# taz.de -- Buch über klimagerechte Hauptstadt: Wie Berlin (noch) cooler wird
       
       > Der Zukunftsforscher Stephan Rammler entwirft für 2035 das Bild einer
       > klimagerechten Hauptstadt.
       
 (IMG) Bild: Berlin, aber cooler
       
       Der Zukunftsforscher Stephan Rammler hat im Auftrag der
       Friedrich-Ebert-Stiftung ein anregendes Buch verfasst, wie Berlin im
       Zeichen der Klimaerhitzung im Jahr 2035 aussehen könnte. Das Spannende
       daran: Es ist in seinen Ideen auch auf andere Großstädte übertragbar. Zwar
       sind Metropolen wie Paris, Kopenhagen oder Barcelona beim Klimaschutz schon
       viel weiter als Berlin. Aber die Hauptstadt – und jede andere Kommune –
       hätte unter einer progressiven Regierung viele Möglichkeiten, wenn sie den
       Schwerpunkt auf Klimagerechtigkeit und Beteiligung ihrer Bewohnerschaft
       legt.
       
       Kernelement der Studie war eine Bürgerwerkstatt, in der Akteure aus
       Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung im Oktober 2025 zusammenkamen.
       Ihre Ideen hat der Autor aufgenommen, um Zukunftsszenarien für verschiedene
       Kieze zu zeichnen. Zentral dabei: [1][Klimagerechtigkeit]. Berlin muss also
       zuerst dort grün werden, wo die Menschen am stärksten unter Hitze leiden.
       Etwa in stark verdichteten Gebieten wie Friedrichshain-Kreuzberg, das bis
       zu 68 Prozent versiegelt ist. Der Sozialwissenschaftler setzt prioritär auf
       Ausweitung der „grün-blauen Infrastruktur“: Bäume, Wasser, Entsiegelung.
       Einen Anfang dafür bildet das „Bäume-Plus-Gesetz“, das im November 2025 auf
       Druck einer Bürgerinitiative verabschiedet wurde. Es sieht unter anderem
       vor, dass Berlin in Zukunft rund eine Million Bäume pflanzt.
       
       Mit dreifachem Nutzen, den Rammler konkret beschreibt: Mehr Straßenbäume,
       Parks und Alleen, mehr Wasserrückhalt, mehr Begrünung auch auf Dächern,
       Fassaden, Schulhöfen, Sportstätten, Krankenhäusern und Pflegeheimen kühlen,
       schützen die bedrohte Wasserversorgung und heben die städtische
       Lebensqualität. Motto des Autors: „Grün ist Schutz, nicht Schmuck“. Diese
       [2][Klimastrategie] trägt zur kommunalen Daseinsvorsorge bei und kostet
       zudem weniger als viele andere.
       
       Der Zukunftsforscher entwirft konkret, was das für Orte wie das Märkische
       Viertel, den Alexanderplatz, das ICC oder den Flughafen Tegel bedeutet.
       Oder für die Schulhöfe, Stadtwälder und Friedhöfe. Beispiel Märkisches
       Viertel: Im Jahr 2035 verfügt es laut seiner Vision über ein verzweigtes
       Netz aus Grünachsen, Tiny Forests und kleinen Biotopen. Regenwasser wird
       gesammelt und gespeichert. Die Hochhausfassaden werden zu lebendigen
       Flächen mit hängenden Gärten, Rankpflanzen und modularen Pflanzsystemen.
       Die Bewohnerschaft kann sich über Werkstätten und offene
       Beteiligungsverfahren engagieren, sodass ein Netzwerk von Menschen
       dauerhaft Verantwortung übernimmt.
       
       Zukunftsmusik? Klar. Aber auch machbar, sofern Stadt- und
       Bezirksverwaltungen mitziehen. Insofern ist diese inspirierende Studie zum
       richtigen Zeitpunkt erschienen: als möglicher Werkzeugkasten für einen
       klima-ambitionierten neuen Berliner Senat.
       
       9 Oct 2026
       
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