# taz.de -- Karin Prien zu Stolperstein-Verbot: „Das ist ein Skandal“
> CDU- und AfD-Politiker haben in der sächsischen Stadt Heidenau einen
> Antrag gegen Stolpersteine beschlossen. Jetzt äußert sich die
> Bundesbildungsministerin.
(IMG) Bild: Das Stolperstein-Verbot in Heidenau mit Stimmen von CDU und AfD löst eine bundesweite Debatte aus
kna/dmn | Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) kritisiert den
Beschluss gegen weitere Stolpersteine im öffentlichen Raum der Stadt
Heidenau. Das Verbot sei „ein Skandal“, Erinnerungskultur auf einen
Friedhof abschieben wollen, erst recht, sagte die Politikerin der Bild:
„Stolpersteine im öffentlichen Raum machen ja gerade vernichtetes jüdisches
Leben sichtbar und geben jedem einzelnen Verfolgten ein Stück Würde
zurück.“
[1][Die Gedenksteine machten deutlich], dass Jüdinnen und Juden
selbstverständlich zum Leben in deutschen Städten und Dörfern gehört
hätten, bevor sie von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.
Besonders kritisch äußerte sich die Ministerin zu dem Vorschlag, das
Gedenken auf Friedhöfe zu verlagern: „Wer Stolpersteine und Gedenkorte
jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum auf den Friedhof verbannt,
stellt das Sterben über das Leben und macht Jüdinnen und Juden noch einmal
unsichtbar.“
Prien richtete auch einen Appell an die eigene Partei: „In dieser
Verantwortung sehe ich auch die CDU in Sachsen. Denn nur wer seine
Geschichte kennt und versteht, kann daraus lernen und dafür sorgen, dass
sie sich nicht wiederholt.“
## Shoah-Überlebende Knobloch zeigt sich entsetzt
Die Shoah-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde
München und Oberbayern Charlotte Knobloch ist deutschlandweit als
Kritikerin der im Boden eingelassenen Gedenksteine für Opfer des
Nationalsozialismus bekannt. Doch den Beschluss des Stadtrats in Heidenau
bezeichnet sie als „völlig falschen Weg“.
„Ich war nie eine Freundin des Konzepts der Stolpersteine“, erklärt
Knobloch auf Anfrage der taz. Aber dezentrales Gedenken, das den
öffentlichen Raum „durchdringt und prägt“, sei entscheidend „für eine echte
Kultur des Erinnerns“. Am Konzept der Stolpersteine hatte sie kritisiert,
es sei unwürdig, dass auf den Namen der Ermordeten auf dem Bürgersteig
herumgetreten wird.
Aber: Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen, wie jetzt in
Heidenau geschehen, sei „in jedem Fall der völlig falsche Weg“, sagt
Knobloch. „Ich bin entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür
hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu
unterstützen.“ Die demokratische Mitte solle sich wiederfinden und „eine
bessere Lösung auf den Weg bringen“, fordert sie.
## CDU und AfD stimmten gemeinsam ab
Dem Antrag, im sächsischen Heidenau nahe Dresden keine Stolpersteine
[2][zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus] mehr zu verlegen,
hatten Stadträte von AfD und CDU zugestimmt. Er wurde am Donnerstagabend
mehrheitlich beschlossen. Es habe 13 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und eine
Enthaltung gegeben.
In dem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag mit dem „Bündnis Oberelbe
für mehr Demokratie“ forderten Vertreter der beiden Parteien, Stolpersteine
„im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich“ künftig abzulehnen.
Viele Bürger:innen, Angehörige und Initiativen empfänden diese Form der
Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen, hieß es
in dem Antrag. Allerdings hatten die Antragsteller:innen keinen
eigenen Kontakt zu Gedenkinitiativen oder Angehörigen, wie sie der taz
bestätigten.
Zuvor hatte der Verein Alternative Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz)
beantragt, mit zwei Stolpersteinen an das Ehepaar Fritz und Martha
Goldstein zu erinnern, das während der NS-Diktatur in Heidenau aus
antisemitischen Gründen verhaftet, enteignet und abgeschoben wurde. Wie
Bürgermeisterin Conny Oertel vor der Abstimmung zur taz sagte, wird der
Stadtrat die Verlegung der beiden Gedenksteine ablehnen.
26 Sep 2026
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