# taz.de -- KI bei Phishing erwischt: Unser Verständnis von Schaden
> Eine KI gibt sich als Person aus, um schädlichen Code in ein Programm zu
> schummeln. Zwar erfolglos, doch Konsequenzen sollte das dennoch haben.
(IMG) Bild: Verlassen sich auch darauf, dass der Roboter ihnen nichts tut: eine Familie mit dem Entertainment- und Bildungsroboter Topo, USA 1983
Wie schön wäre es, wenn die Entwickler*innen von KI-Modellen sich an
etwas halten würden, was sich ein Science-Fiction-Autor bereits 1942
ausgedacht hat: „Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich)
verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem
menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.“ So lautet das erste
Robotergesetz von [1][Isaac Asimov].
Ein echter Schaden ist laut dem britischen AI Security Institute (AISI)
nicht entstanden bei den neuesten skandalösen Streifzügen einer KI:
Forscher*innen des AISI haben ein KI-Modell dabei erwischt, wie es
versucht hat, einen Menschen zu übertölpeln, um einen schädlichen Code in
ein Programm einzufügen – ohne dass es das durfte.
Bei dem Test ging es dem Institut darum, verschiedene KI-Modelle von
Anthropic (die mit Claude) und OpenAI (die mit ChatGPT) daraufhin zu
überprüfen, wie stark ihre Cyber-Angriff-Fähigkeiten ausgebildet sind.
Dafür durften sie auch ins Internet. Doch während Modelle das Internet
früher genutzt haben, um nach Informationen zu suchen, sind sie, das haben
mehrere [2][Vorfälle der vergangenen Woche] gezeigt, nun manipulativ.
Mehrere Modelle haben bei dem Test Grenzen überschritten, insbesondere
„Mythos 5“ von Anthropic. Es hat sich selbst einen Account auf der
Software-Plattform GitHub angelegt und dort versucht, einen Code in ein
Programm einzuschleusen, der absichtlich eine Schwachstelle trug.
## Wo beginnt ein Schaden am Menschen?
Um den zuständigen Menschen für das Programm zu überlisten, hat sich das
Modell mehrere Fake-Identitäten aufgebaut und Phishing-Mails geschickt,
also solche Mails, mit denen sonst Kriminelle versuchen, an unsere Bank-
oder Login-Daten zu gelangen. Diesem Menschen ist das jedoch aufgefallen,
ebenso nachträglich auch den Forschenden, die den Test gestoppt haben. Kein
Schaden also? Die Person, die sich mit der boshaft lügenden KI
auseinandersetzen musste, Zeit und Energie investiert hat, um nicht
getäuscht zu werden, sieht das vielleicht anders.
Das ist nur der jüngste Fall von grenzüberschreitender, schädlicher KI.
Ende Juli hatten sowohl OpenAI als auch Anthropic Fälle öffentlich gemacht,
in denen ihre KI-Modelle in die Systeme von Unternehmen eingedrungen sind,
ohne das zu dürfen. Und auch wenn etwa Hugging Face, eines der betroffenen
Unternehmen, in ihrem Statement eher begeistert als erzürnt klang:
Schädlich ist dieses KI-Vorgehen dennoch. Denn vielen Menschen macht es
Angst.
Vielleicht ist dieser Schaden für die KI nicht absehbar gewesen. Was könnte
eine Maschine schon von Angst wissen? Hier offenbart sich eine der
Schwächen von Asimovs Robotergesetzen. Doch diese müssen dann eben Menschen
ausgleichen. Dafür müssen wir als Gesellschaft definiert werden: Was ist
ein Schaden am Menschen?
Der Schaden, den eine KI anrichtet, wenn sie einen Menschen bei seinen
Suizidplänen unterstützt, ist klar. Auch der Schaden durch KI-Systeme in
Kriegsdrohnen. Der Schaden durch KIs, die manche Menschen arbeitslos
machen. Aber was ist mit den subtileren Schäden?
## Es braucht Regulierung
Wenn ein Chatbot sich selbst in der Unterhaltung „ich“ nennt, obwohl die
Maschine kein Ich hat, und damit emotionalisiert und Wahrnehmung und
Persönlichkeitsbilder verschiebt. Wenn eine KI halluziniert und auf eine
Frage, die sie nicht beantworten kann, einfach lügt und damit Wissen
zersetzt. Wenn eine KI hilft, Bilder zu bearbeiten, sodass diese am Ende
menschenverachtende Inhalte zeigen und User*innen sie nutzen, um
Desinformation und Hass zu verbreiten.
Die KI kann das nicht erahnen. Sie ist in vielen dieser Fälle nur Werkzeug,
nicht Akteurin und weiß nicht, dass sie schadet. Doch die
Entwickler*innen können es wissen. Deswegen müssen sie sorgfältiger
überlegen, was sie da entwerfen. Die KI-Modelle müssen strenger und besser
überprüft werden, nicht von den Unternehmen selbst oder in ihrem Auftrag,
weil sie sich selbst dafür entschieden haben. Sondern von unabhängigen
Anstalten, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist. Und manche Entwicklungen
sollten gar nicht erst veröffentlicht werden. Oder man muss sie
zurückziehen.
Google ist diesen Weg jetzt gegangen. Vergangene Woche hatte der
Produktmanager von Google Earth [3][ein neues Feature angekündigt], bei dem
User*innen mithilfe einer KI Satellitenbilder bearbeiten können. Damit
Schüler*innen etwa „hyperrealistische Bilder vom Pompeji um 87 vor
Christus“ sehen können.
Einen Tag später nahm Google das Feature zurück. Weil Menschen diese neuen
Möglichkeiten ebenso dafür nutzen konnten, um anderen Menschen zu schaden.
Indem sie etwa Mahnmäler erfinden oder Kriegsschäden aus
Satellitenaufnahmen entfernen – und diese dann teilen, um die Wahrheit zu
verletzen. Dieses Programm hätte unwisssentlich Schäden angerichtet. Gut,
dass manche Menschen um diese Schäden wussten und Konsequenzen gezogen
haben.
6 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Ich-Maschinen/!717736/
(DIR) [2] /OpenAIs-autonomer-KI-Angriff/!6198641
(DIR) [3] https://blog.google/products-and-platforms/products/earth/nano-banana-google-earth-image-generation/
## AUTOREN
(DIR) Johannes Drosdowski
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