# taz.de -- Die Wahrheit: Im Dreck ist der Karren, im Karren ist Dreck
> Mit der Machete unterwegs im Metapherndschungel: Ein Statement zum Zahn
> der nagenden Zeit, die alle Finger in den Wunden heilt.
Da ist der Karren jetzt schon wieder in den Dreck gefahren worden. Wer das
am Ende gewesen ist, also das mit dem Karren und dem Dreck, weiß man nicht
genau: War es der oberste Deutsche, waren es die Linken, die Rechten, war
es jemand aus Berlin, oder wo fand das überhaupt statt mit dem Karren, und
der Dreck, wie ist der jetzt genau beschaffen, ist das nur Schlamm, also
nasse Erde, oder ist da noch Müll mit bei, wie man am Niederrhein sagt?
Ist der Dreck am Ende sogar die Kacke, die am Dampfen ist, die Scheiße, in
die die Chose hineingeritten wurde, oder ist der Dreck flüssig wie Kakao,
durch den man den Karren ja auch ziehen könnte dann. Und den Karren, den
muss man sich auch mal genauer anschauen, wer ist denn überhaupt heutzutage
noch mit einem Karren unterwegs, Reifen aus Holz, wir bitten euch, so etwas
macht höchstens noch die FDP, die haben oder hatten doch so was in Gelb,
oder ist das am Ende wieder nur so eine Redewendung und gemeint ist ein
E-Roller zum Digital-Ausleihen, der im Straßengraben oder in der Spree
gelandet ist, weil man ihn nicht mehr braucht am Ende der Leihe?
Vermutlich ist der Karren am Ende des Tages eine Metapher, die für
Deutschland oder die Gesellschaft oder das Klima oder so steht. Das Klima
wurde in den Dreck gefahren! So sieht es wohl aus: Muren überall, von Ruhr-
zu Murgebiet, von Mauren gesteuerte Muren, o mein Gott! Das ist ja ein
adipöser Hund. Da wurde die Klimawende wohl reichlich an die Wand gefahren!
O nein, auch das noch, an welche Wand denn genau? Und womit, mit dem
Karren? Ist der also gar nicht im Dreck, sondern an der Wand? Oder von der
Wand abgeprallt und dann im Dreck gelandet? Triggerentwarnung: Nein, ums
Klima geht es diesmal ausnahmsweise nicht.
Es geht um die Wahlen neulich, die in Teilen unseres Landes abgehalten
wurden und seitdem die Schlagzeilen beherrschen, besonders die schmutzigen.
Da hat zum Beispiel die Demokratie den Karren in den Dreck oder auch
einfach der Vorsitzende der Demokratie, also der amtierende Bundeskanzler,
den Karren namens Demokratie oder vielleicht auch nicht den ganzen Karren,
sondern nur einen bestimmten Karren.
## Umzugswagen der CDU
Das muss man sich dann so vorstellen wie beim Karneval ein Umzugswagen, wo
CDU draufsteht, und der wurde jetzt samt Inneneinrichtung, hahaha, in den
Dreck gefahren oder genauer in die Ostsee. Und auf diesem gesunkenen
Karnevalswagen sitzt jetzt der junge Narr Philipp Amthor als
außerparlamentarischer Oppositioneller mit Zweitberuf Kanzleramtsminister
und darf das Wrack heben oder die Karre aus der Scheiße reiten oder die Kuh
vom Eis holen.
Oder wer kann das machen? Den Dreck aus dem Kakao ziehen?
Bundesaußenminister Wadephul böte sich an. Der ist gerade in New York und
vertritt dort den oben bereits namentlich nicht erwähnten Bundeskanzler,
weil der hier zu Hause ja ziemlich abschmiert. Und da sagt er, also der
Wadephul, jetzt, in nicht rechtzeitig weggezogene Mikros, dass Deutschland
stabil bleiben müsse. Stabil bleiben! Wie schon seine Partei von Berlin
(vergeblich) gefordert hat oder die Linkspartei behauptet: dass Berlin
nämlich stabil bleibt! Vielleicht braucht es das tatsächlich – einen
Stabilisator für die Scheiße, die in den Karren gefahren ist wie der Teufel
ins Detail.
Wenn aber der Wadephul keine Zeit hat wegen New York, dann vielleicht
dieser Hitler, der ja im Siegeszuge der Rechten wieder in aller Munde ist,
zum Beispiel in dieser Schlagzeile, die dem kostenlosen Wiener Blatt Heute
zu entnehmen war: „Hitlers steiniger Weg zum Baby“. Obwohl, freudscher
Verleser! Kann ja mal passieren. Gemeint ist hier Hiller, Gabi,
Moderatorin, Fernsehnase. Warum Wege zum Baby allerdings steinig sein
müssen – da stimmt doch was mit der Metapher nicht! –, weiß auch Gott
allein. Noch so ein adipöser Hund.
Aber zurück zum Karren. Hilft eine Zitatebank? „Wer den Karren in den Dreck
geschoben hat, soll ihn auch wieder herausziehen“, meint zum Beispiel der
Mann, der zum Lachen zu sich selbst finden musste, Gottfried Keller. Also,
wer soll den Karren aus dem Dreck ziehen?
Am Ende des Metapherntages wir alle. Könnte aber schwierig werden, wie ein
anderes Zitat zeigt: „Es gibt Mitarbeiter, die ziehen den Karren. Dann gibt
es Mitarbeiter, die laufen mit. Und dann gibt es noch Mitarbeiter, die auf
dem Karren sitzen oder ihn gar bremsen.“ An der Stelle sind wir raus, vor
den Karren lassen wir uns nicht mehr spannen.
28 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
## TAGS
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