# taz.de -- Spardruck an Hamburgs Uni-Bibliothek: Neue Bücher gibt's nicht mehr
       
       > Die Staats- und Universitätsbibliothek muss sparen: Neue Literatur soll
       > kaum noch erworben werden. Für Studierende werden die Lernbedingungen
       > schlechter.
       
 (IMG) Bild: Hier wird das Geld verbrannt, das für Bücher fehlt: Flickschusterei auf dem Dach der Staats- und Universitätsbibliothek
       
       Die Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek (Stabi) sieht sich
       angesichts klammer Kassen zur nächsten drastischen Maßnahme gezwungen: Weil
       sie mit immer weiter steigenden Kosten zu kämpfen habe, wird sie nun noch
       reduzierter neu erscheinende Literatur erwerben. Diese „erheblichen
       Einschränkungen“ kündigte Stabi-Direktor Robert Zepf an. Erst Ende
       vergangenen Jahres war schon eine Reduzierung digital zugänglicher
       Literatur beschlossen worden, nun betrifft es auch gedruckte Werke.
       
       Während Hamburgs größter und ältester Bibliothek 2023 noch 3,7 Millionen
       Euro für den Erwerb von Literatur durch die Wissenschaftsbehörde
       zugestanden wurden, hat sich die Summe mittlerweile auf rund die Hälfte
       reduziert. Nötig sei das geworden, weil die Bibliothek auf dem Campus der
       Uni Hamburg baulich in einem miserablen Zustand ist, so Zepf: Klagen über
       Mülleimer, die durchs marode Dach eindringenden Regen auffangen, gibt es
       schon seit Jahren.
       
       Dazu steht auch der angegliederte „Bücherturm“, ein 17-stöckiges Gebäude
       zur Lagerung Hunderttausender Bücher, vor dem Abriss: Baumängel und
       veraltete Brandschutz-Ausstattung machen dies nötig. Während bereits über
       eine Generalsanierung oder einen kompletten Neubau der Stabi samt
       zwischenzeitlichem Umzug nachgedacht wird, wurden allein für
       Sofortmaßnahmen ab 2024 20 Millionen Euro zur Wartung und Instandhaltung
       bereitgestellt – die nun anderswo fehlen: „Dies hat auch erhebliche
       Auswirkungen auf die Erfüllung unseres Kernauftrags, aktuelle Literatur für
       Wissenschaft und Öffentlichkeit in Hamburg zu beschaffen“, sagt Zepf.
       
       Schon im vergangenen Jahr hat die Stabi E-Books, E-Journals und Datenbanken
       abbestellt, etwa aus dem wirtschaftswissenschaftlichen oder psychologischen
       Bereich. Nun kommen auch noch E-Books und gedruckte Bücher aus diversen
       Fachbereichen hinzu. Zugleich sind auch andere Bereiche der Stabi, etwa die
       Veranstaltungsabteilung, zum Sparen aufgerufen. Das sei bedauerlich, sagt
       Zepf. „Wir führen intensive Gespräche und arbeiten auf allen Ebenen daran,
       um für die Bibliothek Rahmenbedingungen zu erreichen, die wieder eine
       umfassendere Literaturbeschaffung ermöglichen.“
       
       ## Stabi ruft zu Spenden auf
       
       Bis es so weit ist, ruft die Stabi die Hamburger Bürger:innen zu
       (Bücher-)Spenden auf: „Die Stabi ist seit 1479 die wissenschaftliche
       Bibliothek der Stadt Hamburg – ihre Sammlungen sind über die Jahrhunderte
       nicht nur durch staatliche Gelder, sondern auch durch privates Engagement
       gewachsen“, sagt Zepf.
       
       Besonders für die rund 40.000 Studierenden der Uni Hamburg ist das eine
       schlechte Nachricht, denn durch den limitierten Einkauf wissenschaftlicher
       Literatur verringert sich die Lernqualität auf dem Campus weiter. Schon
       länger gibt es auch Klagen darüber, dass es in der Stabi zu wenige
       Lernplätze gibt. Und Ende vergangenen Jahres hatte der allgemeine
       Studierendenausschuss (Asta) [1][vom Studium an der Uni Hamburg abgeraten.]
       
       Die Unterfinanzierung sei dermaßen groß, dass mit massiven Kürzungen
       gerechnet wird. Zu spüren bekommen haben das die Studierenden etwa schon
       dadurch, dass die Öffnungszeiten in den kleineren Fakultätsbibliotheken auf
       dem Campus teils massiv reduziert wurden. Auch wenn Uni-Präsident Hauke
       Heekeren den Rat des Asta zurückweist, hat er sich zuvor selbst bei der
       grün geführten Wissenschaftsbehörde über die mangelnde Finanzierung
       beschwert.
       
       Aktuell sieht es so aus, dass die Uni, die wegen ihrer Forschung erst im
       Frühjahr wieder als „Exzellenz-Universität“ ausgezeichnet wurde, in den
       kommenden Jahren rund zehn Prozent ihrer bisherigen Ausgaben einsparen
       muss. Studiengängen droht die Schließung, Lehrangebote sollen verschlankt
       werden. Rund 7.000 Beschäftigte und Studierende der Universität Hamburg
       hatten Anfang des Monats [2][gegen die prekäre Lage ihrer Hochschule
       demonstriert].
       
       Doch der in der vergangenen Woche von SPD und Grünen vorgestellte
       Doppelhaushalt für die Jahre 2027 und 2028 macht wenig Hoffnung auf
       Besserung: Zwar wächst der Etat für Forschung und Wissenschaft von 1,69
       Milliarden Euro 2026 auf 1,74 Milliarden pro Jahr, doch um das zu
       finanzieren, soll [3][etwa der Semesterbeitrag für Studierende um 16
       Prozent steigen.]
       
       1 Jul 2026
       
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