# taz.de -- Chinas Kommunistische Partei: Xi Jinping bringt seine Parteiführung auf Linie
> Beim 5. Plenum des derzeitigen Zentralkomitees stellt Xi Jinping die
> Weichen für seine nächste Amtszeit. „Säuberungen“ sind zum Dauerzustand
> geworden.
(IMG) Bild: Archivbild vom Juli 2024 mit Xi Jinping (Mitte): Der Ständige Ausschuss des Politbüros ist das Machtzentrum im Zentralkomitee
Am Donnerstag ließ Xi Jinping in Peking erneut „Köpfe rollen“. Zum
Abschluss des sogenannten 5. Plenums des Zentralkomitees schloss die
Parteiführung insgesamt 33 hohe Kader aus den eigenen Reihen aus – so viele
wie nie zuvor.
Bei einer der wichtigsten Veranstaltungen im chinesischen Politkalender
zeigte sich erneut, das Parteichef Xi keineswegs altersmilde geworden ist.
Im Gegenteil: Nach fast anderthalb Dekaden an der Macht lässt der
73-Jährige nicht in seinem Willen nach, die KP nach seinen eigenen
Vorstellungen umzugestalten – auch, um sich eine historische vierte
Amtszeit zu sichern.
Als Xi 2012 an die Macht kam, nannte er die grassierende Korruption bereits
als „größte Bedrohung“ für die Partei. Daran hat sich bis heute nichts
geändert. Die „Säuberungswellen“ der letzten Jahre sind beispiellos: 2022
startete das Zentralkomitee noch mit über 370 Mitgliedern, dieses Jahr sind
nur noch 279 im Amt.
Zuletzt wurden auch etliche Militärs geschasst, darunter General Zhang
Youxia. Er galt lange Zeit als rechte Hand Xi Jinpings. Ob er wegen
Bestechlichkeit seinen Platz räumen musste oder weil er sich politisch
illoyal verhalten hat, werden wohl erst Historiker klären können.
## Paranoider Ideologe
Wer aktuelle Reden Xis durchforstet, erlebt einen verbissenen Ideologen mit
geradezu paranoiden Zügen. So wetterte er in einem Mitte Oktober
veröffentlichten Dokument gegen „doppelzüngige“ Parteikader, die insgeheim
Opportunisten seien: „Manche vertreten liberale Denkweisen, stellen den
Individualismus über alles und wenden die Ideen des Sozialismus (…) nur
selektiv an – je nachdem, ob sie ihnen passen oder nicht“.
Vor Xi Amtszeit steckte die KP tatsächlich in einer Identitätskrise. Denn
die Ideologie spielte für die allermeisten Kader nur mehr eine
untergeordnete Rolle. Viele betrachteten ihre Machtposition vor allem als
Möglichkeit, sich selbst zu bereichern. Örtliche Parteikader, die
umgerechnet nur wenige hundert Euro pro Monat verdient haben, zeigten stolz
ihre Golduhren und Mätressen her.
Solche Exzesse gehören nun weitgehend der Vergangenheit an. Mittlerweile
ist die KP auch ideologisch wieder omnipräsent im chinesischen Alltag.
Jedes größere Unternehmen muss eine eigene Parteizelle unterhalten. Von den
Universitäten bewerben sich die klügsten Köpfe um eine
Parteimitgliedschaft. Wer seine Macht missbraucht oder Gelder annimmt, muss
mit harten Konsequenzen rechnen.
Doch Xis Säuberungswellen haben sich praktisch verselbstständigt. Die
eigentliche Ausnahme ist längst zum Dauerzustand geworden. Allein von
Januar bis September hat die Antikorruptionsbehörde 680.000
Parteimitglieder diszipliniert. Dabei geht es Xi auch um den eigenen
Machterhalt: Der chinesische Partei- und Staatschef, der über Jahre hinweg
Abertausende Widersacher ins Gefängnis gesteckt und Unternehmer enteignet
hat, sieht mittlerweile potenzielle Feinde und Opposition an jeder Ecke.
Wer nicht absolut loyal ist, macht sich verdächtig.
Erst vor wenigen Wochen traf es Huang Qifan, den ehemaligen Bürgermeister
der südwestlichen Metropole Chongqing. Gegen den 74-Jährigen, der sich
immer wieder mit Reden und Büchern in den politischen Diskurs einmischte,
wird derzeit ermittelt. Beweise für sein angebliches Fehlverhalten gibt es
nicht. Doch in China gleicht allein die Tatsache, dass Untersuchungen
laufen, schon einem Schuldspruch.
Die beispiellose Parteidisziplin hat noch einen zweiten Grund: Xi befindet
sich derzeit in einer kritischen Phase seiner politischen Laufbahn. 2027
wird sich die Parteiführung neu aufstellen, und Chinas mächtigster Führer
seit Staatsgründer Mao Zedong stellt die Weichen für seine vierte Amtszeit.
Dabei wird Xi auch von einer historischen Hybris getrieben: Er ist
überzeugt davon, nur höchstpersönlich die chinesische Nation zu alter Größe
zurückführen zu können.
Längst wagt es keine Parteikader mehr, offen die Entscheidungen des
Parteivorsitzenden infrage zu stellen. Doch während die politische
Opposition ausgemerzt ist, bleibt die Korruption nach wie vor ein großes
Problem. Das belegen regelmäßig geleakte Dokumente.
Der jüngste Fall: Zhang Xiang, der Chef eines staatlichen Agrarunternehmens
in der Provinz Hunan, ist auf Überwachungsvideos in seinem Büro zu sehen,
wie er an einem Arbeitstag Dutzende Angestellte empfängt, die ihm wie
selbstverständlich gefüllte Briefumschläge überreichen. Genüsslich und
völlig selbstverständlich zählt Zhang die Geldscheine, ehe er sie in seiner
Schublade hortet, während auf Zhangs Schreibtisch eine Büste von Mao Zedong
steht, direkt neben dem Parteiemblem von Hammer und Sichel.
29 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Fabian Kretschmer
## TAGS
(DIR) Xi Jinping
(DIR) Kommunistische Partei
(DIR) KP China
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