# taz.de -- Sparen an der Bildung: Uni Hamburg baut Studienplätze ab
       
       > 675 Studienplätze baut die Uni Hamburg ab, weil das Budget nicht reicht.
       > Dabei steigt die Abiturientenzahl. Im Herbst sind Proteste geplant.
       
 (IMG) Bild: Studierende protestierten schon im Sommer gegen Kürzungen, nun gehen der Proteste weiter – und auch die Kürzungen
       
       Hamburgs Grüne Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal hatte es im
       Frühjahr schon mal angeregt: Wenn die [1][Universität Hamburg] mit ihrem
       Geld nicht hinkomme, möge sie doch Studienplätze abbauen. Danach sprach
       keiner mehr über diese unpopuläre Idee. Der taz liegt nun aber die neuste
       [2][Ziel- und Leistungsvereinbarung] (ZLV) zwischen Stadt und Uni vor. Der
       zufolge sinkt die Zahl der Studienanfängerplätze tatsächlich deutlich, von
       derzeit 9.485 auf 8.810 im Jahr 2028.
       
       Stellt man diese Zahl den 2025 zuletzt real vorhandenen 9.823
       Studienanfängern gegenüber, sinkt die Zahl der Plätze, die die kürzlich
       erst wieder als „Exzellenzuniversität“ ausgezeichnete Einrichtung zur
       Verfügung stellt, gar um über 1.000. Das 14-seitige Dokument mit den
       brisanten „Kennzahlen“ wurde am 11. August von Maryam Blumenthal und
       Uni-Präsident Hauke Heekeren unterzeichnet und ist noch nicht
       veröffentlicht.
       
       Heekeren selber hatte vor einem Jahr in einem Brandbrief [3][vor den
       Engpässen] gewarnt. Im Text heißt es nun, dass die Uni Hamburg in den
       kommenden Jahren vor „finanziellen Herausforderungen“ stehe. Sie bekommt
       für 2027 rund 365 Millionen Euro einschließlich einer Sonderzuweisung im
       Baubereich, im Jahr 2028 erhält sie rund 360 Millionen Euro, ohne jene
       Bauzuweisung. So oder so werde die Entwicklung der Finanzierung nicht an
       die „wachsenden Aufgaben und notwendigen Investitionen angepasst“,
       schreiben die beiden. Die Uni begegne dem mit „Offenheit und
       Gestaltungswillen“. So werde ein Strukturprozess initiiert, um eine
       „resiliente, moderne und effizient organisierte Universität“ zu gestalten.
       
       Bei den Kennzahlen wird unterschieden zwischen Plätzen für Studienanfänger
       und Masterstudierende. Bei den Bachelor- und Examensstudiengängen soll es
       bis 2028 556 Plätze weniger geben, hier findet ein Abbau von 8,5 Prozent
       statt. Bei den Masterstudiengängen sind es 119 weniger, ein Minus von 4,1
       Prozent. Da es künftig weniger Bachelor-Absolventen geben wird, ist ab 2031
       mit weiterem Abbau der Masterplätze zu rechnen.
       
       ## Verteilung auf die Fakultäten noch unklar
       
       Ziel- und Leistungsvereinbarungen gibt es alle zwei Jahre. Anders als die
       letzte [4][für die Jahre 2025 und 2026] enthält diese neue ZLV noch keine
       Vereinbarung, die festlegt, wie sich die Kapazität auf die sieben
       Fakultäten Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, Betriebswirtschaft,
       Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft,
       Geisteswissenschaft sowie Mathematik, Informatik und Naturwissenschaft
       verteilt. Auf das Dokument verzichte man, da sich der laufende
       Strukturprozess auch auf die Anfängerzahlen auswirken könne, schreiben
       Blumenthal und Heekeren. Dieses werde man „nachlaufend abschließen“.
       
       Heekerens Sprecher Alexander Lemonakis bestätigt, dass es zu einer
       Verringerung der Anfängerplätze kommt. Das Ziel sei, diese an der
       verfügbaren Lehrkapazität auszurichten und damit „Qualität und
       Studierbarkeit zu sichern“. Der Sprecher betont, die Uni-Hamburg bleibe
       auch künftig die „größte Hochschule der Stadt“.
       
       Es gehe darum, allen Studierenden ein „qualitativ herausragendes Studium“
       zu ermöglichen, sagt Blumenthals Sprecherin Helen Hahne. Dafür würden mit
       allen Hochschulen Ziel- und Leistungsvereinbarungen getroffen. [5][Auch die
       Hafencity-Uni] baue bis 2028 60 Studienplätze ab und die Hochschule für
       Angewandte Wissenschaft (HAW) 220.
       
       Bildungspolitisch naheliegend ist dieser Abbau nicht. Denn die
       [6][Kultusministerkonferenz] (KMK) erwartetet stabil bleibende
       Studierendenzahlen. Und die KMK-Prognose für Abiturienten sagt für Hamburg
       sogar einen deutlichen Anstieg voraus, von 9.400 im Jahr 2026 auf 10.100 in
       den Jahren 2027 bis 2029. Trifft dies ein, müsste es mehr und nicht weniger
       Plätze geben.
       
       Die Linke-Abgeordnete Xenija Melnik-Üzüm sagt: „Nun kommt ans Licht, was
       die Senatorin bereits im März der Uni Hamburg in einem Interview als nett
       gemeinten ‚Rat‘ ausgerichtet hat: der Abbau von Studienplätzen.“ Sie sei
       jedoch irritiert, dass sich die Zahlen nicht mit dem Haushaltsplan der
       Stadt decken, die die Abgeordneten vor einer Woche im
       Wissenschaftsausschuss behandelten. „Senatorin Blumenthal muss sich
       gerademachen und transparent erklären, was sie mit der Uni vorhat“, sagt
       Melnik-Üzüm.
       
       ## Droht ein weiterer Verlust von Studienplätzen?
       
       Nach ihrer Einschätzung erweise so ein Studienplatzabbau dem
       Wissenschaftsstandort Hamburg einen Bärendienst. Da besagte Vereinbarung
       über die Verteilung der Kürzungen auf die Fakultäten in der ZLV noch fehlt,
       befürchtet die Linken-Politikerin gar, dass im Rahmen jenes
       Strukturprozesses das letzte Wort nicht gesprochen ist und ein weiterer
       Wegfall von Studienplätzen droht. „Der prekären Lage, in der die Uni sich
       befindet, wird das allerdings nicht helfen. Hier müssen schlicht die
       entsprechenden Mittel bereitgestellt werden.“
       
       „Wir finden, Studienplatzabbau ist ein falsches Signal der Stadt. Das
       verletzt das Recht auf Bildung und muss dringend korrigiert werden“, sagt
       auch Franziska Hildebrandt von der AG Ausfinanzierung, in der Studierende
       und Lehrende sich seit dem Frühjahr für eine auskömmliche Finanzierung der
       Hochschulen einsetzen. Als der Haushalt vor einer Woche Thema im
       Wissenschaftsausschuss war, hätte Heekeren geäußert, dass ein
       Studienplatzabbau gesellschaftlich problematisch sei. Auch die Präsidenten
       der übrigen Hochschulen hätten ihren Unmut über die Lage kundgetan.
       
       Die [7][AG Ausfinanzierung] gibt die Hoffnung noch nicht auf. Für Ende
       November sei eine Großdemonstration geplant, sagt Hildebrandt, gegen die
       Kürzungen und für eine Ausfinanzierung aller Hochschulen der Stadt. Das ist
       kurz bevor der Haushalt verabschiedet wird.
       
       9 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Internes-Dokument-der-Uni-Hamburg/!6166422
 (DIR) [2] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bwfg/unsere-themen/hochschulen-und-studium/hochschullandschaft-hamburg/ziel-und-leistungsvereinbarungen-196322
 (DIR) [3] /Hochschulpolitik-in-Hamburg/!6137395
 (DIR) [4] https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/980688/fc50a57c37852cb3c1705247a8403fc0/zlv-uhh-2025-2026-data.pdf
 (DIR) [5] /Kuerzungen-an-Hamburger-Hochschulen/!6208794
 (DIR) [6] https://www.kmk.org/downloads-dokumente/statistik/hochschulstatistik/vorausberechnung-der-studienanfaenger-und-studierendenzahlen-2024-bis-2035.html
 (DIR) [7] https://ag-ausfinanzierung.blogs.uni-hamburg.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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