# taz.de -- Teffen von Xi und Trump: Chinas neues Selbstbewusstsein
       
       > Der chinesische Staatschef Xi besucht US-Präsident Trump in Washington.
       > Der Gast ist in einer starken Position, weil die Volksrepublik viele
       > Lieferketten dominiert.
       
 (IMG) Bild: Die beiden mächstigsten Männer der Welt: US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping im Mai 2026 in Peking
       
       Wenn Staatschefs nach Washington fliegen, dann bemüht sich [1][Donald
       Trump] normalerweise nicht zum Militärstützpunkt Andrews für einen
       persönlichen Empfang. Doch für Xi Jinping macht der US-Präsident eine
       Ausnahme. Ehe die zwei mächtigsten Männer der Welt am Donnerstag ihre
       Gespräche im Weißen Haus beginnen, werden fast 500 US-Soldaten der
       Begrüßungszeremonie beiwohnen. Sie endet mit dem Überflug eines
       B-2-Tarnkappenbombers und vier F-22-Kampfflugzeugen.
       
       Erstmals seit 2015 [2][wird Xi Jinping wieder in die] amerikanische
       Hauptstadt reisen. Wie die Staatschefs der zwei Weltmächte ihre Beziehungen
       ausloten, hat Auswirkungen auf den Rest der Welt. „Klar ist, dass der
       Besuch als Erfolg dargestellt wird. Präsident Trump wird gegenüber
       Präsident Xi einen warmen und gastfreundlichen Ton anschlagen“, sagt Kurt
       Tong, ehemaliger US-Generalkonsul in Hongkong. Gleichzeitig erwartet Tong,
       mittlerweile Partner bei der Strategieberatung Asia Group, dass die
       Resultate des Gipfels wohl „enttäuschend“ ausfallen werden: „Insbesondere,
       wenn man sie an der Vielzahl der Probleme und Schwierigkeiten in den
       Beziehungen misst.“
       
       Davon gibt es viele: Der Handelskrieg zwischen den beiden Ländern schwelt
       nach wie vor. Die Frage [3][nach einem verbindlichen Regelwerk zum Umgang
       mit künstlicher Intelligenz bleibt ungeklärt]. China hält die russische
       Kriegswirtschaft am Laufen. Die chinesischen Menschenrechtsverletzungen von
       Tibet bis Xinjiang wären ebenso relevant. Trump wird sie wohl nicht auf die
       Agenda setzen.
       
       ## Fragile Vereinbarung
       
       Zumindest ein konkretes Ergebnis wird das Treffen in Washington wohl
       bringen: Der sogenannte „Waffenstillstand“, den Xi und Trump bei ihrem
       Treffen im letzten Herbst im südkoreanischen Busan vereinbart hatten,
       dürfte verlängert werden. Der Deal sieht vor, dass China den US-Firmen
       weiterhin seltene Erden liefert, während die USA ihre Tech-Sanktionen gegen
       Peking nicht weiter verschärfen. Es ist eine fragile Waffenruhe.
       
       Dass sich die zwei Technologiemächte beim Umgang mit KI einig werden, gilt
       dagegen als ausgeschlossen. Denn: Wer den ersten Schritt wagt, droht im
       Wettrennen um die globale Technologieführerschaft ins Hintertreffen zu
       geraten.
       
       „China betrachtet KI tatsächlich als das neue Internet und als einmalige
       Chance“, sagt George Chen, ehemaliger Leiter der China-Sparte beim
       US-Techkonzern Meta. „Xi Jinping ist jetzt 73 Jahre alt, er möchte ein
       Vermächtnis hinterlassen – und Amerika bei der neuartigen Technologie
       schlagen.“ Als das konventionelle Internet seinen Siegeszug antrat, haben
       die USA die globalen Standards gesetzt – von IP-Adressen bis hin zu den
       technischen Regeln, nach denen Computer und Netzwerke weltweit miteinander
       kommunizieren. [4][Bei KI möchte nun China die Spielregeln bestimmen.]
       
       „Xi Jinpings Zuversicht, was die Stärke Chinas in den Bereichen Technologie
       und Innovation angeht, ist historisch hoch“, sagt Chen. Chinas mächtigster
       Parteivorsitzender seit Mao Tse-tung hat die Industrieproduktion des Landes
       auf beeindruckende Weise vorangetrieben: Von Elektromobilität über Robotik
       bis hin zur Chemiebranche dominiert die Volksrepublik China viele
       strategische Lieferketten. Wenn die EU ihr Militär aufrüsten, neue
       Medikamente auf den Markt bringen oder die Energiewende vorantreiben
       möchte, ist sie unweigerlich auf chinesische Unternehmen angewiesen.
       
       Dabei steht China gesamtwirtschaftlich so schlecht wie seit langem nicht
       mehr da. Der Binnenkonsum ist historisch niedrig, die
       Jugendarbeitslosigkeit hoch – und Hunderte Millionen Chinesen haben
       aufgrund der Immobilienkrise und Gehaltskürzungen erhebliche
       Wohlstandsverluste erlitten. Doch beim Treffen mit Trump wird sich Xi das
       nicht anmerken lassen.
       
       Welche Folgen das neue Selbstbewusstsein der chinesischen Staatsführung
       hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Insbesondere Falken in
       Washington sind der Ansicht, dass ein starkes China immer aggressiver
       auftreten wird. Laut Da Wei, Politologe an der Pekinger
       Tsinghua-Universität, ist das Gegenteil der Fall: „Wenn Chinas Führung
       davon überzeugt ist, ihr außenpolitisches Umfeld im Griff zu haben und die
       Kerninteressen und Entwicklungsperspektiven des Landes nicht bedroht sind,
       ist sie eher bereit, Zurückhaltung zu üben, Gespräche zu führen und sich
       auf die Lösung innenpolitischer Probleme zu konzentrieren“, argumentiert er
       im Fachmagazin Foreign Affairs.
       
       Bislang ist von Pekings Zurückhaltung allerdings wenig zu spüren. Chinas
       Küstenwache geht im Territorialstreit ums Südchinesische Meer immer
       schroffer gegen die Philippinen vor. Zudem erhöht China den militärischen
       und rhetorischen Druck gegenüber Taiwan.
       
       Für Xi ist Trump eine historische Chance: Der US-Präsident hat in Iran
       einen Krieg angezettelt, der die militärischen Ressourcen des Landes
       aufzehrt. Er vergrault mit Strafzöllen und kruder Rhetorik seine Alliierten
       in Ostasien. Gleichzeitig hat er seine Verpflichtung zur taiwanischen
       Verteidigung offen infrage gestellt. All dies könnte Xi Jinping ermutigen,
       seine Pläne einer Eroberung Taiwans in die Tat umzusetzen.
       
       23 Sep 2026
       
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