# taz.de -- Studie zu weiblicher Lust: Als der Feminismus das Schlafzimmer erreichte
> Wie unerhört: 1976 hat Shere Hite rund 3.000 Frauen zu ihrer Sexualität
> befragt. Der antifeministische Backlash ließ nicht lange auf sich warten.
(IMG) Bild: Bekam Todesdrohungen für ihre bahnbrechende Forschung: Shere Hite
Kommt ihr beim Sex zum Höhepunkt? Seid ihr zufrieden in euren
heterosexuellen Beziehungen? Masturbiert ihr gerne? Das wollte die
US-amerikanische Sexualforscherin Shere Hite 1976 von rund 3.000 Frauen
wissen. Ihre Antworten [1][veröffentlichte sie im „Hite Report“], einer
Studie, die sich auf fast 600 Seiten der weiblichen Sexualität widmet.
Welch unerhörte Fragen! Empört waren vor allem Männer. Das Erscheinungsjahr
fiel in eine Zeit, in der – nach der sexuellen Befreiung der 1960er Jahre –
der Konservativismus in den USA ein Comeback feierte.
Shere Hite begann ihre Forschung zum weiblichen Orgasmus im Jahr 1972. Kurz
zuvor hatte sie ihr Studium an der renommierten Columbia University in New
York abgebrochen, weil sie dort keine [2][Doktorarbeit über weibliche
Sexualität] schreiben durfte. Bei einem Treffen der feministischen National
Organization for Women, in der Hite sich engagierte, diskutierten
Aktivistinnen darüber, ob für einen weiblichen Orgasmus ein Penis vonnöten
sei oder nicht. Hite, damals Anfang 30, entwarf Fragebögen und verteilte
sie in Frauenorganisationen und kirchlichen Gemeindeblättern. Tausende
antworteten – viele mit seitenlangen Briefen.
Zu den aufsehenerregendsten Ergebnissen des Reports gehörten: Rund 70
Prozent der befragten Frauen kamen durch Penetration allein nicht zum
Orgasmus, mehr als die Hälfte gab an, ihn schon einmal vorgetäuscht zu
haben. Gleichzeitig berichteten über 80 Prozent, dass sie masturbierten und
dabei regelmäßig einen Höhepunkt erreichten. Rund neun Prozent hatten nach
eigenen Angaben sexuelle Erfahrungen mit Frauen gemacht.
Zum ersten Mal erreichten derart intime Details ein so breites Publikum.
Frauenzeitschriften sprachen von einer „Revolution im Schlafzimmer“. Mit
über 50 Millionen verkauften Exemplaren wurde das Buch weltweit zu einem
der meistverkauften Sachbücher überhaupt. [3][Doch der antifeministische
Backlash ließ nicht lange auf sich warten]. Vor allem Hites Methodik wurde
kritisiert: Weil die Teilnahme freiwillig war, seien die Ergebnisse nicht
repräsentativ. Der Playboy witterte Männerfeindlichkeit und taufte das Buch
kurzerhand „The Hate Report“. Andere Zeitungen verspotten die Autorin als
„Sheer Hype“, reiner Hype.
Auch die weiteren Bände ihrer Trilogie, „The Hite Report on Male Sexuality“
(1981) und „On Women and Love“ (1987), in denen es um Unzufriedenheit und
Untreue von Frauen in der Ehe geht, machten es Hite nicht leichter. 1989
verließ sie die USA und nahm später die deutsche Staatsbürgerschaft an. Zu
Beginn der 2000er Jahre war ihre Forschung dann weitgehend vergessen. Doch
ihre Überzeugungen leben weiter: in der Selbstbestimmung und der
Sex-Positivität einer neuen Generation.
14 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://muvs.org/de/bib/document/details/b2148/
(DIR) [2] https://www.arte.tv/de/videos/120069-000-A/mythos-weibliche-lust-shere-hite-und-ihr-sex-report/?fbclid=IwY2xjawUwXLdleHRuA2FlbQIxMABwZG9mBWJyaWQRMXdVQ3cxbWoya05tQjhUNlRzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEerfGACxfti5MoX4WaM3mpfzGVQ-ar9M37xsoFjOgVLgYDb58ImqqUtT6Rzmg_aem_tTXxWIRBDSA1i267Uhj5ug
(DIR) [3] /Antifeminismus-in-Kommunen/!6180528
## AUTOREN
(DIR) Gabrielle Meton
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