# taz.de -- Die Wahrheit: Mein Leben als Netzwerker
> Nach dem Erreichen der Volljährigkeit wird es erst richtig schwierig,
> sich sinnvoll zu betätigen, geschweige denn, sich in sozialen Medien zu
> äußern.
Ich bin für ein Social-Media-Verbot ab 18. Jedenfalls aufseiten der
Produzierenden. Vielleicht ist so eine Alterseinschränkung generell keine
schlechte Idee, bei Tinder gibt es das ja auch. Kürzlich habe ich einer
jungen Frau auf Instagram dabei zugesehen, wie sie in ihrem Kleiderschrank
herumwühlte und dabei über die Möglichkeiten junger Journalistinnen
fachsimpelte, womit sie recht eigentlich sich selbst meinte. Nach einer
Weile fiel das Wort „Freizeitcodes“, nachdem sie auf für heutige junge
Erwachsene typisch verschlafene Art die Wörter „Kontakte“ und „Branche“ mit
einem langen, stimmlosen e beendet hatte.
Dann kam sie darauf, dass zumindest in der Hauptstadt und um diese herum
die Männer der Medienbranche sich „die richtigen Chancen zuschustern“,
indem sie am Abend nach Redaktionsschluss Fußball spielen. Das ist nicht
mal falsch, setzt man ein Tor vor die Chancen, denn die Medienliga
Berlin-Brandenburg gibt es, wie es auch andere Freizeitcode-Ligen
respektive Freizeitligen gibt. Mein Vater spielte lange in einer
„Thekenmannschaft“, und selbst die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat ein
Fußballteam, das in einer Betriebsliga spielt. Wer also in der Branche
etwas werden will, egal jetzt ob Müll oder Content, spielt einfach Fußball,
jedenfalls als Mann. Während Frauen zu Hause hart arbeiten, um ihre
Karriere voranzubringen.
Zugegeben, der Frauenanteil an den Spielenden in der Medienliga ist meist
gering. Aber es gab und gibt sie, die Frauen, nicht nur bei uns, dem taz
Panter FC. Man muss also keine Yoga-Liga gründen, um Networking unter
Frauen zu betreiben, das ist theoretisch sogar beim Fußball möglich.
Andererseits warne ich vor allzu großen Erwartungen: Spielerwechsel von
einer Zeitung zu einer besser bezahlenden hat es bislang nur sehr
vereinzelt gegeben, und das lief eher abseits des Spielfeldes ab.
## Karriere auf dem Platz stagniert
Meiner Karriere als Journalist hat das Treten und Rennen leider noch nicht
allzu viel genützt. Tatsächlich stagniert meine Karriere seit meinem
Spielerdebüt (1:6 gegen RTL) eher vor sich hin, da halfen auch
entscheidende Eigentore in letzter Minute nichts. Keine Ahnung, vielleicht
sollte ich stattdessen öfter mal meinen Kleiderschrank aufräumen.
Aber gut, Empörung ist das halbe Leben, und schaut man so in die Welt der
sozialen Medien, ob alt oder neu, scheinen Männer in der Tat eher böse zu
sein, während mir Frauen dortselbst eher inhaltsarm begegnen, zumindest,
was ihre Kleiderschränke betrifft. Ich muss dann immer hart daran arbeiten,
sie nicht zu „sexualisieren“, weil sie von selbst ja keine Objekte sind und
auch nicht sein sollen, nicht einmal grammatikalisch betrachtet. Aber all
das liegt am Ende auch nur an mir beziehungsweise daran, welches Geschlecht
mir sozial zugewiesen wurde. Es ist ein Elend.
Mittlerweile spiele ich vielleicht auch deswegen nicht mehr so gern
Fußball. Tischtennis ist der bessere Sport, der ist nämlich meist recht
geschlechtslos. Und auch nicht so ageistisch.
4 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
## TAGS
(DIR) Handy
(DIR) Arbeit
(DIR) Kolumne Die Wahrheit
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Handykonsum der älteren Generation: Bildschirmzeit der Boomer boomt
Das Doomscrolling 50- bis 70-Jähriger nimmt offenbar in beängstigendem Maße
zu. Ist also gar nicht die Gen Z das Problem?
(DIR) Die Wahrheit: Mein Leben als Arbeit
Tagein, tagaus einer Tätigkeit nachzugehen, ist per se nicht schlecht,
solange das Ackern nicht in wullacken ausartet.
(DIR) Die Wahrheit: Mein Leben als Handyverbot
Die Prohibition sozialer Medien ist ambivalent, auch für schöne
Influencerinnen, die Flachwitze erzählen und dabei unsicher in die Kamera
schauen.
(DIR) Die Wahrheit: Mein Leben als Raumthermostat
Wenn Nachbarn sich über Kinderlärm beschweren, haben sie vermutlich ihre
eigene Kindheit auf fingerdicken Teppichen in dreifachen Socken verbracht.