# taz.de -- Einwanderung von Fachkräften: Pflegeverband fordert Tempo bei Work and Stay Agentur
> Deutschland braucht dringend Pfleger*innen, doch einwanderungwillige
> Fachkräfte haben es schwer. Ein katholischer Sozialverband fordert jetzt
> Reformen.
(IMG) Bild: Ein Pflegehelfer arbeitet 2025 in einem Seniorenheim in Bonn
Immer mehr Menschen in Deutschland sind auf Pflege angewiesen. Entsprechend
riesig ist der Personalbedarf der Branche. Doch obwohl viele ausgebildete
Pflegekräfte aus anderen Ländern gern nach Deutschland kommen wollen, tut
die Bundesregierung kaum etwas dafür, [1][ihnen den Weg zu ebnen.] Am
Donnerstag richtete deshalb der Verband katholischer Altenhilfe in einem
Pressegespräch deutliche Forderungen an die Politik.
Verbandsgeschäftsführer Andreas Wedeking betonte: „Jede fünfte
Pflegefachkraft hat inzwischen einen ausländischen Hintergrund.“ Doch
Zehntausende weitere versuchten jedes Jahr erfolglos, nach Deutschland zu
kommen, denn auch nach der [2][Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes
2024] seien die Hürden weiter hoch. Um das zu ändern, forderte Wedeking
insbesondere eine effektive Work and Stay Agentur, die Visaverfahren,
Anrechnung von Berufsabschlüssen und Ankommenshilfe zentralisieren,
vereinheitlichen und digitalisieren soll.
Eine solche Work and Stay Agentur ist tatsächlich von der Bundesregierung
geplant, allerdings lässt sich das zuständige Arbeits- und
Sozialministerium von Bärbel Bas (SPD) mit der Umsetzung bisher Zeit. Im
November 2025 beschloss das Kabinett zwar erste Eckpunkte für die Agentur,
seitdem war von dem Projekt aber nichts mehr zu hören. Weitere Projekte im
Bereich Fachkräfteeinwanderung haben Union und SPD sich gleich gar nicht
vorgenommen.
So sind die verschiedenen Anerkennungsverfahren bisher von Bundesland zu
Bundesland unterschiedlich, meist nicht digitalisiert und teils extrem
langwierig. Die Geschäftsführerin der Caritas-Altenhilfe, Bärbel Arwe,
berichtete am Dienstag, dass es für Betroffene teils einfacher sei, in
Deutschland noch einmal neu eine Ausbildung zu durchlaufen. Deshalb brauche
es die Agentur als „verlässliche Anlaufstelle für Träger und Arbeitnehmer“
möglichst bald.
## Auch Wohnungsnot und Infrastruktur ein Problem
Sinken sollten dabei auch die Kosten, sowohl für die angeworbenen
Pfleger*innen als auch für die Träger. Letztere geben mittlerweile große
Summen dafür aus, die Angeworbenen auf ihrem Weg durch die bürokratischen
Prozesse zu unterstützen. Und wer monatelang in Anrechnungsprozessen
steckt, fällt so lange weitgehend als Arbeitskraft aus. Die Kosten, die
hier für die Trägereinrichtungen entstehen, würden sich direkt in dem
niederschlagen, was Bewohner*innen, Angehörige und Versicherungen für einen
Platz im Pflegeheim [3][bezahlen müssen].
Der Pflegeverband fordert des Weiteren eine Positivliste für
Berufsabschlüsse aus bestimmten Ländern, die dann ohne weitere Überprüfung
anerkannt würden. Auch längere Visa bei der Ersteinreise seien nötig,
genauso wie längere Fristen, um sich um eine Anerkennung des ausländischen
Führerscheins zu kümmern. Bislang überfordere die Vielzahl
unterschiedlicher Verfahren in kurzer Zeit die Immigranten oft, was dann
wiederum neue Anträge erforderlich mache.
Neben den bürokratischen Hürden kommen noch gesamtgesellschaftliche
Probleme hinzu, die neu eingereisten Fachkräften besonders zu schaffen
machen. Dazu gehörten etwa die anhaltende Wohnungskrise oder die schlechte
Verkehrsanbindung auf dem Land. Hier müsse die Bundesregierung konkrete
Verbesserungen schaffen – nicht nur für die eingewanderten Pfleger*innen,
aber eben auch für sie.
15 Sep 2026
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