# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Viel Kritik, wenig Konkretes
> Die EU wirft Russland mangelnden Friedenswillen vor. Beim Treffen der
> Verteidigungsminister bleiben konkrete Beschlüsse jedoch aus.
(IMG) Bild: Nichts Neues in Brüssel: EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas beim Treffen der Verteidigungsminister
Die EU hat Russland mangelnde Bereitschaft zu ernsthaften
Friedensverhandlungen vorgeworfen. Die Ukraine müsse daher weiter mit
Waffen ausgerüstet werden, sagte die Außenbeauftragte Kaja Kallas nach
einem Treffen der EU-Verteidigungsminister am Montag in Brüssel. Dafür
werde die EU erneut mehr Geld bereitstellen, kündigte sie an.
Allerdings machten die Minister keine festen Zusagen für die Lieferung von
zusätzlichen Patriot-Abwehrsystemen an die Ukraine. Es fand sich auch keine
Mehrheit für einen neuen Krisenmechanismus, wie ihn
EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagen hatte, um auf
hybride Bedrohungen zu reagieren.
Kallas versuchte dennoch, das Treffen in Brüssel als Erfolg zu verkaufen.
Sie sehe sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass Russland keinen Frieden
wolle, erklärte sie. Dies habe das Treffen zwischen Bundesaußenminister
Johan Wadephul (CDU) und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am
Wochenende in New York gezeigt.
Wadephul und Lawrow waren nach der überraschenden Begegnung unversöhnlich
auseinander gegangen und hatten sich hinterher gegenseitig mit Vorwürfen
überzogen. Es gebe viele Länder außerhalb Europas, die die Ansicht
verträten: „Sprecht mit den Russen und dann wird es ein Ergebnis geben“,
kommentierte Kallas das Geschehen.
## „Russland nicht an Frieden interessiert“
Die Gespräche in New York hätten jedoch gezeigt, „dass Russland wirklich
überhaupt nicht an Frieden interessiert ist“, betonte Kallas. Kallas wehrte
damit auch Kritik an ihrer eigenen Arbeit ab. Eigentlich sollte sie als
Chefdiplomatin der EU selbst die Initiative ergreifen.
Dass stattdessen Wadephul das Gespräch mit Russland suchte, erklärte Kallas
mit dem Hinweis, dass Deutschland auch am meisten Hilfe für die Ukraine
leiste. Eigene diplomatische Initiativen kündigte die Außenbeauftragte, die
in der Russlandpolitik als Hardlinerin gilt, indes nicht an.
Auch von den Verteidigungsministern gab es keine neuen Anstöße. Es habe
„leider keine neuen Zusagen“ für weitere Luftabwehrraketen für die Ukraine
gegeben, sagte Kallas. Mit Blick auf die EU-Marinemission im Roten Meer
hätten zwei Länder angedeutet, dass sie weitere Schiffe bereitstellen
könnten. Feste Zusagen gab es aber nicht.
Ohne greifbares Ergebnis verlief auch die Debatte über einen möglichen
neuartigen Krisenmechanismus, mit dem die EU auf hybride Angriffe Russlands
reagieren könnte. Viele Verteidigungsminister hätten betont, dass eine
solche Regelung „unbedingt in Ergänzung zur Nato geschehen“ müsse, sagte
Kallas nach dem Treffen in Brüssel.
Für ein Sicherheitsprotokoll nach Vorbild von Artikel 4 des Nato-Vertrags
hatte sich von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der EU vor zwei Wochen in
Straßburg ausgesprochen. Er könnte bei „hybriden Attacken“ wie dem
Drohnenvorfall auf dem Flughafen Leipzig zur Anwendung kommen, heißt es in
Brüssel.
Allerdings hatte es die deutsche Bundesregierung nach Leipzig nicht für
nötig gehalten, eine Nato-Krisensitzung einzuberufen. Auch EU-Gremien
wurden nicht eingeschaltet. Daher ist unklar, welchen Mehrwert ein neuer
Krisenmechanismus bringen könnte. Viele EU-Staaten fürchten, dass damit
unnötige Konkurrenz zur Nato geschaffen würde.
Kallas sagte, es gehe um ein Protokoll für Angriffe „unterhalb der Schwelle
einer bewaffneten Aggression“. Zuletzt hatte der dänische
Militärgeheimdienst gewarnt, dass sich solche Angriffe aus Russland häufen
könnten. Allerdings mangelt es meist an Beweisen. Auch deshalb haben die EU
und die Nato bisher keine Parade gefunden.
28 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
## TAGS
(DIR) Europäische Union
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Kaja Kallas
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