# taz.de -- Kürzungen an Hamburger Hochschulen: Hafencity-Uni schifft ab
> Der Hafencity-Universität soll das Budget einmalig halbiert werden. Das
> sorgt für massive Kritik an der grün-geführten Wissenschaftsbehörde.
(IMG) Bild: Spitz gerechnet: Gebäude der Hafencity-Universität in Hamburg
Der Studiengang „Technische Gebäudeausrüstung mit Digitaler Infrastruktur“
mag auf den ersten Blick etwas sperrig klingen, doch in Zeiten der
Klimakrise scheint er umso wichtiger: Wer ihn an der Hamburger
Hafencity-Universität (HCU) studiert, werde „gezielt auf die
Herausforderungen der Energiewende und der digitalen Transformation im Bau-
und Gebäudesektor“ vorbereitet, sodass mehr und mehr Gebäude künftig
klimafreundlich betrieben werden können. So steht es [1][in der
Studiengangsbeschreibung auf der Homepage der HCU.] Noch.
Nicht nur dieser Studiengang steht nun vor dem Aus. Der vom rot-grünen
Hamburger Senat geplante Doppelhaushalt für die Jahre 2027 und 2028 sieht
vor, dass die auf Bauen und Stadtentwicklung spezialisierte Universität im
übernächsten Jahr nahezu mit einer Halbierung des Etats zurechtkommen soll.
In einem Brandbrief listen der Akademische Senat, der Hochschulrat und der
Personalrat der Universität weitere Folgen des Sparzwangs auf: 20 Prozent
der Stellen müssten abgebaut werden, anstehende sowie laufende
Berufungsverfahren würden sofort vollumfänglich abgebrochen. „Die HCU ist
nach den Kürzungen keine hochattraktive und somit nachgefragte Universität
mehr“, fassen die drei Gremien zusammen.
Der Brandbrief ist an die Mitglieder des Wissenschaftsausschusses der
Bürgerschaft gerichtet. Dort wird derzeit noch über die detaillierte
Haushaltsplanung der zuständigen Wissenschaftsbehörde unter der Grünen
Maryam Blumenthal beraten.
## Uni fürchtet „hohen Reputationsschaden“
Angesichts der Kürzungspläne ist das Unverständnis bei der Opposition groß:
„Ohne Sinn und Verstand“ wolle die Behörde eine pauschale Kürzung
vornehmen, kritisiert Anna von Treuenfels-Frowein (CDU). Auch aus Sicht der
Linksfraktion sieht die Lage an der HCU wegen der geplanten Kürzungen nun
„ziemlich schlimm“ aus, sagt die stellvertretende Fraktionschefin Xenija
Melnik-Üzüm. Auch sie hält die Kürzungen für „kurzsichtig“.
Aus Sicht der Wissenschaftsbehörde ist die Aufregung übertrieben. So werde
das sogenannte Globalbudget nur einmalig von zuvor rund 26 Millionen Euro
um 12 Millionen gesenkt. „Diese Reduzierung kann durch den Abbau der
außergewöhnlich hohen Rücklagen der HCU in Höhe von circa 37 Millionen Euro
kompensiert werden“, sagt Sprecherin Helen Hahne. „In der mittelfristigen
Finanzplanung gilt dann ab 2029 wieder der reguläre Finanzierungsrahmen.“
Doch überzeugt das Argument, mit der Kürzung sorge die Behörde lediglich
dafür, die riesige Rücklage auf ein Normalmaß zurückzustutzen, bei der
Universität nicht. So liege das Geld schließlich nicht sinnlos herum,
sondern es seien zweckgebundene Rücklagen, die unter anderem für die
Anmietung von Flächen geplant seien. Das Unigebäude in der Hafencity sei
schlicht zu klein für die rund 2.400 Studierenden und rund 400
Mitarbeiter:innen.
Auch sei damit schon klar, dass ab 2029 ein unvermeidbares strukturelles
Defizit entstünde. Darauf müsse schon früh mit Kürzungen, vor allem bei den
Personalausgaben, reagiert werden.
Konkret bedeute das „einen Verlust von 65 hochqualifizierten Mitarbeitenden
des Wissenschafts- und Verwaltungspersonals“. Dadurch ergebe sich, so
schreiben die Gremien in ihrem Brandbrief, ein „mittel- und langfristig
hoher Reputationsschaden“. Die HCU werde dadurch unattraktiv für
Studierende und Wissenschaftler:innen gleichermaßen.
Auch an den anderen Hamburger Hochschulen ist die Stimmung seit [2][der
Vorstellung des kommenden Doppelhaushalts im Juni] mies: Zwar soll das
Budget für die Wissenschaftsbehörde in den kommenden Jahren minimal
wachsen, bei den Hochschulen wird aber zum Teil gekürzt.
Die Landeshochschulkonferenz warnt deshalb schon davor, dass die
Leistungsfähigkeit der Hochschulen gefährdet sei. „Bei einzelnen
Hochschulen gefährden die Auswirkungen bereits jetzt die Aufrechterhaltung
von Studienangeboten und die Umsetzung geplanter Entwicklungen“, mahnt sie.
So gaben erst vergangene Woche die Uni Hamburg und die Hochschule für
Angewandte Wissenschaften (HAW) bekannt, dass es den Masterstudiengang
Pflege- und Therapiewissenschaften nun doch nicht geben wird. 32
Bewerber:innen wollten ab Oktober studieren. Die Hochschulen haben
ihnen kurzfristig wegen Geldmangels abgesagt. Und die Staats- und
Universitätsbibliothek am Campus der Uni Hamburg kündigte im Juli an,
[3][kaum noch Geld für den Erwerb wissenschaftlicher Literatur ausgeben zu
können.]
„Die Wissenschaftsbehörde hat vor Kurzem noch freudig die [4][Exzellenz der
Hamburger Hochschulen] betont, aber im Konkreten zeigt sich, dass hier
nichts exzellent ist“, resümiert die Linkenpolitikerin Melnik-Üzüm.
31 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.hcu-hamburg.de/bachelor/tga-mit-di
(DIR) [2] /Rot-gruene-Haushaltsplaene/!6190131
(DIR) [3] /Spardruck-an-Hamburgs-Uni-Bibliothek/!6191945
(DIR) [4] /Demo-gegen-Kuerzungen/!6186241
## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
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