# taz.de -- Trump und Xi in Washington: Schaumwein, ein Adler und Spartas Angst
       
       > US-Präsident Trump empfängt Xi Jinping mit großem Pomp. Greifbare
       > Ergebnisse gibt es kaum, aber Peking gewinnt im Systemkampf der
       > Weltmächte Zeit.
       
 (IMG) Bild: Verstehen sich gut: Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Trump im East Room im Weißen Haus
       
       Nach einem langen Tag voller Prunk und Inszenierung tritt Donald Trump ans
       Rednerpult des prall gefüllten East Room im Weißen Haus. Er blickt in
       Richtung Xi Jinping und dessen Ehefrau, macht eine bedeutungsschwere Pause
       und sagt schließlich: „Ihr seid wirklich großartige Menschen.“ Während der
       chinesische Staatschef sein Glas mit kalifornischem Schaumwein hebt, mit
       seinen Sitznachbarn Elon Musk und Jensen Huang anstößt, fährt der
       US-Präsident fort: „Wir haben uns nie zuvor so gut verstanden“. Schließlich
       lässt er eine 90 Zentimeter große Adlerstatue enthüllen – als besonderes
       Geschenk für den von weit her angereisten Gast.
       
       Zwar stand bereits im Vorfeld vom vielleicht wichtigsten Gipfeltreffen des
       Jahres fest, dass Donald Trump eine besonders pompöse Show hinlegen würde.
       Doch das Ausmaß der Inszenierung erstaunte dann doch auch viele chinesische
       Beobachter. „Trump empfängt Xi diesmal zweifellos mit den höchsten
       protokollarischen Ehren, die es jemals gegeben hat“, [1][kommentiert Wang
       Zhian], ehemaliger Journalist beim Staatsfernsehen CCTV, der mittlerweile
       im japanischen Exil lebt.
       
       Dem gegenüber steht eine ziemlich schwache Bilanz, wenn man nur auf die
       konkreten Resultate schaut. „Bislang erfüllt der Gipfel nicht einmal die
       ohnehin niedrigen Erwartungen“, [2][schreibt Scott Kennedy] vom
       Washingtoner Center for Strategic and International Studies auf X.
       
       ## Immerhin: Regelmäßiger Austausch zu KI
       
       Angesichts der bisher veröffentlichten Stellungnahmen beider Seiten ist dem
       nur schwer zu widersprechen. Zumindest ein konkretes Resultat sticht
       hervor: Die USA und China haben sich auf eine zweimonatige Verlängerung
       ihres vor einem Jahr im südkoreanischen Busan erzielten Abkommens geeinigt.
       Der Deal, der nun bis zum kommenden Januar gilt, besagt unter anderem, dass
       Trump keine weiteren Zölle erhebt, während Xi den US-Unternehmen Zugang zu
       seltenen Erden aus China gewährt. Erwartet wurde allerdings, dass die
       Einigung um deutlich länger als nur zwei Monate fortgeführt würde.
       
       Und bei praktisch allen anderen Themen – etwa Chinas Unterstützung von Iran
       und Russland – gibt es keine erkennbaren Durchbrüche. Im Umgang mit KI
       haben Washington und Peking immerhin einen regelmäßigen Austausch
       angekündigt. Bei der Taiwan-Frage, dem für Chinas Staatsführung zentralen
       Anliegen, hat Xi Jinping den rhetorischen Druck erhöht, als er die USA dazu
       ermahnte, an der „richtigen Position“ festzuhalten und eine Unabhängigkeit
       Taiwans abzulehnen. Ob Trump bestimmte Konzessionen gegeben hat, etwa eine
       weitere Verzögerung des 14 Milliarden Dollar schweren Waffenpakets an
       Taiwan, ist nicht bekannt.
       
       Gemessen an den vielen Herausforderungen zwischen den zwei Weltmächten sind
       die Ergebnisse also lauwarm ausgefallen. „Aus meiner Sicht ist das
       Außergewöhnlichste das Ausmaß der Inszenierung und die Symbolik, die
       Präsident Trump für Präsident Xi auffährt. Offen gesagt schien genau das
       der Kern dieses Besuchs zu sein“, [3][sagte Julian Gewirtz,] ehemaliger
       China-Berater unter Joe Biden, dem Fernsehsender CNBC. Peking sei mehr als
       gewillt, bei dieser Inszenierung mitzuspielen, weil es der chinesischen
       Seite dabei helfe, Zeit zu gewinnen, meint Gewirtz.
       
       ## Ein Wettlauf, kein Ringkampf
       
       Tatsächlich hat sich Trump demonstrativ viel Zeit genommen, um seinem Gast
       den neuen Hubschrauberlandeplatz vorm Weißen Haus zu zeigen und entlang der
       Kolonnade die Präsidentenporträts zu präsentieren. Offensichtlich ging es
       ihm dabei darum, einen persönlichen Draht zum chinesischen Parteichef zu
       etablieren. „Xi spricht über die Beziehungen zwischen Staaten und über
       Macht. Trump spricht über die persönliche Chemie. Der Kontrast könnte kaum
       deutlicher sein“, [4][meint Ryan Hass] vom Brookings Institute.
       
       Xi Jinping hat in seinen Reden umrissen, wie er auf den entscheidenden
       Systemwettbewerb der Gegenwart blickt. „China und die Vereinigten Staaten
       können beide von Zusammenarbeit profitieren und werden beide bei einer
       Konfrontation verlieren“, sagte Xi: „Unser Wettbewerb sollte ein gesunder
       Wettbewerb sein und innerhalb bestimmter Grenzen bleiben. Es sollte ein
       Wettlauf sein, bei dem beide versuchen, den anderen einzuholen, und kein
       Ringkampf, bei dem einer gewinnt und der andere verliert.“ Und dann holte
       der 73-Jährige seine Lieblingsmetapher hervor: „Die Thukydides-Falle kann
       überwunden werden“.
       
       Das Sprachbild wurde erstmals von dem US-Politologen Graham Allison populär
       gemacht. Es beschreibt den Krieg zwischen dem aufstrebenden Athen mit dem
       etablierten Sparta vor fast 2.500 Jahren. Laut dem griechischen
       Militärhistoriker Thukydides löste Spartas Angst vor der wachsenden Macht
       Athens die offene Eskalation aus. Nun lässt sich diese Konstellation auf
       Washington und Peking übertragen.
       
       Beim Gipfeltreffen wurde auch deutlich, dass die zwei Staatschefs lediglich
       in ihrem ausgeprägten Willen zur Macht Ähnlichkeiten aufweisen. Von der
       Mentalität her ticken sie völlig unterschiedlich. Während man Donald Trump
       einen gewissen Entertainment-Faktor nicht absprechen kann, wirkte Xi
       während des gesamten Staatsbesuchs steif und unbeholfen. Bei seinen monoton
       vorgetragenen Reden klebten Xis Augen sklavisch am Skript, und auch seine
       Aussprache sorgte mehrmals für unfreiwillige Komik. Als der chinesische
       Parteivorsitzende etwa von der historischen „Pingpong-Diplomatie“ unter
       Nixon und Mao sprach, sagte er auf Chinesisch versehentlich:
       [5][„Eis-am-Stiel-Diplomatie“.]
       
       Interessant war, was am Rande des offiziellen Zeremoniells passiert. Als
       Xis Ehefrau Peng Liyuan nach ihrem Besuch aus dem Smithsonian American Art
       Museum trat, riefen chinesischstämmige Exil-Aktivisten ihr lautstark
       Protestslogans zu: „Nieder mit Xi Jinping!“ Sofort stürmten
       Sicherheitskräfte mit khakifarbenen Kappen und Gesichtsmasken an, um die
       Peking-Kritiker mit Pfefferspray zu attackieren – ehe die anwesende Polizei
       intervenierte. [6][Menschenrechtsorganisationen vermuten], dass es sich bei
       den Angreifern um chinesische Agenten gehandelt hat.
       
       25 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/wangzhian8848/status/2103276210595995866
 (DIR) [2] https://x.com/KennedyCSIS/status/2103203922592821725
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=CbRfz5m9WZo
 (DIR) [4] https://x.com/ryanl_hass/status/2103188230913077438
 (DIR) [5] https://x.com/whyyoutouzhele/status/2103323607657222537
 (DIR) [6] https://x.com/wang_maya/status/2103224785366839642
       
       ## AUTOREN
       
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