# taz.de -- Terrorangriff vom 7. Oktober 2023: Auch Ägypten soll Israel vor Hamas-Gefahr gewarnt haben
       
       > Ägyptens Geheimdienstchef soll laut „Atlantic“ vor dem 7. Oktober 2023 in
       > Israel gewesen sein – und über einen bevorstehenden Hamas-Angriff
       > informiert haben.
       
 (IMG) Bild: Benjamin Netanjahu spricht 2021 mit Abbas Kamel, Direktor des ägyptischen General Intelligence Directorate (EGID)
       
       dpa | Kurz vor dem [1][Terrorüberfall am 7. Oktober 2023] soll auch Ägypten
       Israel vor der Gefahr eines großen Angriffs der Hamas gewarnt haben. Das
       berichtet das US-Magazin The Atlantic unter Berufung auf
       Regierungsvertreter in Israel, Ägypten und weiteren arabischen Ländern
       sowie auf Vertreter in den USA und Europa. Weniger als zwei Wochen vor dem
       7. Oktober reiste Ägyptens Geheimdienstchef Abbas Kamel demnach nach Israel
       und warnte, dass die Hamas offenbar für einen „großangelegten Angriff
       mobilisiert“, so der Bericht.
       
       Kamels Botschaft an Israels Regierung sei gewesen, dass sich das „Fenster
       schließe, um eine Katastrophe abzuwenden“, so der Bericht. „Wenn Sie den
       Kurs nicht ändern, wird Gaza Ihnen um die Ohren fliegen“, fasste ein
       früherer israelischer Regierungsvertreter, der anschließend zu dem Besuch
       gebrieft wurde, die Botschaft des Besuchs zusammen. Kamel habe Israel
       wirtschaftliche Zugeständnisse an die Hamas empfohlen, um eine Verschärfung
       des Konflikts zu vermeiden.
       
       Kamel ist einer der einflussreichsten Geheimdienstvertreter im Nahen Osten.
       Er war und ist führend unter anderem bei Vermittlungen Ägyptens und Katars
       zwischen Israel und der Hamas im Gazakrieg. In dem Konflikt reiste er in
       den vergangenen Jahren mehrfach nach Israel.
       
       ## Netanjahu dementierte die Darstellung schon 2023
       
       Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hatte zwei
       Tage nach dem 7. Oktober 2023 erklärt, dass es keine Warnung Ägyptens über
       den Angriff gegeben habe. Es habe auch kein direktes oder indirektes
       Treffen Netanjahus mit Kamel gegeben, teilte sein Büro seinerzeit mit.
       Entsprechende Darstellungen seien „Fake News“.
       
       Nach der Veröffentlichung des The Atlantic-Berichts hieß es aus dem Büro
       Netanjahus erneut, die Behauptung sei falsch. Sie sei seinerzeit dementiert
       worden und werde nun wieder aufgewärmt, um die israelische Öffentlichkeit
       zu manipulieren.
       
       Verfasst hat den Bericht die prominente US-Journalistin Vivian Salama, die
       zuvor für das Wall Street Journal und die US-Nachrichtenagentur AP
       arbeitete. Sie berichtete unter anderem aus dem Weißen Haus in Washington,
       aus Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten und 80 weiteren Ländern.
       
       ## Bericht: Netanjahu muss von Besuch gewusst haben
       
       Die Atlantic-Veröffentlichung erwähnt nicht, mit wem Kamel sich traf. Er
       habe sich aber rund eine Stunde in Israel aufgehalten. Allein seine
       Anwesenheit in Israel habe die Dringlichkeit gezeigt, sagten
       Regierungsvertreter dem Bericht zufolge. Ein israelischer
       Ex-Regierungsvertreter sagte demnach, es sei ausgeschlossen, dass Netanjahu
       nicht von dem Besuch oder Treffen mit Vertretern der israelischen
       Geheimdienste gewusst habe.
       
       In der neuen Stellungnahme des Büros von Netanjahu hieß es, in den Monaten
       vor dem 7. Oktober habe sich Netanjahu weder mit Kamel getroffen, noch habe
       er mit ihm gesprochen. Kein israelischer Geheimdienstvertreter habe dem
       Ministerpräsidenten eine solche Warnung übermittelt.
       
       Vor etwa drei Wochen hatte die israelische Zeitung Haaretz berichtet, dass
       [2][Israels Regierung auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vor
       einem möglichen Hamas-Überfall gewarnt worden sei]. Der emiratische
       Präsident Mohammed bin Sajid warnte Netanjahu demnach in einem 45 Minuten
       langen Telefonat, dass [3][der damalige Chef der Hamas, Jahia Sinwar,] eine
       großangelegte Offensive gegen Israel plane. Netanjahu habe die israelischen
       Sicherheitschefs jedoch nicht informiert.
       
       ## Brisanz vor Parlamentswahl in Israel
       
       Netanjahu hat wegen des Berichtes eine Verleumdungsklage gegen die Zeitung
       angekündigt. Sein Büro hatte den Bericht bereits zuvor dementiert.
       
       Beide Berichte sind auch wegen der anstehenden Parlamentswahl in Israel
       brisant. Netanjahus Büro beschrieb den Haaretz-Bericht als eine „falsche
       Geschichte“ im „Wahlkampf der Linken“. Kritiker werfen ihm hingegen vor,
       keine persönliche Verantwortung für das Massaker vor fast drei Jahren
       übernommen zu haben.
       
       27 Sep 2026
       
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