# taz.de -- Sozialdemos am Wochenende: Gewerkschaften kümmern sich wenigstens
       
       > Am Wochenende starten deutschlandweit Demos gegen Sozialabbau –
       > organisiert von den Gewerkschaften. Die haben leider keinen guten Stand.
       
 (IMG) Bild: Demonstration am 1. Mai 2026 in Berlin
       
       Die Busse sind bestellt, die Werbung läuft – am Samstag planen die
       Gewerkschaften in 15 Städten Demonstrationen gegen die Sozialkürzungen.
       Bestenfalls werden über 100.000 Demonstrierende dabei sein. Sehr schön.
       Aber das reicht nicht – nicht nur mit Blick auf die Zahl der
       Gewerkschaftsmitglieder von rund 5,4 Millionen. Sondern auch mit Blick auf
       die 36 Millionen Beschäftigten.
       
       Offensichtlich wird immer noch nicht begriffen, dass gegen Kürzungen und
       steigende Kosten vor allem eines hilft: sich gewerkschaftlich organisieren,
       höhere Löhne erkämpfen, soziale Errungenschaften verteidigen. Für die
       Beschäftigten macht das sonst niemand. Kein Arbeitgeber verschenkt
       freiwillig Geld, egal wie hoch Mieten sind und Benzinpreise steigen. Erst
       recht nicht in Ostdeutschland, wo es besonders wenig
       Gewerkschaftsmitglieder gibt.
       
       Die höheren Löhne in der Gastronomie fallen nicht vom Himmel, die haben die
       Gewerkschaften rausgehandelt. Auch einen Sozialplan gibt es stets nur mit
       Betriebsrat. [1][Anständige Rente], [2][Lohnfortzahlung im Krankheitsfall],
       bezahlter Urlaub: zäh erkämpft. Aber auch abschaffbar – die Angriffe darauf
       sind da. Höchste Zeit, dass sich das Millionen Trittbrettfahrer klarmachen,
       die nicht in der Gewerkschaft sind, aber jede Lohnerhöhung und alle
       sozialen Goodies danklos mitnehmen.
       
       Nun sind Gewerkschaften auch selbst schuld daran, dass sie so unattraktiv
       scheinen. Ihre gruselige Sprache, die Hierarchien, zu wenige Frauen in den
       Führungspositionen – unbedingt verbesserungswürdig. Und ja, [3][in den
       Gewerkschaften gibt es auch AfD-Wähler.] Aber sie sind die Einzigen, die da
       sind, wo Politik und Medien sich selten finden: mitten in den Betrieben.
       Wer ihnen nicht mehr als eine schmuddelige Nebenrolle in der sozialen
       Debatte zugesteht – wie das auch Medien tun –, schaut nicht genau hin. Und
       spielt so das Spiel der Arbeitgeber und Konzerne, die vergnügt schweigen.
       Deren größte Hoffnung: schwache Gewerkschaften. Den Gefallen sollte man
       denen nicht tun.
       
       24 Sep 2026
       
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