# taz.de -- Etat der Hamburger Hochschulen schrumpft: Aufstand gegen das Spardiktat
       
       > Hamburgs Wissenschaftsbehörde verteidigt ihre Sparvorgaben für die Unis.
       > Die besonders betroffene Hafencity-Universität droht nun mit einer Klage.
       
 (IMG) Bild: Sieht keinen finanziellen Spielraum: Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne)
       
       Die Sparvorgaben der Hamburger Wissenschaftsbehörde an die
       Hafencity-Universität (HCU) sorgen für wachsenden Protest: Nach der
       Ankündigung im August, der auf Baukunst und Metropolenentwicklung
       spezialisierten HCU [1][das Budget einmalig im kommenden Jahr von zuvor
       rund 26 Millionen Euro um 12 Millionen Euro zu kürzen,] war die nächste
       Eskalationsstufe am Montag erreicht: Die Regierungsfraktionen von SPD und
       Grünen wollten im Wissenschaftsausschuss verhindern, dass auch
       Hochschulbeschäftigte bei einer Anhörung zu den Sparmaßnahmen an den
       Hochschulen sprechen dürfen.
       
       „Es ist unfassbar, wie SPD und Grüne versuchen, die Beschäftigten
       einzuschüchtern und sie zum Schweigen zu bringen“, kritisierte Xenija
       Melnik, wissenschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion.
       
       Letztlich durften Studierende und Professor:innen mehrerer Hamburger
       Hochschulen dann doch von den Folgen berichten, die sie durch die
       anstehenden Einsparungen befürchten. So haben bereits die Uni Hamburg und
       die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) bekanntgegeben,
       [2][vereinzelte Studiengänge schließen zu müssen.] An der HCU droht das nun
       auch, hinzu blieben hier nun freie Stellen vakant, Mitarbeiter:innen
       könnten nicht weiterbeschäftigt werden, nötige Räume zum Studieren und
       Forschen nicht mehr gemietet werden.
       
       Die von der Grünen Maryam Blumenthal geleitete Wissenschaftsbehörde hält
       hingegen an den Sparmaßnahmen fest: Eine einmalige Reduzierung des Budgets
       für die HCU sei angemessen, weil die Uni in den vergangenen Jahren massive
       Rücklagen gebildet habe. Die sollten erst mal aufgebraucht werden, heißt es
       aus der Behörde.
       
       ## Offener Brief der HCU-Professor:innen
       
       Tatsächlich stehen für den Wissenschaftsbereich im [3][kürzlich vorgelegten
       Doppelhaushalt der Stadt] keine Kürzungen an – steigende Ausgaben
       allerdings, etwa wegen gestiegener Löhne, werden nicht mehr ausnahmslos
       berücksichtigt. Erstmals seit mehreren Jahren waren deshalb alle Hamburger
       Behörden dazu angehalten, an der Haushaltskonsolidierung mitzuwirken.
       
       „Wenn die finanziellen Spielräume enger werden, braucht es einen klaren
       Kurs der Priorisierung: Wir entscheiden mit Augenmaß, was wir schützen, wo
       wir Schwerpunkte setzen und wie wir gemeinsam neue Lösungen finden“, sagt
       Blumenthal. „Dafür habe ich mich bewusst gegen Kürzungen nach dem
       Rasenmäherprinzip entschieden.“
       
       Doch die Vorstellung, die HCU sitze auf einem Goldtopf aus Rücklagen, sei
       irrig, betonten mehrere Gremien der Uni schon vor Wochen. Die tatsächlich
       vorhandenen 37 Millionen Euro liegen ihnen zufolge nicht sinnlos herum,
       sondern seien zweckgebundene Rücklagen, die unter anderem für die Anmietung
       von Flächen geplant seien: Das Unigebäude in der Hafencity sei schlicht zu
       klein für die rund 2.400 Studierenden und rund 400 Mitarbeiter:innen.
       
       Am Wochenende bekräftigten 19 Professor:innen der HCU in einem offenen
       Brief ihre Sorge, dass die Kürzungen „die Zukunftsfähigkeit und Qualität
       der Institution sowie ihre hohe Bedeutung für Hamburg unmittelbar
       bedrohen“. Dass etwa Geld für die Anmietung von zusätzlichen Flächen in den
       kommenden Jahren zurückgehalten wurde, sei schließlich einer Vorgabe der
       Wissenschaftsbehörde geschuldet. Und stecke man das nun in den kommenden
       Jahreshaushalt, würde automatisch ab dem Folgejahr in der Finanzierung eine
       große Lücke klaffen – oder das Mieten der benötigten Flächen müsse beendet
       werden. Auch sei bereits jetzt klar, dass ein Stellenabbau von rund 20
       Prozent drohe.
       
       ## Uni-Präsident droht mit Klage
       
       Die Professor:innen fordern die Behörde deshalb auf, „die geplante
       Kürzung des HCU-Globalhaushalts im Jahr 2028 vorübergehend um mindestens
       die Hälfte zurückzunehmen“. Andernfalls drohten „irreversible Schäden“
       nicht nur für die HCU, sondern für den gesamten Wissenschaftsstandort
       Hamburg.
       
       Einen Schritt weiter geht nun auch der Präsident der HCU, Jörg
       Müller-Lietzkow. Die Uni habe bereits „viele Kompromisse vorgeschlagen“,
       doch seitens der Behörde gebe es kein Entgegenkommen. Sollte sich das nicht
       ändern, steht wohl die nächste Eskalationsstufe bevor: Die HCU werde dann
       gegen die Sparvorgabe der Behörde klagen.
       
       „Wir werden uns mit unseren Anwälten beraten und gegebenenfalls den
       Rechtsweg beschreiten“, erklärte Müller-Lietzkow der Welt. Schließlich
       hinterfragt die Uni nicht nur die Rechtmäßigkeit der angekündigten Kürzung
       – so habe sie bereits seit 2024 nur Teile der eigentlich vereinbarten
       Finanzierung erhalten.
       
       29 Sep 2026
       
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