# taz.de -- Nach Einsturz-Tragödie in Gaza: Dutzende Menschen noch unter Trümmern gesucht
> Ein eingestürztes Wohnhaus hat viele Menschen unter sich begraben. Dort
> hatten vertriebene Familien gelebt. Israel setzt derweil seine Angriffe
> fort.
(IMG) Bild: Ein Mann trauert um ein achtjähriges Mädchen, Amal al-Mughair, das bei einem israelischen Angriff auf ihr Zelt gestorben sein soll
dpa/rtr/kna | Im Gazastreifen sind beim Einsturz eines im Krieg
beschädigten Wohnhauses am Mittwoch mindestens 20 Palästinenser ums Leben
gekommen und 14 weitere verletzt worden. In dem sechsstöckigen Gebäude
sollen insgesamt etwa 100 Personen gelebt haben, darunter 50 Kinder. Die
palästinensische Regierung forderte von Israel ungehinderten Zugang für
Rettungskräfte. Ein UN-Vertreter warnte, in Gaza gebe es Hunderte ähnlich
unsicherer Bauten, in denen Familien mangels Alternativen wohnten.
Das Gebäude im Bezirk Tal al-Hawa westlich der Stadt Gaza war laut
palästinensischen Angaben vor über einem Jahr [1][von einem israelischen
Luftschlag getroffen] worden. Trotz der Schäden wurde es weiter bewohnt,
weil in dem Kriegsgebiet eine Knappheit an Wohnungen herrscht. Unter den
Opfern seien vor allem Frauen und Kinder, hieß es.
Laut dem Sprecher des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes, Mahmud
Basal, sollen noch rund 100 Menschen unter den Trümmern des Wohnhauses
verschüttet sein. Helfer suchen derzeit nach ihnen. Den Einsatzkräften
[2][fehlt es dabei jedoch an Ausrüstung und schwerem Gerät].
## Anwohner: Mehr als 60 Menschen waren im Wohnhaus
In palästinensischen und sozialen Medien verbreitete Aufnahmen sollen
Schuttberge nach dem Hauseinsturz zeigen. In einem Video ist zu sehen, wie
Helfer versuchen, ein zwischen Trümmern feststeckendes, weinendes Kind zu
befreien.
Laut Anwohnern haben sich mehr als 60 Menschen, vor allem im Krieg
Vertriebene, in der Nacht in dem Haus aufgehalten. Der Zivilschutz teilte
mit, dass auch Vertriebene in Zelten neben dem Gebäude unter den Opfern
sein dürften. Seit Oktober 2025 herrscht im Gaza-Krieg eigentlich eine
Waffenruhe. Zuletzt hat Israel seine Luftangriffe wieder verstärkt und
dabei laut eigener Darstellung gezielt ranghohe Hamas-Mitglieder ins Visier
genommen.
So wurden am Dienstag bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen nach
palästinensischen Angaben mindestens fünf Menschen getötet, darunter zwei
Kinder und ein Hamas-Kommandeur. Im Viertel Scheich Radwan im Norden seien
bei einem Angriff auf ein Fahrzeug am Dienstag zwei Menschen gestorben,
teilten Sanitäter mit. Augenzeugen berichteten von einem zweiten Einschlag,
als Helfer zu den Opfern eilten.
## Israel greift trotz „Waffenruhe“ weiter an
Das israelische Militär teilte mit, es habe einen militanten Palästinenser
angegriffen. In Dschabalia wurde nach Angaben einer britischen
Hilfsorganisation ein Patient in einem Gesundheitszentrum von einer
israelischen Drohne getötet. Bei einem weiteren Luftangriff auf ein
Zeltlager starben Medizinern zufolge ein Mann und ein achtjähriges Mädchen,
14 weitere Menschen wurden verletzt. Zudem bestätigten sowohl Israel als
auch die Hamas den Tod eines ranghohen Hamas-Kommandeurs bei einem
separaten Angriff.
Trotz einer im Oktober 2025 unter US-Vermittlung vereinbarten Waffenruhe
kommt es weiterhin zu tödlichen Zwischenfällen. Die Hamas und Israel werfen
sich gegenseitig vor, das Abkommen zu verletzen. Dieses soll den Weg für
einen Friedensplan von US-Präsident Donald Trump ebnen, der einen
israelischen Abzug und die Entwaffnung der Hamas vorsieht. Seit Beginn der
Waffenruhe sind nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörden mehr als
1300 Palästinenser getötet worden. Das israelische Militär meldete im
selben Zeitraum den Tod von vier Soldaten.
Der Krieg begann mit dem Angriff und dem Massaker der Hamas am 7. Oktober
2023, auf den Israels Feldzug im Gazastreifen folgte. Israels Armee hat den
Gazastreifen dabei großflächig zerstört und hält mehr als zwei Drittel des
Küstenstreifens besetzt. Sie hat im Laufe des Krieges über 70 000 getötet,
Hunderttausende Palästinenser haben ihr Zuhause verloren. Sie leben in
provisorischen Unterkünften wie Zelten oder auch in beschädigten Gebäuden,
die oftmals einsturzgefährdet sind.
16 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Israelische-Juristen-fordern-Untersuchung-wegen-Kriegsverbrechen/!6213475
(DIR) [2] /-Nachrichten-im-Gaza-Krieg-/!6201870
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Gaza
(DIR) Palästinenser
(DIR) Humanitäre Hilfe
(DIR) Hauseinsturz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte um Dokumentarfilm „Naza“: Juristen fordern Untersuchung zu möglichen Kriegsverbrechen
Als rechtsstaatlichem Land stehe es Israel nicht an, Vorwürfe gegen seine
Kriegsführung in Gaza pauschal zurückzuweisen, sagen israelische
Rechtsexperten.
(DIR) Palästinensische Kunst: Der „Künstler der Intifada“ ist tot
Sliman Mansour zählte zu den berühmtesten modernen palästinensischen
Künstlern. Er selbst hielt sein Werk nicht für politisch.
(DIR) Welttag der humanitären Hilfe: Hilfswerke prangern Angriffe auf humanitäre Helfer an
Die Vereinten Nationen würdigen den Einsatz von Helfer*innen. Die Diakonie
Katastrophenhilfe verweist auf die großen Gefahren in Gaza und im Sudan.