# taz.de -- Gegen Kürzungen in der Pflege: Patientenschützer begrüßen SPD-Vorstoß
       
       > Am Mittwoch soll das Bundeskabinett die Pflegereform beschließen. Doch
       > jetzt droht die SPD, das Ganze zu blockieren. Patientenschützer begrüßen
       > das.
       
 (IMG) Bild: Bei den Pflegebedürftigen sparen, um die Pflegekosten zu senken? Die SPD stellt sich dagegen
       
       dpa/kna | Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßt den neuen Vorstoß
       der SPD gegen Kürzungen bei der Pflege. „Es ist gut, dass die SPD bei der
       geplanten Pflegegesetzgebung jetzt die Reißleine zieht“, sagte Vorstand
       Eugen Brysch am Samstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Eine
       zukunftssichere und generationengerechte Finanzierung müsse Berechenbarkeit
       schaffen: „Hier sind der Eigenanteil für die reine Pflege zu deckeln und
       die Versicherungszuschüsse für die Hilfsbedürftigen daheim parallel zur
       Kostenentwicklung anzupassen.“
       
       Glaubwürdig werde der Vorstoß seiner Partei aber nur, wenn SPD-Chef und
       Finanzminister Lars Klingbeil konkrete Taten folgen lasse, so Brysch. Unter
       anderem müsse der Minister die Corona-Kredite in Höhe von 5,5 Milliarden
       Euro zurückzahlen und die auf über 5 Milliarden Euro angestiegenen
       Rentenversicherungsleistungen für pflegende Angehörige übernehmen. Aber
       auch die Bundesländer seien in der Pflicht: „Sie haben endlich die
       Ausbildungs- und Investitionskosten zu übernehmen. Das entlastet
       Heimbewohner sofort um 700 Euro monatlich.“
       
       ## Pflegefonds aufbauen
       
       Darüber hinaus sei eine Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen
       Pflegeversicherung verfassungskonform möglich, fügte Brysch hinzu: „Alle
       Maßnahmen zusammen bringen der sozialen Pflege Luft für die nächsten 15
       Jahre. Zeit genug, um einen Pflegefonds ähnlich der geplanten Rentenreform
       aufzubauen.“
       
       SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hatte am Freitagabend auf Instagram
       erklärt, seine Partei akzeptiere in der Pflege „keine Leistungskürzungen
       auf dem Rücken der Menschen“. Das könnte den für Mittwoch geplanten
       Kabinettsbeschluss zur Pflegereform blockieren.
       
       ## Entlastung für Angehörige
       
       Pflege dürfe nicht zum finanziellen Risiko für Pflegebedürftige und ihre
       Familien werden, betonte der Politiker in seinem Video. Wer Angehörige
       pflege, leiste unter großem Druck eine „unglaublich wertvolle Arbeit für
       unsere Gesellschaft“ und verdiene mehr Unterstützung und Anerkennung. Daher
       müsse es eine echte Strukturreform geben mit mehr Solidarität, mehr
       Entlastung und dauerhaft stabiler Finanzierung.
       
       Dazu schlage die SPD ganz konkret einen Pflegedeckel vor, also eine
       Begrenzung des Eigenanteils an den Kosten für einen Platz im Pflegeheim,
       fügte Klüssendorf hinzu: „Außerdem wollen wir ein gerechtes und
       solidarisches System, in das alle einzahlen, oder zumindest einen fairen
       finanziellen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung.“
       
       Die SPD will bei Reformen der Pflegeversicherung nach Aussage von
       Generalsekretär Tim Klüssendorf keine Leistungskürzung akzeptieren. Bei der
       Pflege gehe es gerade um richtig viel, erklärte Klüssendorf am
       Freitagabend. „Dabei drohen vor allen Dingen für Pflegende, für
       Pflegebedürftige, aber auch ihren Angehörigen massive Kürzungen. Doch das
       lassen wir nicht zu.“ Er betonte: „Wir akzeptieren keine
       [1][Leistungskürzung in der Pflege.]“
       
       Offen ließ Klüssendorf, was das mit Blick auf den für kommende Woche
       geplanten Kabinettsbeschluss zur finanziellen Stabilisierung der
       Pflegeversicherung im nächsten Jahr bedeutet.
       
       ## SPD fordert Deckelung der Pflege-Eigenanteile
       
       Wenn es nach der SPD gehe, „dann wollen wir Pflegebedürftige zukünftig
       spürbar entlasten“, sagte der Generalsekretär. Er verwies dabei auf den
       Vorschlag eines Pflegedeckels, den die saarländische
       SPD-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in die Diskussion gebracht hatte –
       also eine Deckelung des Eigenanteils an den Kosten für einen Platz im
       Pflegeheim.
       
       „Damit wollen wir verhindern, dass Menschen und ihre Familien von den
       Pflegekosten finanziell überfordert werden“, sagte Klüssendorf. „Außerdem
       wollen wir ein gerechtes und solidarisches System, in das alle einzahlen,
       oder zumindest einen fairen finanziellen Ausgleich zwischen privater und
       sozialer Pflegeversicherung.“
       
       Rehlinger hatte dafür geworben, den Eigenanteil für Pflegebedürftige bei
       1.500 Euro zu deckeln. Nach einer Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen
       mussten mit Stand 1. Juli im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt
       3.364 Euro im Monat aus eigener Tasche gezahlt werden.
       
       ## Milliardendefizit droht
       
       Die schwarz-rote Koalition arbeitet aktuell an einer Reform, um das für
       2027 erwartete [2][Milliardendefizit der Pflegeversicherung] zu decken und
       allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden. Bundesgesundheitsminister
       Carsten Linnemann peilt an, diesen Entwurf in der kommenden Woche ins
       Kabinett zu bringen. Details sind noch nicht bekannt. Ein Entwurf seiner
       Vorgängerin Nina Warken (CDU) sieht Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen vor.
       
       Linnemann plant darüber hinaus eine umfassendere Pflegereform und hat dazu
       angekündigt, eine Expertenkommission einzusetzen. „[3][Unser Pflegesystem
       ist, wie es jetzt organisiert ist], nicht zukunftsfest“, sagte der
       CDU-Politiker vor Kurzem der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Wenn man es
       nicht grundlegend umbaue, werde es in den Dreißigerjahren kollabieren,
       sagte er. Daher werde er eine „Strukturkommission“ ins Leben rufen. „Ziel
       ist, dass wir auf Basis ihrer Vorschläge im kommenden Jahr eine
       strukturelle Pflegereform bekommen.“
       
       26 Sep 2026
       
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