die Stadt sind vermint; nach
       ukrainischen Angaben weigert sich Russland, die Einwohner*innen
       evakuieren zu lassen.
       
       Mileriya Afanasiievska gehört zu denjenigen Einwohnerinnen von Oleschky,
       die noch die Möglichkeit hatten zu fliehen. Sie ist in der südukrainischen
       Stadt geboren, hat ihr ganzes Leben dort verbracht und knapp anderthalb
       Jahre russischer Besatzung überlebt, erzählt sie. Damals sei sie Opfer
       eines [2][queerfeindlichen Verbrechens der Besatzer geworden.] Russische
       Soldaten hätten sie schwer geschlagen, dabei habe sie mehrere Zähne
       verloren, so Afanasiievska. Nachdem ihr Haus nach der Sprengung des
       Kachowka-Staudamms im Juni 2023 überflutet worden sei, habe sie Oleschky
       verlassen und sei nach Berlin gekommen. Die Demo ist die erste Aktion zur
       Unterstützung der Ukraine, an der sie in Berlin teilnimmt.
       
       Auch die aus Prag stammende Philosophin Tereza Hendl ist am Montagabend auf
       der Demo anzutreffen. Sie hat sich bei der [3][Ruta Association] mit
       anderen Wissenschaftler*innen zusammengeschlossen, die aus
       Gesellschaften stammen, die von Russland oder der UdSSR besetzt waren. Für
       sie steht fest: „Es ist äußerst wichtig, jetzt für Oleschky zu
       protestieren, wo Menschen im Grunde genommen zu Tode gehungert werden.“
       
       ## Ukrainisches Militär wirft Lebensmittel mit Drohnen ab
       
       Chris Knickerbocker vom gemeinnützigen Verein Bravery e. V., der
       Evakuierungsteams in Cherson mit gepanzerten Fahrzeugen und
       Schutzausrüstung ausstattet, berichtet: „Bis zum Sommer konnten wir
       Einzelpersonen aus Oleschky noch evakuieren, aber seitdem werden die
       Menschen dort gefangengehalten.“ Nach eigenen Angaben hat Bravery zusammen
       mit Partnern vor Ort über 1.000 Menschen aus der Region evakuiert.
       
       In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat das ukrainische Militär insgesamt
       vier Tonnen Lebensmittel über Oleschky [4][abgeworfen] – mithilfe von
       Fracht- und Aufklärungsdrohnen. „Das ukrainische Militär nutzt Drohnen, die
       für militärische Zwecke gedacht sind, für humanitäre Missionen – etwas, was
       eigentlich die UN und andere Organisationen machen müssten“, sagt
       Knickerbocker.
       
       Doch die Unterstützung durch das ukrainische Militär reiche nicht aus,
       meint Vladyslava Vorobiova, Vorstandsmitglied von Vitsche und
       Mitorganisatorin der Demo. Auch andere Organisationen, die sich für
       Menschenrechte starkmachen, müssten sich für Oleschky einsetzen, so
       Vorobiova. Die Menschlichkeit stehe gerade auf dem Prüfstand.
       
       29 Sep 2026
       
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