# taz.de -- Big Brother Award wegen Smart Glasses: Fielmann und Apollo bekommen Auszeichnung für Stalkerware
> Zwei große Optiker-Ketten bekommen den Big Brother Award. Die Laudatorin
> kritisiert die dort vertriebenen Smart Glasses als „getarnte
> Stalkerware“.
(IMG) Bild: Mark Zuckerberg mit seinen Smart Glasses: Fielmann und Apollo bekommen wegen des Verkaufs dieser Brillen den Big Brother Award
Einer der Negativpreise für Überwachung geht dieses Jahr an die
Optik-Ketten Fielmann und Apollo Optik. Die beiden Händler erhalten den Big
Brother Award, der von der Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage
verliehen wird, für den Verkauf von Smart Glasses des IT-Konzerns Meta.
„Bei Smart Glasses handelt es sich schlicht um getarnte Abhöreinrichtungen,
um getarnte Stalkerware“, sagte Laudatorin Elisabeth Niekrenz,
Rechtsanwältin bei der Kanzlei Spirit Legal, bei der Vorstellung der
Preisträger.
Digitalcourage vergibt die Negativauszeichnung Big Brother Awards jährlich.
Die Preise gehen an Firmen, Personen und Institutionen, die besonders
negativ auffallen mit Überwachungsvorhaben oder beim Umgang mit
persönlichen Daten. [1][Im vergangenen Jahr] traf es unter anderem Tiktok
und Google, aber auch die Deutsche Bahn und der Bezahldienst Klarna waren
schon unter den Preisträgern.
Smart Glasses gibt es schon länger. Nachdem die ersten Modelle aber etwas
nach dystopischem Science-Fiction-Film aussahen und der Verkauf eher
schleppend lief, hat Meta für seine Brillen nun unter anderem den
Hersteller Ray Ban, bekannt für stylische Sonnenbrillen, gewonnen. Ob
jemand mit Brille Smart Glasses trägt, ist in der Praxis jetzt kaum noch zu
unterscheiden. Dementsprechend ist es für Außenstehende auch [2][schwer
erkennbar], wenn jemand damit unauffällig filmt oder fotografiert. Zwar
soll das Aufleuchten einer LED die Nutzung der Aufnahmefunktion anzeigen.
Berichte von Nutzenden legen jedoch nahe, dass sich die LED manipulieren
lässt und ein Aufnehmen damit verschleiern.
## Raus aus der Tech-Nische
[3][Ohne das Wissen darüber, gefilmt oder fotografiert zu werden], hätten
Betroffene aber keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, kritisiert die
Juristin Niekrenz: „Aus diesem Grund ist es auch überhaupt keine
Überraschung, dass diese Geräte besonders von Stalkern und Pick-up-Artists
genutzt werden.“ Pick-up-Artists sind Menschen, vor allem Männer, die sich
durch das Lernen und Anwenden von Manipulationstechniken versprechen, vor
allem Frauen zur Einwilligung in sexuelle Handlungen zu bringen. Es handele
sich bei Smart Glasses um das perfekte Werkzeug, um vor allem Frauen auf
Online-Plattformen als sexualisierten Content für Klicks und Likes
auszubeuten, so Niekrenz.
Waren Smart Glasses lange ein Spielzeug aus der Tech-Nische, markiert ihr
Verkauf in gängigen Optik-Handelsketten laut Niekrenz eine
Grenzüberschreitung: Er normalisiere eine minutiöse Aufzeichnung des
Alltags – und liefere dem Meta-Konzern Daten über die Offline-Welt, die der
Konzern bislang nicht habe: über das Leben an dem jeweiligen Ort, über
Innenräume wie Fitnessstudios und Schwimmbäder und die Leute, die dort
unterwegs sind.
„Fielmann und Apollo Optik erhalten diesen Preis, weil sie als die beiden
marktführenden Optiker in Deutschland diese Geräte aus der Tech-Nische
rausholen und Geschäfte mit dieser Stalkerware machen“, erklärt Niekrenz.
## Änderungen an Licht und Software
Die beiden Handelsketten ließen eine Anfrage der taz unbeantwortet. Meta
hatte erst vergangene Woche darauf hingewiesen, dass man das LED-Licht für
die zweite Generation der Geräte heller gemacht habe. Per Software-Update
soll außerdem sichergestellt sein, dass ein Abdecken oder Zerstören der LED
erkannt und die Kamera in der Folge deaktiviert werde. Zu der Frage, von
welchen Personengruppen und für welche Zwecke die Smart Glasses
(hauptsächlich) genutzt werden, gab der Konzern an, keine Daten teilen zu
können.
Einen Big Brother Award bekommen in diesem Jahr erneut Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt (CSU) für den Plan, die Steuer-ID zum universellen
Personenkennzeichen zu machen, sowie der Digitale Omnibus der EU. Diverse
Gesetzesänderungen höhlen nach Ansicht von Kritiker:innen
Datenschutzregeln aus.
Die evangelische Nordkirche bekommt den Negativpreis für den Einsatz von
Microsoft-Produkten und die Telekom für Überlegungen, mit T-Mobile US zu
fusionieren, womit Daten hiesiger Kund:innen unter die Überwachung durch
US-Behörden fallen könnten. Der von der Jugend-und-Technologie-Initiative
Teckids vergebene Award geht an die Social-Media-Altersgrenze. Die
Initiative vergleicht die Situation mit einem Freizeitpark, in dem eine
unsichere Achterbahn steht: Statt diese zu schließen oder durch Reparaturen
sicher zu machen, werde versucht, junge Menschen aus dem Freizeitpark
auszusperren.
25 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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