# taz.de -- Australien und der Krieg im Nahen Osten: Was eine US-Militäranlage im Outback mit Gaza zu tun hat
> Eine Militäranlage im australischen Outback gerät wegen ihrer möglichen
> Rolle im Gaza-Krieg ins politische Kreuzfeuer. Seit Monaten gibt es
> Proteste.
(IMG) Bild: Proteste gegen Pine Gap in Alice Springs im Juli 2026
Es ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Debatte über Australiens Verhältnis
zum Krieg im Nahen Osten: Alice Springs, mehr als 1.500 Kilometer nördlich
von Adelaide, in der Wüste, im roten Herzen des Kontinents. Dort steht Pine
Gap, eine der wichtigsten amerikanischen Geheimdienstanlagen außerhalb der
USA. Nun ist eine mögliche Verbindung zu israelischen Militäroperationen in
Gaza Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.
Kritiker und Palästina-Aktivisten in Australien behaupten, von Pine Gap aus
werde „Israels Genozid in Gaza“ gesteuert. Zwei Aktivisten hatten deshalb
im Oktober 2025 die Zufahrt zur Anlage blockiert. Sie bekannten sich am 14.
September vor dem Alice Springs Local Court schuldig. Das Gericht verhängte
jeweils eine sechsmonatige Verhaltensauflage und eine Abgabe von 223
australischen Dollar. Im Verfahren legte die Verteidigung zugleich ein
umfangreiches Gutachten des Geheimdienstexperten Richard Tanter vor.
Tanter kommt nach Angaben der Online-Zeitschrift Deepcut News zum Schluss,
es sei zumindest „wahrscheinlich“, dass Pine Gap zum Zeitpunkt der Blockade
israelische Militäroperationen unterstützt habe. Seine Argumentation stützt
sich unter anderem auf die Satellitenabdeckung des Gazastreifens, frühere
Fälle der Weitergabe von aus Pine Gap gewonnenen [1][Informationen an
Israel] sowie bestehende Abkommen zwischen den US- und israelischen
Nachrichtendiensten. Demnach können auch Rohdaten der US National Security
Agency (NSA), darunter Informationen aus Pine Gap, an Israel weitergegeben
werden.
## Pine Gap gibt es seit dem Kalten Krieg
Damit ist allerdings nicht bewiesen, dass Pine Gap konkrete Ziele für
israelische Angriffe in Gaza geliefert hat. Diese Unterscheidung ist
entscheidend. Eine Recherche des australischen Senders ABC hatte
festgehalten, dass es Hinweise auf eine langjährige
amerikanisch-israelische Geheimdienstkooperation gibt, es zugleich aber
keine öffentlich zugänglichen Belege dafür gebe, welche konkreten
Informationen aus Pine Gap in Gaza eingesetzt wurden. Der frühere
NSA-Analyst David Rosenberg sagt, die Anlage überwache den Gazastreifen und
die umliegende Region und sammle Informationen, die für Israel von Nutzen
sein könnten.
Pine Gap entstand während des Kalten Krieges. Australien und die USA
vereinbarten den Bau 1966; 1970 nahm die Anlage ihren Betrieb auf.
Ursprünglich diente sie vor allem der Aufklärung sowjetischer und
chinesischer Raketenprogramme. Heute verarbeitet sie Signale und Daten aus
einem weltweiten Satellitennetz. Die australische Regierung bezeichnet die
Anlage als gemeinsamen Bestandteil der nationalen Sicherheitsarchitektur;
etwa die Hälfte des Personals sei australisch.
Doch gerade diese Doppelrolle macht Pine Gap politisch heikel. Australien
profitiert vom Zugang zu amerikanischer Aufklärung und Frühwarnung, hat
zugleich aber nur begrenzte Kontrolle darüber, wie die gewonnenen
Informationen weiterverwendet werden. Das australische Parlament hat die
Bedeutung des Geheimdienstverbunds mit den USA ausdrücklich als zentral für
die australische Sicherheit bezeichnet.
Seit Beginn des Gaza-Krieges wird in Alice Springs und darüber hinaus
demonstriert. Im Juli hatten sich rund 300 Menschen vor der Anlage
versammelt. Vertreter der lokalen Arrente-Aboriginal forderten dabei die
Rückgabe traditioneller Ländereien.
Die neue juristische Auseinandersetzung verändert die Beweislage nicht
grundsätzlich. Sie macht jedoch sichtbar, worum es im Kern geht: Nicht nur
um die Frage, wofür Pine Gap genutzt wird, sondern darum, wie weit ein
Staat für militärische Operationen eines Verbündeten mitverantwortlich
wird, wenn er dessen Geheimdienstinfrastruktur auf eigenem Territorium
betreibt. Verschiedene Analysten warnen, die Anlage – und damit Australien
– könnte im Rahmen eines möglichen militärischen Konfliktes zwischen den
USA und China zu einem Ziel chinesischer Langstreckenraketen werden.
26 Sep 2026
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(DIR) Urs Wälterlin
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