# taz.de -- Die Wahrheit: Mein Leben als Bezahlschrank
> Alles begann mit Adam und Eva, der Schlange und dem Apfel. Und dann wurde
> der Baum der Erkenntnis gefällt, Geld eingeführt und dieser Text
> verfasst.
Manchmal möchte man eine Kolumne einfach mit einem Zitat beginnen. Also,
hier ist es: „Hinter der Bezahlschranke, da fließen Milch und Honig, da ist
das verheißungsvolle Land.“ Das singt Maurice Summen, Kopf der Band Die
Türen, [1][in einem charmanten Popsong], der ganze 38 Sekunden lang ist. Er
schafft es ob seines Themas immer wieder zum Ohrwurm, jedenfalls bei mir.
Zum Beispiel, wenn ich was bei [2][Spiegel Online] lesen möchte, einstmals
und für lange eigentlich das Nachrichtenportal für mich. Schon in den
Urzeiten des Internets, als ich vor dem Blasen der, äh, nein, Platzen der
New-Economy-Blase, so rum, für eine in Köln stattfindende Messe den
Onlineauftritt mitbetreute, galt der erste Klick in Sachen Nachrichten
SpOn, wie man lange sagte.
So manch Kollegin und Kollege wechselten über die Jahre von hier nach da
und/oder schreiben gerne für den aus Hamburg kommenden Laden, also no
offense. Aber jetzt muss ich mich von der Seite verabschieden, obwohl
Abschied bekanntlich ein scharfes Schwert ist beziehungsweise bis ins
Endlose verschleppt werden kann, besonders, was das Netz betrifft, auf
Facebook bin ich trotz allem auch immer noch.
Aber es geht halt nicht mehr. Seitdem ich aus irgendeinem Grund keinen
Adblocker mehr benutze, sieht spiegel.de wie eine ins Netz gestellte
Werbebroschüre aus, wobei man sich ohnehin fragt, was die ganze Werbung
immer soll, denn niemand schaut sie, alle klicken sie weg oder blockieren
sie a priori. Und alle kaufen sowieso immer Krempel, und die Marken und die
Sachen ohne Marken sind eh immer da, so wie Fußballvereine.
## Tada, tada Bezahlschranke!
Aber das ist nicht der alleinige Grund. Es geht auch nicht um die Inhalte,
nicht direkt, denn die verstecken sich meistens hinter einer – tada –
Bezahlschranke. Ich hörte es rumoren, [3][dass auch der Spiegel], im Grunde
noch nie links, immer weiter nach rechts driftet, aber auch das ist nur ein
Grund. Gegen Woke-Kritik habe ich zum Beispiel gar nichts, man braucht sie
immer mal als Gegengift, besonders wenn man sonst eher in linksgrünen
Blasen verkehrt.
Es ist auch nicht die Themenmischung aus Hitler, Beziehungsberater und
Kriegspropaganda, die gibt es fast überall, es ist einfach das Gesamtbild:
Es sieht aus wie eine Müllhalde. Die Seite ist vollgestopft mit
Empfehlungen, Rubriken und Unterrubriken, man scrollt ewig, bis man Kultur
und Sport findet, und dann ist da alles gesperrt wegen Bezahlschranke!
Alter, macht mal so weiter, aber in Zukunft lieber ohne mich.
Und ich, wenn ich einfach bezahle? Nein. Das verheißungsvolle Land werde
ich nicht betreten, denn ich weiß, das Paradies ist für immer verloren,
denn das mit der Schlange und dem Apfel damals in der Bibel war nur so ein
halb moralischer Dreh, um zu verdecken, dass es nur um Geld geht. Adam und
Eva haben das Abo nicht verlängert, so war das. Der Baum der Erkenntnis
wurde mit der Kettensäge gefällt und zum Bezahlschrank umgebaut.
25 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=fWbmiCrTLx0&list=RDfWbmiCrTLx0&start_radio=1
(DIR) [2] https://www.spiegel.de/
(DIR) [3] /NSDAP-Mitgliederkartei/!6180276
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
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