# taz.de -- Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern: AfD-interne Kritik am Wahlerfolg
       
       > Nach einer AfD-Analyse wäre in Mecklenburg-Vorpommern mehr möglich
       > gewesen. Der Schuldige: ihr Ministerpräsidentenkandidat.
       
 (IMG) Bild: Die AfD ist mit dem Ergebnis der Landtagswahl in MV unzufrieden. Die Doppelspitze mit Schult und Holm hat nicht funktioniert
       
       Am Wahlabend zeigte sich Leif-Erik Holm sehr zufrieden. „20 Punkte
       zugelegt, [1][das ist mehr als verdoppelt]“, sagte der AfD-Kandidat für das
       Ministerpräsidentenamt in Mecklenburg-Vorpommern, als seine Partei 38,2
       Prozent erreichte. [2][Im Schweriner Schloss ist die AfD die stärkte
       Fraktion]. Dass die Kandidatur gegen die Ministerpräsidentin Manuela
       Schwesig (SPD) misslang, wischte Holm weg, der für die AfD im Bundestag
       sitzt. Eine interne Analyse, die der taz vorliegt, beklagt jedoch die
       verpasste Chance der absoluten Mehrheit. Sie macht vor allem den
       Ministerpräsidentenkandidaten für die fehlenden Prozente verantwortlich.
       
       Schon der Titel der Wahlkampfanalyse „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit –
       Eine organisatorische und strategische Aufarbeitung der Kampagne 2026“
       deutet Kritik an. Auf der dritten Seite der 25-seitigen Analyse wird
       bereits fett gedruckt zusammengefasst: „Ein öffentlich gewollter
       Regierungsanspruch trifft auf organisatorische Dysfunktionalität“. Die
       Möglichkeit einer Regierungsübernahme sei „durch eine unkoordinierte
       Doppelspitze, mangelnde Gremiendisziplin und fehlende Abstimmung verspielt
       wurden“.
       
       ## „Ein kommunikatives Desaster“
       
       Die harte Kritik kommt von Daniel Fiß, der auch die Kampagne leitete. Der
       AfD-Mitarbeitende war früher bei der Jugendorganisation der NPD, die heute
       Die Heimat heißt, und stellvertretender Bundesvorsitzender der Identitären
       Bewegung. Die Tätigkeit als Kampagnenleiter offenbart [3][mal wieder, dass
       Unvereinbarkeitsbeschlüsse der AfD nicht so verbindlich sind.] Schon vor
       dem Engagement war Fiß bei dem AfD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Holger
       Arppe angestellt, der gehen musste, nachdem NDR und [4][taz Chatprotokolle
       von ihm] mit rassistischen, pädophilen, gewaltpornografischen und
       verherrlichenden Inhalten öffentlich machten.
       
       In der Analyse kritisiert Fiß, dass die Doppelspitze Holm und Schult in der
       Öffentlichkeit kaum erklärbar gewesen wäre. Zudem wäre unklar geblieben,
       warum der Ministerpräsidentenkandidat nicht mit der Landesliste abgesichert
       und der Spitzenkandidat nicht in direkter Konfrontation zur
       Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gegangen war.
       
       Der Analyse ist zu entnehmen, dass im Juli 2025 der Landesvorstand Enrico
       Schult als „Spitzen- und Ministerpräsidentenkandidat“ nominiert wurde,
       weshalb Holm „nicht zufrieden“ gewesen wäre. Im Machtgerangel ergab sich
       die Doppelkandidatur. „Ein kommunikatives Desaster“, auch weil bei
       Interviews mitschwang, dass Holm sich eine „Hintertür“ offen ließe, da er
       beim Scheitern der Kandidatur weiter im Bundestag bleiben könnte.
       
       ## Großveranstaltungen fanden nicht statt
       
       Holm hätte durch mangelnde „Professionalität“ denn auch die „nötige
       Arbeitsharmonie“ im Landesverband behindert. Mit der „Arbeitsgruppe Wahl“
       soll Holm keine verbindliche Kommunikation geführt haben. „Der MP-Kandidat
       entkoppelte sich selbst“. Rückblickend, so heißt es in der Analyse, hätte
       „der Landessprecher, Bundestagsabgeordnete und Ministerpräsidentenkandidat
       Leif-Erik Holm“ weder „strategische noch taktische Impulse in die Kampagne
       hineingebracht“. Und erneut fett gedruckt, er wurde „nicht sabotiert oder
       aktiv isoliert“. Holm hätte „eigenständige Kommunikationskanäle“
       unterhalten.
       
       Eine Großveranstaltung in Rostock oder Schwerin mit 3.000 Personen, wofür
       alleine 75.000 Euro eingeplant waren, platzte, da Holm kein „finales
       Konzept“ erarbeiten ließ. Eine konkrete Vorbereitung für die
       Regierungsoption verblieb ebenso: „Das ist Führungsschwäche und
       organisatorisches Versagen!“. Fiß störte auch, dass Holm die AfD als „‚die
       CDU vor 30 Jahren‘“ wiederkehrend benannte. Viel zu moderat, viel zu nett.
       
       24 Sep 2026
       
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 (DIR) Andreas Speit
       
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